Münzen und Briefmarken statt Aktien: Anleger fliehen in Sachwerte

Von: Jutta Geese
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Freuen sich über die guten Au
Freuen sich über die guten Auktionen der vergangenen beiden Jahre, warnen Anleger aber vor blinder Euphorie: (von links) Hinrich Osterloh, Manfred Wagener, Andreas Kaufmann versteigern seit 1987 Briefmarken und Münzen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Aktienkurse bröckeln, die Eurokrise verunsichert Anleger zusätzlich, die Zinsen auf Erspartes sind niedrig, die Preise für Gold und Silber steigen rasant: Angesichts dieser Gemengelage sucht manch einer sein Heil in der Flucht in Sachwerte. Davon profitieren derzeit auch Münz- und Briefmarkenhändler wie das Aachener Auktionshaus Aix-Phila.

„Wir haben jetzt zwei Jahre lang richtig gute Auktionen gehabt”, sagt Geschäftsführer Hinrich Osterloh, der Aix-Phila im Jahr 1987 zusammen mit Andreas Kaufmann und Manfred Wagener gegründet hat. Richtig gut heißt: Fast alle sogenannten Lose fanden Käufer, und die lieferten sich bei manchen Positionen heiße Bietergefechte, so dass die ausgerufenen Schätzpreise (Mindestgebote) zum Teil um ein Vielfaches stiegen. Bei der letzten Auktion im Mai etwa kamen Briefmarken und Münzen zum Schätzpreis von insgesamt rund 48.0000 Euro unter den Hammer und wechselten für rund 800.000 Euro den Besitzer, wobei „nur” gut 90 Prozent der Lose verkauft wurden.

Dennoch halten der Briefmarkenexperte Osterloh und der Münzexperte Wagener wenig von der derzeitigen Euphorie. Und noch weniger von einem unüberlegten Einsteigen in den Münzen-, vor allem aber den Briefmarkenmarkt. „Bei Briefmarken muss man sich schon sehr gut auskennen und wissen, welche als Anlageobjekte in Frage kommen”, sagt Osterloh. „Und bei Münzen ist der Wert vom Gold- oder Silberpreis abhängig”, ergänzt Wagener und nennt ein Beispiel: „Wer im Jahr 2002 das erste 100-Euro-Goldstück der Bundesrepublik gekauft hat, das damals 195 Euro gekostet hat, bekommt heute dafür gut 600 Euro. Das lohnt sich also schon teilweise.”

Aber, schränkt er ein, eine solche Wertsteigerung in so kurzer Zeit sei nicht die Regel, sie sei dem Bankencrash und dem in der Folge enormen Anstieg des Goldpreises geschuldet. „So etwas hat es in den 35 Jahren, die ich den Markt beobachte, erst einmal gegeben. Das war 1980/81, und damals waren Spekulanten verantwortlich dafür. Als deren Unternehmen in Konkurs ging, fiel der Goldpreis innerhalb weniger Tage rasant.”

Gut, jetzt halte der Goldboom schon seit einem Jahr an. Aber irgendwann werde der Preis wieder fallen, ist Wagener sicher. Und sein Kollege Osterloh ist überzeugt: „Wenn wir ein halbes Jahr lang nichts mehr von Eurokrise hören, werden auch die Preise für die ?Ersatzwährungen Briefmarken und Münzen sinken.” Deshalb raten Osterloh und Wagener, die zwischen Sammlern und Anlegern unterscheiden, „grundsätzlich nur Geld einzusetzen, das man übrig hat, auf gar keinen Fall kreditfinanziert einsteigen”.

Wobei Münzen als „Ersatzwährung” einen Vorteil gegenüber Briefmarken haben, betont Wagener: den Materialwert, der in der Regel nicht unter den Nennwert falle. „Für eine Zehn-Euro-Münze beispielsweise erhält man immer mindestens zehn Euro.” Und bei Gold- oder Silbermünzen könne man eigentlich immer von Wertsteigerungen ausgehen, wenn auch nicht immer in dem Maße wie derzeit.

Bei Briefmarken - früher gerne als „Aktie des kleinen Mannes” bezeichnet - ist das schon anders. Nicht nur, weil jede Menge gefälschte oder manipulierte Marken im Umlauf seien. Wertsteigerungen sind da nur mit wirklich seltenen, sehr gut erhaltenen und von zugelassenen Experten geprüften Exemplaren zu erziehen, nicht mit der sogenannten Massenware, mit der der Markt derzeit überschwemmt werde, sagt Osterloh.

Altdeutschland ist so ein Gebiet, auf das sich Anleger derzeit stürzen. „Vor einem Jahr hatten wir eine der berühmtesten und seltensten deutschen Briefmarken, den Sachsendreier, in der Auktion. Gut erhalten wird es weltweit keine 100 Stück davon geben. Ausgerufen haben wir die Marke mit 2000 Euro, erzielt haben wir 4000. Und bei der Auktion im November werden wir einen Sachsendreier in deutlich besserer Qualität und einer seltenen Farbe zum Schätzpreis von 4000 Euro ausrufen. Mal sehen, wie hoch der Preis steigt.”

Er selbst, sagt Osterloh, würde nie Briefmarken unter dem Aspekt „Anlage” kaufen. „Man sollte schon einen Bezug dazu und Spaß am Sammeln haben.” Egal, ob Briefmarken oder Münzen.
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