„Regionetz“: Für die Kunden soll sich nichts ändern

Von: René Benden und Hermann-Josef Delonge
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Strommast
Die gemeinsame Netzgesellschaft von Stawag und EWV wird rund 600 Mitarbeiter beschäftigen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Aachen/Stolberg. Wie immer das Wichtigste vornweg: Für die Kunden von Stawag und EWV soll sich nichts ändern. Die enge Kooperation der Aachener Stadtwerke AG und der Stolberger Energie- und Wasser-Versorgung GmbH durch Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft wird sich nach außen hin lediglich etwa durch ein neues Logo auf dem Blaumann der Mitarbeiter bemerkbar machen.

Wobei: Dort wird dann „Regionetz“ zu lesen sein, und so heißt die Netzgesellschaft der EWV bereits heute – wenn auch mit kleinem „r“ geschrieben. Die der Stawag trägt den Namen „Infrawest“. Für den Zusammenschluss der 100-prozentigen Töchter der beiden Versorger hat man sich für den griffigeren Namen entschieden.

Hinter der Kulissen wird die Gründung der neuen Netzgesellschaft allerdings für wesentlich mehr Aufsehen sorgen; immerhin wird seit Jahren immer mal wieder über Kooperationen und sogar Zusammenschlüsse unter regionalen Energieversorgern diskutiert. Dazu ist es bislang – aus den verschiedensten Gründen – nicht gekommen. Die neue Regionetz setzt hier also durchaus ein – auch politisches – Zeichen.

Die Aufsichtsräte von Stawag und EWV unterstützen das Projekt ausdrücklich, wie die Vorsitzenden Harald Baal (Stawag) und Tim Grüttemeier (EWV), der auch Stolberger Bürgermeister ist, gegenüber unserer Zeitung betonen. Noch vor der Sommerpause soll der Prozess, der mit ersten Gesprächen bereits 2015 begann, von den politischen Gremien, letztlich also den Parlamenten der betroffenen Kommunen, abgesegnet sein.

Die neue Gesellschaft soll zum 1. Januar 2018 an den Start gehen. Mit rund 600 Mitarbeitern entstünde dann der größte Netzbetreiber der Region und einer der größten in ganz NRW.

Die Gründe für den Zusammenschluss haben auch mit Demografie zu tun. „Die gesamte Branche wird sich verjüngen und auf eine dynamischere Entwicklung einstellen müssen“, sagt Stawag-Vorstand Peter Asmuth. Das Versorgungsunternehmen rechnet damit, dass in den kommenden fünf Jahren rund 100 Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden werden. Fachpersonal, das nicht leicht zu ersetzen sein wird, vor allem im Hinblick auf die Herausforderungen in der Branche: Smart Metering, also intelligente Stromzähler, ist nur ein Stichwort. Gemeinsam, so hoffen die neuen Partner, lassen sich diese Probleme leichter abfedern.

EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder hebt außerdem die räumliche Nähe der beiden Versorger hervor. Aber natürlich geht es auch um Synergie und Effizienzsteigerung – sprich: Einsparungen. Stawag-Vorstand Christian Becker spricht in diesem Zusammenhang vom „Kostendruck“, der durch die Vorgaben der Regulierungsbehörde auch im Netzbetrieb steige.

Die Zuständigkeit der neuen Gesellschaft reicht über die Städteregion Aachen in Teile des Kreises Heinsberg und in den Norden des Kreises Düren hinein – dem Gebiet entsprechend, das von Stawag und EWV mit Strom und/oder Gas versorgt wird. Netzgesellschaft bedeutet: Die Regionetz soll alle Aufgaben wie Bau, Betrieb, Netzwirtschaft und die Verwaltung der Anlagen und Zähler in den Bereichen Strom, Gas, Wärme, Wasser und Abwasser bündeln – auch hier entsprechend dem, was Stawag und EWV anbieten.

Das kann je nach Region unterschiedlich sein. So ist die Stawag in Simmerath und Monschau als Stromversorger präsent, während Gas dort von EWV angeboten wird. Bei der Stawag spielt Fernwärme eine größere Rolle, bei EWV nicht. Die neue Netzgesellschaft würde das Wassernetz im Gebiet der Stawag nicht nur bauen, versorgen und reparieren, sondern auch übernehmen, während das in die Zuständigkeit fallende Wassernetz im Gebiet der EWV beim Städtischen Wasserwerk Eschweiler und beim Verbandwasserwerk Aldenhoven bleibt.

Aber das sind Details, die die Gesellschafter der neuen Regionetz bei der Ausarbeitung der Verträge beschäftigen, den Kunden jedoch kaum tangieren. Für die Gesellschafter dürfte auch wichtig sein, dass sich hier zwei Partner „auf Augenhöhe“ begegnen, wie die Aufsichtsratschefs betonen (auch wenn die Stawag nach aktuellen Berechnungen 50,8 Prozent des Stammkapitals halten wird), und dass es durch die Zusammenlegung keinen Gewerbesteuerausfall für die Kommunen geben soll.

Die neue Regionetz soll in Aachen angesiedelt werden, alle Betriebsstätten sollen allerdings langfristig erhalten bleiben. Das wiederum dürfte vor allem die Mitarbeiter interessieren, die bislang bei der EWV-Netzgesellschaft in Eschweiler-Weisweiler beschäftigt sind.

Die Betriebsräte unterstützen die Gründung der neuen Gesellschaft. Die Tariflöhne der Mitarbeiter sollen unangetastet bleiben. Und auch die Leitung teilen sich Stawag und EWV: Infrawest-Geschäftsführer Stefan Ohmen und regionetz-Geschäftsführer Axel Kahl sind nominiert.

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