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Neue Aufregung um Anno August Jagdfeld

Von: Marlon Gego
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Steht vor der Zwangsversteiger
Steht vor der Zwangsversteigerung: Das „Quartier 206” in Berlin-Mitte, das unter anderem ein Luxus-Kaufhaus beherbergt, gehört zum Familienbesitz des Aachener Immobilienspekulanten Anno August Jagdfeld und ist mit fast 145 Millionen Euro Grundschuld belastet. Foto: Stock/Schöning

Berlin/Aachen. Die früher einmal so glanzvolle Fassade der Firmengruppe des Aachener Immobilienspekulanten Anno August Jagdfeld, 65, bekommt immer tiefere Risse. Gerät die Firmengruppe ins Wanken?

Nach der Insolvenz des von ihm verwalteten Grand Hotel Heiligendamm und großen Problemen mit dem ebenfalls von ihm verwalteten Berliner Hotel Adlon steht nun die Prestige-Immobilie „Quartier 206” in Berlin-Mitte vor einer möglichen Zwangsversteigerung. Das 4800 Quadratmeter große Gebäude beherbergt ein Luxus-Kaufhaus, das von seiner Frau und einem Sohn geführt wird, eine Privatklinik und andere Unternehmen aus Jagdfelds schwer durchschaubarem Firmengeflecht.

Seit fast einem Jahr steht das „Quartier 206” nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss unter Zwangsverwaltung. Dass ein von der Credit Suisse in London gewährter Kredit aus dem Jahr 2006 nicht mehr bedient werde, dementierte ein Sprecher Jagdfelds am Freitag. Im Grundbuch allerdings, dessen Auszug unserer Zeitung vorliegt, ist für das in Jagdfelds Familienbesitz befindliche „Quartier 206” eine Grundschuld in Höhe von 144,8 Millionen Euro eingetragen.

Die Gemälde aus dem China-Club

Die Lage ist für Jagdfeld auch deswegen so prekär, weil das „Quartier 206” zum Familieneigentum gehört, anders als etwa Grand Hotel und Adlon. Diese Hotels gehören jeweils einem von Jagdfeld aufgelegten Fonds, deren Geschäftsführer er lediglich ist. Für die Verluste der Hotels und seiner Anleger kann Jagdfeld deswegen nicht haftbar gemacht werden - anders als für die Grundschuld seines Privateigentums. Dass zudem die Großbank Credit Suisse die Forderungen aus dem Kredit an einen sogenannten Kreditverwerter verkauft hat, erklärt die Rigorosität des Vorgehens (Zwangsverwaltung, Zwangsversteigerung), da Kreditverwerter im Gegensatz zu Banken keine Privatkunden und deswegen auch keinen Ruf zu verlieren haben.

Durch seinen Sprecher ließ Jagdfeld allerdings mitteilen: „Wir gehen nicht davon aus, dass es zu einer Zwangsversteigerung kommen wird.” Ein Termin ist in der Tat noch nicht angesetzt, die Prüfung des Amtsgerichtes Berlin-Mitte kann noch Monate in Anspruch nehmen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass Familie Jagdfeld in Zahlungsschwierigkeiten geraten sein könnte, findet sich im exklusiven China-Club, dessen Gründerin und Geschäftsführerin Jagdfelds Frau Anne Maria ist. Der „außergewöhnlichste Club Deutschlands” im Hotel Adlon, wie es auf der Homepage heißt, ist unter anderem mit zeitgenössischen Gemälden chinesischer Künstler ausgestattet, von denen einige am 26. und 27. Mai bei Christies in Hongkong versteigert worden sind. Laut Auktionskatalog ließ Anne Maria Jagdfeld neun Werke versteigern, mindestens sechs dieser Werke gehörten zur Ausstattung des China-Clubs, wie der Vergleich des Kataloges mit der Homepage des Clubs ergibt. Die neun Gemälde brachten bei der Auktion zusammen genau 2 915 360 US-Dollar, etwa 2,35 Millionen Euro.

Club-Mitglieder im Unklaren

Nach Informationen unserer Zeitung wurden die Mitglieder des China-Clubs, die die Ausstattung durch ihre Jahresbeiträge und ihre Aufnahmegebühr finanzieren, nicht über die Versteigerung in Hongkong informiert. Die Geschäftsleitung des Clubs lehnte eine Stellungnahme am Freitag ab. Auch eine Antwort auf die Frage, ob statt der versteigerten Originale nun deren Kopien im China-Club hängen, wurde von der Geschäftsleitung verweigert. Die Aufnahmegebühr des China-Clubs soll bei 10.000 Euro liegen.

Jagdfelds Sprecher hingegen erklärte später, im China-Club sei es übliche Praxis, dass Anne Maria Jagdfeld gelegentlich Änderungen der Ausstattung vornehme. Über die Versteigerung der Gemälde sei der Club seinen Mitgliedern keine Rechenschaft schuldig, da die Gemälde aus der Privatsammlung von Anne Maria Jagdfeld stammten. Gegenüber dem in Berlin erscheinenden „Tagesspiegel” hatten die Jagdfelds die Versteigerung der Gemälde am Freitag noch dementiert und von einer „Kampagne” gegen Jagdfeld gesprochen.

Nachdem das Auktionshaus Christies am Freitag aber unserer Zeitung die Versteigerung der Gemälde bestätigt hatte, bestätigte auch Jagdfelds Sprecher die Auktion. Dass die Versteigerung aber ein Indiz dafür sei, dass die Jagdfelds in finanzieller Nöte geraten seien, sei „schlicht Unsinn”.

Ermittlungen wegen Betrugs und Untreue

Seit 2009 ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen Anno August Jagdfeld und fünf seiner Mitarbeiter wegen mehrerer Fälle von Betrug und Untreue (Az. 115 JS 357/09).

Allein bei der Staatsanwaltschaft in Aachen waren fünf Anzeigen gegen Jagdfeld eingegangen. Die Untersuchungen des Schwerpunktdezernates für Wirtschaftskriminalität der Kölner Staatsanwaltschaft dauern an, wie Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer gestern auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Er rechnet nicht damit, dass die große Menge der Beweismittel in naher Zukunft ausgewertet sein wird.
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