Nicht nur in der Krise eine wichtige Stütze

Von: Robert Flader
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Da geht„s lang: In vielen Unternehmen ist der Betriebsrat als Interessenvertreter der Arbeitnehmer nicht wegzudenken. Foto: Stock/imagebroker

Aachen. In der Krise ist guter Rat teuer. Nicht nur Opel liefert dafür fast täglich einen deutlichen Beweis. Werksschließungen und drohende Entlassungswellen haben den angeschlagenen Autobauer fest im Griff. Es wird gestritten, es wird gekämpft.

Mittendrin: die Betriebsräte. Doch braucht es nicht immer die große (europäische) Bühne zu sein, um die Wichtigkeit der Interessenvertreter von Arbeitnehmern zu betonen. Betriebsräte sind in vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken.

Vom 1. März bis Ende Mai werden sie bundesweit für eine Dauer von vier Jahren (wieder-)gewählt. Auch in der Region. „Und das ist sehr, sehr wichtig”, sagt Ralf Woelk. Dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) NRW Süd-West geht es weniger darum, wo das Kreuzchen gemacht wird, sondern dass Arbeitnehmer überhaupt von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Schließlich, sagt Woelk, „ist aktive Mitgestaltung nur über Betriebsräte möglich”.

Doch genau hier liegt das Pro-blem: Längst nicht in allen Unternehmen gibt es sie, die institutionalisierte Arbeitnehmervertretung. Bei den größeren Konzernen, sicher, da ist das eher die Regel. Doch bei kleineren Betrieben hake es „gewaltig”. Dabei reichen nach dem Betriebsverfassungsgesetz fünf ständige Mitarbeiter aus, um mindestens eine Person als Vermittlungsinstanz zwischen Beschäftigten und der Chefetage zu bestimmen. Arbeiter und Angestellte können dies sein, Leute in Führungspositionen hingegen nicht. „Leider sehen nicht alle diese Chancen”, so Woelk.

Jan Regterschot hingegen hat in seiner zwölfjährigen Amtszeit bereits einige Verhandlungsmarathons durchlaufen: „Früher haben wir diskutiert, wer wem ein Pfund Butter schenkt. Heute geht es um das nackte Überleben”, schildert der Betriebsratsvorsitzende der Firma Bombardier in Aachen die aktuelle Situation. „Für das, was wir hier haben, mussten wir hart kämpfen.” Bis Mitte des Jahres sei der kanadische Konzern gut aufgestellt, „falls dann die Aufträge ausbleiben, wäre Kurzarbeit wieder ein Thema”. Regterschot wird als Teil eines elfköpfigen Teams erneut antreten, „um für 600 Leute mitzureden.”

Mitreden, mitentscheiden: Große Worte, sicher, doch genau das ist es, worum es Regterschot und vielen anderen Betriebsräten geht. Gerade angesichts der Wirtschaftskrise kommt ihnen eine wachsende Bedeutung zu, sagt Franz-Peter Beckers von der Aachener IG Metall, unter deren Dach rund 100 Betriebsräte mit 450 Mitgliedern aktiv sind: „Man kann ihre Rolle nicht hoch genug einschätzen. Sie haben die Situation schnell erkannt und vielerorts Konzepte erarbeitet, um Massenentlassungen und Insolvenzen zu verhindern.” Natürlich ließen sich in manchen Fällen unschöne Entscheidungen nicht vermeiden, „doch ohne Vermittler ist gar kein organisierter Widerstand möglich”.

Dabei sind Betriebsräte nicht nur gefragt, wenn etwa Pleiten drohen. „Auch Mobbing am Arbeitsplatz ist ein Thema, bei dem der Betriebsrat vermittelnd eingreifen kann”, erklärt Woelk. Grundsätzlich müssen Betriebsräte in Unternehmensprozesse wie etwa den Bau von technischen Einrichtungen miteinbezogen werden. Das ist laut Betriebsverfassungsgesetz ihr gutes Recht: Mitbestimmung, Beratung und das Recht auf Information als die drei Eckpfeiler. „Aus Angestelltensicht ist es wichtig, eine starke Stimme zu haben”, verdeutlicht Beckers. Als wichtige Stütze längst nicht nur in der Krise, doch gerade da.
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