Aachen/Heerlen - Neue Gespräche mit alten Ergebnissen

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Neue Gespräche mit alten Ergebnissen

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Das Gewerbegebiet Avantis ragt
Das Gewerbegebiet Avantis ragt vom Aachener Norden her nach Heerlen. Über zehn Jahre nach seiner Eröffnung stehen auf dem 100 Hektar großen und 50 Millionen Euro teuren Areal erst vier Gebäude. Foto: M. Jaspers

Aachen/Heerlen. Das deutsch-niederländische Gewerbegebiet Avantis im Aachener Norden hat weiterhin keine guten Nachrichten zu vermelden. Ein halbes Jahr, nachdem die niederländische Firma Alinement Pläne veröffentlichte, denenzufolge sie den Bau einer Solarfirma auf Avantis anstrebe, gibt es noch immer keinen neuen Stand.

Der Vermarkter des Gewerbegebietes, René Seijben, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass „die Gespräche” mit Alinement „noch immer” laufen. Er nimmt an, dass die Pachtverträge „in den nächsten zwei bis drei Monaten” unterzeichnet sein werden. Allein: Solche Annahmen erwiesen sich in der Vergangenheit in den allermeisten Fällen als unbegründet.

Aseag-Pläne verschoben

Das Gewerbegebiet wurde mit mindestens 50 Millionen Euro aus Steuermitteln gegen große Widerstände in der Bevölkerung geplant, erschlossen und im Dezember 2000 eröffnet. Seither kostet seine Vermarktung jährlich 600.000 Euro, in mehr als zehn Jahren seiner Existenz also über sechs Millionen Euro. 10.000 bis 12.000 Arbeitsplätze, erhoffte sich die Kommunalpolitik entgegen anderslautenden Prognosen, sollten dort entstehen. Doch das 100 Hektar große Gewerbegebiet ist fast ebenso unbebaut wie am Tag seiner Eröffnung, offiziellen Angaben zufolge sollen dort lediglich 700 Arbeitsplätze entstanden sein. Weitere sind, trotz jahrelanger gegenteiligen Beteuerungen, bis heute nicht in Sicht.

Vergangenen Herbst erklärten Seijben und der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU), was die wechselnden Verantwortlichen stets erklärten, wenn Nachfragen kamen: Avantis sei auf einem guten Weg, Gespräche mit potenziellen Investoren liefen. Nun sagte Philipp auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich im Moment gleich „mehrere Ansiedlungen konkretisieren” und „Gespräche laufen” würden. Mehr könne er aber auch zu diesem Zeitpunkt nicht dazu sagen - wie vergangenen Herbst.

Die Provinz Limburg hat 2010 ein Gutachten bei einer vom ehemaligen niederländischen Forschungsminister Wim Deetman geleiteten Kommission in Auftrag gegeben, das Möglichkeiten für wirtschaftliches Wachstum in der Region finden und analysieren sollte. Die Kommission prüfte dabei auch den Standort Avantis und gelangte zu einem für die Avantis-Gesellschafter bestürzenden Ergebnis: „Die Kommission kommt zu der Feststellung, dass Avantis innerhalb absehbarer Zeit nicht die Perspektiven bieten wird, die erwartet werden. Deshalb rät die Kommission den Gesellschaftern (Stadt Aachen, Gemeinde Heerlen, NRW-Wirtschaftsministerium und die Maastrichter Industriebank LIOF zu jeweils gleichen Teilen, d. Red.), sich auf andere Gewerbegebiete zu konzentrieren.” Das Gutachten, das unserer Zeitung vorliegt, empfiehlt überdies, nicht weiter in Avantis zu investieren.

Eines von vielen Problemen des Gewerbegebietes ist die Anbindung in die Aachener Innenstadt, insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Vermarkter Seijben erklärte anlässlich eines Vortrages im Wirtschaftsausschuss der Stadt Aachen am 12. Januar, dass Abhilfe geschaffen werde: Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Juni sollten werktäglich morgens und nachmittags jeweils zwei Busse der Aseag von Aachen nach Avantis und wieder zurückfahren. Doch auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Aseag nun mit, dass diese Pläne verschoben seien. Frühestens ab Oktober würden die Busse zwischen Aachen und Avantis verkehren können, aber selbst das stehe nicht fest.

Keine Käufer in Sicht

Das 2004 auf Avantis gegründete Unternehmen Solland Solar ist bislang die einzige wirklich große privatwirtschaftliche Ansiedlung auf Avantis. Knapp 300 Arbeitsplätze hat Solland Solar bis heute geschaffen. Doch seit 2008 gehört das Solar-Unternehmen dem niederländischen Energiekonzern Delta, und Delta möchte von Solarenergie mittlerweile nichts mehr wissen. Gemeinsam mit dem deutschen Energieriesen RWE plant Delta, ein Atomkraftwerk in der Nähe von Vlissingen in Zeeland zu bauen und braucht dafür so viel Kapital wie möglich. Deswegen sucht Delta für Solland Solar seit vergangenem November einen Käufer. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Delta-Konzernsprecher Luppo Huizenga : „Im Moment gibt es keinen Käufer, und es ist auch nicht absehbar, wie lange es dauern wird, einen zu finden.”

Ob das für Avantis eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, wissen die Avantis-Vermarkter im Moment wahrscheinlich selbst noch nicht genau.
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