NRW gegen Blockade des Aixtron-Deals

Von: Reinhard Kowalewsky
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Aixtron
Nachdem Sigmar Gabriel den Verkauf vorläufig blockiert hatte, setzt sich der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin nun dafür ein, dass Aixtron verkauft wird. Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf/Aachen/Berlin. Die Diskussion um den Einstieg des chinesischen Investors Fujian Grand Chip Investment bei dem Herzogenrather Spezialmaschinenbauer Aixtron nimmt an Schärfe zu. Nachdem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am 24. Oktober völlig überraschend erklärt hatte, der 670 Millionen Euro teure Verkauf von Aixtron werde nun doch noch einmal überprüft und darum vorläufig blockiert, nimmt sein Parteifreund Garrelt Duin als nordrhein-westfälischer Wirtschaftsminister nun die entgegengesetzte Haltung an.

Duin warb am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung dafür, das Geschäft freizugegeben: „Ich kann mich den Bedenken gegen den Aixtron-Deal nicht anschließen. Es ist seit Jahren bekannt, dass die Anlagen von Aixtron zur Chipfertigung zivil und auch militärisch genutzt werden können. Und Aixtron verkauft seit vielen Jahren Anlagen sowohl nach China als auch in die USA. Ob ein Eigentümerwechsel an der Zulässigkeit solcher Geschäfte etwas ändert, erscheint mir zumindest erklärungsbedürftig. Für mich ist wichtig, dass es klare Garantien für den Standort Aachen gibt.“

Dem Einstieg chinesischer Investoren bei Aixtron stehen Sorgen um sensible Verteidigungstechnologien im Weg. So fürchtet die Bundesregierung offenbar um eine Offenlegung von sicherheitsrelevanten Technologien, insbesondere für den Verteidigungssektor.

Aixtron kooperiere unter anderem mit US-Sicherheitsbehörden wie etwa der Verteidigungsforschungsstelle Darpa des Pentagons, hieß es zur vorläufigen Ablehnung der Übernahme. Zudem arbeite das Unternehmen mit mehreren Laboren aus dem Umfeld des US-Energieministeriums zusammen. Wie genau das ins Portfolio von Aixtron passt, ist bislang ungeklärt geblieben. Das Herzogenrather Unternehmen stellt Chipanlagen zur Produktion von Leuchtdioden (LED) her, die in der Unterhaltungselektronik, der Autoindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen.

NRW-Wirtschaftsminister Duin grenzt sich derweil von Ideen im Bundeswirtschaftsministerium ab, deutsche Technikfirmen stärker vor der Übernahme durch chinesische Unternehmen zu schützen. „Ich bin dafür, dass wir in China auf offenere Märkte drängen, aber wir selber sollten auf keinen Fall neue Mauern bauen.“ Er unterstützt so Gabriels Forderung diese Woche in Peking, dass deutsche Firmen dort mehr ohne Partner tätig sein dürfen.

Duin selber war Ende Oktober auch in China und lernte da weitere Investoren kennen, die nach NRW kommen. „Dabei sind interessante Unternehmen“, berichtet er unserer Zeitung. So wolle eine Firma aus Bauschrott mit 3-D-Druckern neue Häuser bauen. Duin: „900 Firmen aus China sind bereits in NRW aktiv, so viele wie nie. Alleine dieses Jahr sind bis jetzt 75 hinzugekommen. Das ist ein ganz toller Trend.“

Auch Duin ist klar, dass die meisten Firmen aus China eher dortige Produkte hier verkaufen als neue Fabriken bauen wollen. Aber er sieht das gelassen: „Mit den Jahren kommen dann lokale Entwicklung und lokale Produktion immer stärker hinzu.“ So entwickeln die Telekomkonzerne Huawei und ZTE auch verschiedene Anwendungen in Düsseldorf, der Turbinenbauer NGC in Duisburg heuert Ingenieure für eine lokale Anpassung der Turbinen an.

Der sensible Punkt im deutsch-chinesischen Verhältnis bleibt damit, ob die Partner hiesige Technologien „stehlen“, um damit am Ende deutschen Unternehmen die Stirn zu bieten.

Ganz lässt sich diese Sorge nicht vom Tisch wischen, weil China sich tatsächlich das Ziel gesetzt hat, bei vielen für Deutschland wichtigen Branchen wie Autos, Maschinenbau oder Chemie zur Weltspitze zu gehören.

Auch Minister Duin kennt diese Furcht in Deutschland, hält sie aber für übertrieben: „Wir werben weiter um Investoren aus China und begrüßen sie. Sie haben sich als langfristige Investoren in Deutschland bewährt und werden häufig auch von Betriebsräten als verlässliche Partner gelobt.“ Gemeint ist insbesondere der Autozulieferer Kiekert aus Heiligenhaus, der im Jahr 2012 übernommen wurde.

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