Module Works aus Aachen: Weltspitze bei CAM-Software

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
7175900.jpg
Erstklassige Präzisionsarbeit: In dieser Anwendung werden (dritte) Zähne gefertigt. Die Bewegungen des Fräskopfes basieren auf den Entwicklungen des Aachener Unternehmens Module Works, dem Weltmarktführer in diesem Metier. Foto: Andreas Steindl
7175894.jpg
Alles im Blick: Am Computer kann jede Bewegung des Fräskopfes vorab simuliert werden. Die grüne Färbung steht für die gewünschte Präzision.
7175917.jpg
Blickt optimistisch in die Zukunft: Jens Beissel, Marketing Manager bei Module Works.

Aachen. Wenn Turbinenschaufeln gefertigt werden, ist jeder Fehler zu viel – weil Zehntausende Euro teuer, wenn nicht sogar mehr. Deswegen muss die automatisierte Fertigung mit der maximal erdenklichen Präzision ablaufen. Wenn der Fräskopf das Material trifft, dann auf den Punkt genau.

Und genau dafür sorgt das Aachener Unternehmen Module Works GmbH. Ebenso wie für passgenaue dritte Zähne. Und das sind nur zwei Beispiele.

Module Works fertigt dabei weder Turbinenschaufeln noch Zähne. Das Aachener Unternehmen, vor zehn Jahren im Umfeld der RWTH Aachen gegründet, entwickelt Softwarelösungen, die dann wiederum an Softwarehersteller geliefert werden, die dann unter ihrem Namen die Hersteller von Turbinenschaufeln oder Dentallabore ausrüsten. „Wir sind ein Baustein in einer langen Kette. Der Endverbraucher kann keine Software bei uns kaufen“, erklärt Marketing-Manager Jens Beissel. Aber zum Einsatz kommt die Module-Works-Technologie im Maschinenbau, in der Robotik, in der industriellen Schmuckfertigung, im Holz- und Motorenbau, in Luftfahrt und Automotive.

Es sind zwei Mal drei Buchstaben, die den Alltag an der Aachener Henricistraße bestimmen: CAD und CAM. Das Erste steht für computer-aided design, es geht um die dreidimensionale Konstruktion am Computer. CAM geht einen Schritt weiter. Übersetzt bedeutet es computer-aided manufacturing, was so viel heißt wie rechnerunterstützte Fertigung. Die entwickelten Computermodelle werden direkt von einer Maschine umgesetzt. „Die Maschine muss wissen, was genau sie tun soll“, sagt Beissel. Und dabei geht es um hohe Genauigkeit. Nein, um höchste Genauigkeit. Es geht um Nanometer.

Die Module-Works-Präzision hat sich rumgesprochen. Bei der Entwicklung von CAM-Softwarekomponenten sind die Aachener Weltmarktführer. Keiner verkauft mehr Softwarelösungen. Keiner hat ein größeres Entwicklungsteam in diesem Bereich.

Letztlich kann sich keine Industrie Ausschussware in der Produktion leisten. Effizienz ist das Stichwort. Wenn ein Motorenblock aus einen extrem harten Metall gefräst wird, haben sich die Module-Works-Softwareentwickler vorab die Frage gestellt, wo und wie sich die Maschine bewegen muss. Und dies mittlerweile auf fünf Achsen, die jeden erdenklichen Winkel ermöglichen, um den Fräskopf auf einem Werkstück zu positionieren. Das sind ungeheuer – fast unendlich – viele Koordinaten, hoch komplizierte Algorithmen, die berechnet werden wollen oder besser: müssen. Am Ende steht eine Art Sprache, die die Maschine versteht.

Neben der Werkzeugberechnung stellt Module Works auch die Verifikation, also die Simulation der Fertigung, bevor sie auf der Maschine stattfindet. Beides kann auch in Echtzeit parallel ablaufen – direkt auf der Maschine oder auf einem Tablet-PC. „So kann eingeschritten werden, bevor es teuer wird, weil etwas schief geht“, erläutert Beissel. Für das Aachener Unternehmen zahlt sich das aus. Es gibt 50 offizielle Kunden aus aller Welt, darunter drei in Japan. Der Kundenstrom wächst, das Geld fließt. Über Gewinne wird an dieser Stelle geschwiegen, aber Yavuz Murtezaoglu, der geschäftsführende Gesellschafter, spricht von einer Umsatzsteigerung von 30 Prozent im letzten Jahr.

Module Works ist kein klassisches Spin-off der Hochschule, aber es sind doch reihenweise RWTH-Absolventen, die die Geschicke des Unternehmens bestimmen und es gibt eine ganze Reihe gemeinsamer Forschungsprojekte unter anderem mit dem Fraunhofer IPT, das im gleichen Gebäude eine Dependance hat. Rasch ist Module Works gewachsen, mittlerweile gibt es Entwicklungszentren in Rumänien und der Ukraine – aus einem fast schon banalen Grund. Ehemalige Kommilitonen des Firmengründers Murtezaoglu, der Ingenieur aus Istanbul studierte in den 1990ern an der RWTH, stammen aus diesen beiden Ländern.

Als er expandierte, kontaktierte er sie, wusste, welches Know-how sie einbringen könnten. Und tatsächlich ist es keine Billigfertigung, die im europäischen Osten angesiedelt wurde, sondern ebenso Entwicklungsarbeit wie in Aachen, wo 40 der 70 Mitarbeiter – Vertreter gibt es in Großbritannien, den USA und Russland – sitzen. Tendenz überall stetig – Beissel sagt „gesund“ – steigend.

„Das ist kein schneller Hype. Wir haben uns weltweit einen Namen in der Industrie machen können“, berichtet Beissel. Und fügt hinzu: „Je mehr Automatisierung es gibt, desto besser ist das für uns. Im Idealfall erkennen wir vorher, vor welchen Anforderungen unsere Kunden stehen.“ Schon jetzt ist klar: Die wollen meist nur auf einen Knopf drücken müssen – und die Maschine arbeitet. Kein Zahntechniker der Welt will 800 Parameter einstellen, um einen Zahn zu fertigen.

Die meisten Entwicklungen werden letztlich im Maschinenbau eingesetzt. Dann kommt auch schon der Dentalbereich. Die Zukunft bringt vor allem Innovationen in der Simulation. „Da sind wir vorne mit dabei“, sagt Beissel. Andere haben sich daran schon die Zähne ausgebissen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert