Motorrad-Touristen und ihre Auswirkung auf die Wirtschaft

Von: Peter Stollenwerk
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Nur noch an Wochentagen dürfen Motorradfahrer noch die reizvolle Strecke von Steckenborn und Woffelsbach benutzen. Seit 1996 ist die L128 auf diesem Teilstück samstags, sonntags und an Feiertagen für Biker gesperrt. Foto: Peter Stollenwerk
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Würde die Motorradfahrer gerne wieder in Woffelsbach begrüßen: Michael Franzen, Inhaber des Hotel-Restaurants „Kleiner Seehof“.

Simmerath-Woffelsbach. In Woffelsbach stößt das Fahrverbot für Motorradfahrer nicht nur auf Zustimmung. Restaurantbesitzer beklagen Umsatzrückgänge.

Die idyllisch gelegenen Eifeldörfer am Rursee stehen am Wochenende und in den Ferien ganz oben auf der Favoritenliste der Naherholungssuchenden. Besonders Einruhr, das Dorf am Obersee, und Rurberg als Ausgangspunkt für Wanderungen in den Nationalpark Eifel, werden angesteuert. Rund 100.000 Besucher jährlich zählt allein der Infopunkt Nationalparktor in Rurberg.

Von dieser Entwicklung in den zurückliegenden zehn Jahren ist Woffelsbach etwas abgehängt worden. Wer Ruhe am Rursee sucht, ist in dem 500-Einwohner-Dorf genau richtig. Die örtliche Gastronomie aber würde es lieber anders sehen. Bei der Ursachenforschung spielt sicherlich auch eine Rolle, dass Woffelsbach keinen direkten Zugang zum Nationalpark hat, aber wenn man bei den Gastwirten nachhört, kommen diese schnell auf das Jahr 1996 zu sprechen.

Vor 21 Jahren wurde auf Anordnung der Bezirksregierung die nach Woffelsbach führende Landstraße 128 an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt. Der Regierungspräsident begründete diese drastische Maßnahme damals mit einer markanten Häufung von schweren Verkehrsunfällen, an denen Zweiradfahrer beteiligt waren. Bloße Lärmbelästigung hätte als Grund nicht ausgereicht. Die bei Motorradfahrern ganz hoch im Kurs stehende serpentinenreiche Strecke von Steckenborn hinunter Richtung Rursee, die Teil einer beliebten Rursee-Tour war, existierte vom einen auf den anderen Tag nicht mehr und schnitt Woffelsbach regelrecht ab.

„Das bedeutete für Woffelsbach keine positive Entwicklung“, sagt Michael Franzen mit vornehmer Zurückhaltung. Der 56-jährige Inhaber des Hotel-Restaurants „Kleiner Seehof“ kann den Ärger der Anwohner über anhaltenden Motorradlärm gut nachvollziehen, „aber die Gastronomie profitiert von den Bikern.“ Daher müsse es das Ziel sein, gegen die kleine Gruppe jener, die sich nicht verkehrsgerecht verhielten, konsequent vorzugehen. Dazu bedürfe es einer europäischen Gesetzgebung. „Die Raser brauchen wir nicht“, sagt Franzen. Diese sollte man rigoros aus dem Verkehr ziehen. Wie viele andere Beobachter, erwähnt auch er die niederländischen Motorradfahrer als Problemgruppe. „Die kennen die Schlupflöcher des deutschen Verkehrsrechtes ganz genau.“

Wenn es nach dem Gastwirt aus Woffelsbach ginge, dann wäre die L 128 längst wieder offen für Motorräder. Eine Aufhebung der Sperrung hätte auch den Effekt, dass der Motorradverkehr in der Eifel wieder stärker entzerrt würde. „Jetzt wird der Lärm in einige wenige Orte getragen.“

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Eine Rücknahme der Sperrung wäre auch für Margret Harth erstrebenswert, „aber daraus wird wohl nichts“, sagt die Inhaberin des Hotel-Restaurants „Zur alten Frische“. Seit der Streckensperrung habe die Zahl der motorradfahrenden Gäste massiv abgenommen. „Das merken wir deutlich, aber andere Betriebe bestimmt noch mehr“, sagt Margret Harth. Auf Biker, „die nur rauf und runter fahren“, könne man in der Tat gerne verzichten, aber alle anderen Zweiradfahrer seien gern gesehene Gäste, „doch die müssen Woffelsbach erst einmal finden“, sagt die Wirtin. „Das ist gar nicht so einfach und nur noch etwas für Motorradfahrer, die ganz gezielt nach Woffelsbach wollen.“

Woffelsbach ist für Motorräder auch am Wochenende selbstverständlich noch erreichbar, aber nur auf Umwegen über Rurberg – und auch nur, wenn man auf den Sperrschildern das „Kleingedruckte“ erfasst. Immer wieder leiten an den Wochenenden die Navis Motoradfahrer vor die großflächigen Sperrschilder in Steckenborn. Dann geht es nicht weiter, denn es gibt keine Umleitungsempfehlung. „Damit verärgert man Gäste“, sagt Michael Franzen. Vor einigen Tagen sei eine Gruppe von Motorradfahrern aus Stuttgart bei ihm eingekehrt, die vor lauter Verzweiflung und mangels Alternativen die gesperrte Strecke benutzt hätten.

Seit 26 Jahren ist Michael Franzen im Geschäft. „Am Anfang gab es noch viele Motorradgäste in Woffelsbach, und die ließen auch Geld im Ort“, weiß er. Dass vor wenigen Jahren zwei Gaststätten in Woffelsbach schlossen, will er nicht allein auf den ausbleibenden Motorradtourismus zurückführen, aber auch nicht ausschließen. Konkrete und valide Zahlen, wie groß die wirtschaftliche Bedeutung der Motorradfahrer für den Eifeltourismus ist, gibt es nämlich nicht. Doch Franzen sieht auch positive Momente für Woffelsbach. Die Ausstrahlung der ARD-TV-Serie „Die Eifelpraxis“, die teilweise in Woffelsbach gedreht wurde, „hat für den Tourismus richtig etwas gebracht“. Eine bessere Werbung könne es nicht geben.

Die Gastronomie in Einruhr sehe die Biker gerne als Gäste. Das sagt zumindest Günther Wollgarten, Inhaber des Hotels Seemöwe. „Die Biker sind mir persönlich sogar besonders lieb, weil sie pflegeleichter sind“, ergänzt er offen. Er habe sogar kürzlich Werbung in einer Motorradzeitschrift für Einruhr und sein Haus geschaltet. Auch Wollgarten sieht natürlich die Lärmprobleme und den Ärger von Anwohnern, aber es sei wie in einer Schulklasse: „Wenn sich nur einer daneben benimmt, fällt das auf die ganze Gruppe zurück“.

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