Recycling: „Zweites Leben“ für schlappe Batterien

Von: Ulrich Simons
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Prof. Antonello Monti wird sich in den nächsten Monaten mit ausrangierten Autobatterien beschäftigen. Vor dem Recycling lassen sie sich in einer Art „zweitem Leben“ noch clever nutzen. Foto: Ulrich Simons, Nissan

Aachen. Die High-Tech-Geräte von heute sind der (Elektro-)Schrott von morgen. Elektrisch angetriebene Autos, die in Deutschland jetzt mit Hilfe üppiger Kaufprämien den Markt erobern sollen, werden da in einigen Jahren keine Ausnahme sein. Schon heute zerbrechen sich Experten die Köpfe, was zum Beispiel mit den zum Teil mehrere Hundert Kilogramm schweren Antriebsbatterien geschehen soll.

An der Aachener RWTH glaubt man, einer Antwort auf der Spur zu sein. Die heißt überraschenderweise nicht „Recyc­ling“ sondern „Second Life“ – also zweites Leben, gefördert von der EU.

Die Fahrt geht hinaus zum Campus West im Aachener Stadtteil Melaten, vorbei an der Feuerwache Nord zum Eon Energy Research Center (ERC) an der RWTH Aachen. „Da kommt er hin“, deutet Prof. Antonello Monti auf die Wiese gleich am Eingang, vor der vier BMW i3 und ein Renault Kangoo an Elektrozapfsäulen hängen. „Er“ ist ein Container, in dem vom Sommer an Zukunft gemacht werden soll, und Prof. Monti ist seit Oktober 2008 Gründungsdirektor des Institutes für Automation of Complex Power Systems (ACS), also ein ausgewiesener Experte für komplexe Energiemanagementsysteme.

Anfang der Woche war er Gastgeber des ersten Treffens von rund 30 Fachleuten und Industriepartnern, die sich am ERC zwei Tage lang über Chancen und Anforderungen des Projektes „Energy Storage with 2nd Life Batteries/Energiespeicherung mit Batterien in deren zweitem Lebensabschnitt“ austauschten.

Dieses „zweite Leben“ beginnt bei einer Autobatterie relativ früh, wobei hier und im Folgenden nicht die kleine Starterbatterie gemeint ist, die in jedem Auto steckt, sondern die große Batterie (Foto), die im E-Mobil den Elektromotor mit Energie versorgt. Sobald der Energiespeicher nur noch 80 Prozent oder weniger seiner Leistungsfähigkeit hat, ist er als Stromquelle fürs Auto nicht mehr zu gebrauchen, weil mit nachlassender Leistung die Reichweite des Fahrzeugs in den Keller geht. Dann steht irgendwann das E-Mobil nur noch an der Ladestation. Andererseits: „Kaputt“ im klassischen Sinne ist die Batterie dann noch nicht.

Hier setzt das Aachener Forschungsprojekt ELSA (Energy Local Storage Advanced System) ein. Ausrangierte Batterien aus Elektrofahrzeugen sollen zu lokalen Puffersystemen verbunden werden, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen, Bedarfsspitzen abzudecken oder überschüssigen Öko-Strom zu speichern. In sechs Pilotanlagen in fünf europäischen Ländern soll das Verfahren vom Sommer an erprobt werden.

Am ERC an der Aachener RWTH will man beispielsweise herausfinden, wie der Batterien-Verbund im Einsatz in Gebäuden von Nutzen sein kann. Technischer „Unterbau“ sollen sechs ausgemusterte Batterien aus dem Renault Kangoo mit einer Gesamtleistung von 95 Kilowattstunden (kWh) sein.

Im Container an der Mathieu­straße wollen die Aachener Wissenschaftler die Software für das Zusammenspiel der Batterien entwickeln und testen. Interessant könnte bei späteren Anwendungen werden, dass verschiedene Batterietechniken und Batterien unterschiedlicher Leistung zur Zusammenarbeit gebracht werden müssen. Hinzu kommt, dass die installierten Batterien nicht alle gleich alt sind.

Das Experiment ist auf anderthalb Jahre ausgelegt; Ende 2017 will man erste Ergebnisse präsentieren können. Ob dann bereits ausrangierte Batterien in nennenswerter Stückzahl verfügbar sind, um im großen Maßstab loszulegen, ist ein ganz anderes Kapitel. Die Verbreitung von E-Autos ist derzeit noch recht überschaubar, zudem geben die Batteriehersteller Garantien, die fast an die Lebensdauer des ganzen Fahrzeuges heranreichen. Was sie so sicher macht, sind die langsamen und damit materialschonenden Ladezyklen an den Ladestationen.

Inwieweit die kürzeren Lade- und Entnahmezyklen das „zweite Leben“ der Batterien beeinflussen? Auch dazu hofft Prof. Monti in anderthalb Jahren Genaueres zu wissen. „Im Augenblick haben wir da noch keine Erfahrung.“

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