Monschau - Monschauer Senfmühle: Mit jeder Generation weiter gewachsen

Monschauer Senfmühle: Mit jeder Generation weiter gewachsen

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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Die Senfmühle mit Riemengetriebe ist das Herzstück des Unternehmens: Müllerin Ruth Breuer zeigt bei Führungen, wie der Senf in Monschau hergestellt wird. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Ruth Breuer klappt den Deckel des großen Holzbottichs hoch und taucht die Schöpfkelle in den Senf. Die Besucher dürfen kosten. Tränen steigen in ihre Augen, die Zungen brennen. Ganz schön scharf. So schmeckt frischgemahlener Senf, bevor er zu einer von 21 Sorten aus der Monschauer Senfmühle wird.

Eine von ihnen, der „Ur-Rezept-Senf“, setzte sich im vergangenen Jahr bei der Stiftung Warentest als Testsieger durch. Die Warentester hatten 20 mittelscharfe Sorten untersucht, darunter waren viele bekannte Namen. Das Produkt aus der Eifel sei besonders aromatisch und komplex, hieß es in der Begründung.

Jetzt ist eine weitere Auszeichnung hinzugekommen: Die landeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW.Invest hat die Senfmühle in ihre Liste der „Bestleistungen in Nordrhein-Westfalen“ aufgenommen. Aus der Region Aachen haben das bisher 30 Namen geschafft, zuletzt neben der Senfmühle auch der Aachener IT-Dienstleister RedTeam Pentesting. „Es ist nicht leicht, es dorthin zu schaffen“, sagt Gaby Mahr-Urfels von der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer.

Hunderte Besucher hat Ruth Breuer schon durch die historische Senfmühle geführt, seit sie 2004 als fünfte Generation in das Familienunternehmen eingestiegen ist. 2013 löste sie dann ihren Vater Guido auf dem Chefsessel ab. Der Mann mit der rot umrandeten Brille und dem weißen Vollbart repräsentiert die Senfmühle noch gelegentlich. Sein Name steht auch auf den Steinzeugtöpfen, in denen der „Moutarde de Montjoie“ verkauft wird.

Überhaupt ist die Familie Breuer in der Monschauer Senfmühle allgegenwärtig. Ein buntes Ölgemälde zeigt Ruth mit ihrem Vater und Sohn Emil, der sechsten Generation. Porträts der Ururgroßeltern, Urgroßeltern und Großeltern schmücken die Wände auf dem Weg zum Herzstück des Unternehmens: der eigentlichen Mühle.

„Mit der industriellen Revolution wurden die Mühlen von Maschinen abgelöst. Bei uns kann man eine Station in dieser industriellen Entwicklung sehen, den Weg vom Wasserrad zur alten Transmission“, erklärt Ruth Breuer, bevor sie die imposante Maschine mit dem Riemengetriebe in Gang setzt.

Der erste Topf stammt von 1882

Den ersten Topf Senf stellte Clemens August Breuer im Jahr 1882 her. Sein Bruder Heinrich übernahm den Verkauf. „Für Clemens August war das Geschäft nur Nebenerwerb, er war eigentlich Bau- und Kunstschlosser“, sagt seine Ururenkelin.

Sie vermutet, dass deshalb die Ururgroßmutter treibende Kraft hinter der Senfproduktion war. Sie habe die Zutaten noch eigenhändig im Mörser zerrieben.

Dann erwarben die Ururgroßeltern die Transmission, die zunächst per Wasserkraft und ab 1895 mit einer Dampfmaschine lief.

Heute treibt ein kleiner Motor die Transmission an, bei der es sich tatsächlich um das Original handelt. Um die Maschine ab und an zu schonen, hat die Familie Breuer sie eins zu eins nachbauen lassen. Bei den Führungen wird aber nur das Original gezeigt.

Alte Mühlsteine aus Lava-Basalt

Zwischen zwei alten Mühlsteinen aus schwarzem Eifeler Lava-Basalt, die pro Stück fast 400 Kilogramm wiegen, wird der Senf so hergestellt wie in alten Zeiten. „Wir vermahlen kalt, dadurch bleiben die wertvollen ätherischen Öle aus den Samen erhalten“, erklärt Ruth Breuer. Deshalb sei der Monschauer Senf delikater als Industriesenf, bei dessen Produktion große Hitze entsteht. „Das ist wie beim Olivenöl – kaltgepresst ist es am besten.“ 400 Kilogramm kann die Monschauer Mühle pro Tag herstellen. Die Großindustrie schaffe 20 bis 30 Tonnen pro Tag, sagt Ruth Breuer.

Mit jeder Generation, die das Zepter übernahm, ist die Mühle gewachsen. Schon Gründer Clemens August erweiterte das Sortiment um Sauerkraut und Weinessig. Sein Sohn Emil Bruno produzierte Selterswasser und Limonaden, nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er die Generalvertretung für den Aachener Kaiserbrunnen. Mit Ruth Breuers Großvater – ebenfalls ein Clemens August – zog die Firma aus dem Monschauer Ortskern in die Laufenstraße, wo sie bis heute sitzt.

Guido Breuer trat 1981 in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Nach und nach entwickelte er 17 neue Senfsorten, darunter den Verkaufsschlager „Honig-Mohn“. Er integrierte das „Monschauer Weinkontor“ und eröffnete das Restaurant Schnabuleum auf dem Firmengelände.

Ruth Breuer, nach vier Senfmüllern die erste Senfmüllerin, kann sich ein Leben ohne Senf nicht vorstellen. „Wenn ich etwas esse, kommt immer Senf dazu. In Restaurants frage ich mich, welche von unseren Sorten wohl zu dem Gericht passen würde.“ Selbst im Urlaub denkt sie an Senf. „Senfmojo“ und „Senfaioli“ entstanden nach einem Urlaub in Spanien, die Idee zu den „Monschauer Senffrüchtchen“ kam ihr in Frankreich.

Die Senfmaus Emil

Kaffee-Sahne-Senflikör, Senfpralinen, Spirituosen mit Senf – neben dem Kernprodukt im Steinzeugtopf ist einiges im Angebot, was auf den ersten Blick skurril wirkt. Bisher habe sich aber noch niemand nach dem Probieren der Spezialitäten beschwert, sagt Ruth Breuer und lacht.

Um Kindern die Produktion zu erklären, hat sie die Senfmaus Emil erfunden, eine Handpuppe, deren Abenteuer in der Mühle auch mit Illustrationen in kleinen Heftchen erzählt werden.

Und was gibt es als nächstes? „Vielleicht ein virtuelles Senf-Museum oder ein Hotel.“ Erstmal geht es ans Renovieren. Vor kurzem hat die Senfmüllerin das Haus ersteigert, in dem ihre Ururgroßeltern lebten. Dort, wo die erste Portion Monschauer Senf entstand und die Erfolgsgeschichte begann.

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