Mit digitalen Merkzetteln in die Zukunft

Von: Sarah Sillius
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Per Hand steuerbar: Oliver Pos
Per Hand steuerbar: Oliver Post, Axel Post und Alexander Göttel (v.l.) präsentieren Scrumtimes. Mit dem Produkt, das wie eine digitale Klebzetteltafel aussieht, sollen es Software-Entwickler einfacher haben, Projekte zu planen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Brüder Oliver und Axel Post hätten es sich als Jugendliche nicht träumen lassen, einmal ein gemeinsames Unternehmen zu gründen. Oliver Post, 38, war schon immer technisch interessiert, Axel Post, 41, war der kreative Kopf in der Familie.

Erst in den vergangenen fünf Jahren entdeckten die beiden, dass es unerwartete Schnittstellen zwischen ihren Berufen gibt. Die Idee zu einer Projektmanagement-Software führte sie schließlich zusammen. Gemeinsam mit Alexander Göttel, 34, haben die Post-Brüder ein Gründertrio gebildet und sind als eines von elf Teams aus dem Wirtschaftsraum Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg beim Gründungswettbewerb AC² ausgezeichnet worden (siehe Box).

Jetzt geht es in die heiße Phase: Die drei müssen die Details ihres etwa 50-seitigen Businessplans austüfteln. In dieser Woche treffen Axel Post und Alexander Göttel zum ersten Mal „live” aufeinander. Bisher haben sich die beiden nur über Emails und Videokonferenzen über ihr Projekt verständigt. Die Verbindung zwischen den beiden ist Oliver Post, der mit Göttel bereits für ein anders Software-Projekt zusammenarbeitet.

Göttel ist zertifizierter „Scrum Master”, also ein Experte für das bereits existierende Programm Scrum, welches die drei Gründer mit ihrem neuen Produkt revolutionieren wollen. Optisch erinnert die Software an eine mit farbigen Merkzetteln („Post-its”) beklebte Tafel. Das ursprünglich analoge Modell wird digitalisiert und auf Tablets und Smartphones übertragen.

Hauptsächlich richtet sich das Hilfsmittel an Software-Entwickler. „Sie arbeiten oft Hunderte Kilometer voneinander entfernt und können sich nur auf digitalen Plattformen absprechen”, erklärt Göttel. In das System können sie ihre Arbeitsschritte eintragen und so die Fortschritte des Projekts ständig verfolgen. „Sie befinden sich damit in einer virtuellen Umgebung, die klar und einfach ist und die weltweit funktioniert”, sagt Göttel. Mit Hilfe des neuen Produkts soll der Mitarbeiter Zeit sparen und effektiver arbeiten können. Er weiß immer, welcher Kollege aktuell mit welchem Arbeitsschritt beschäftigt ist, und kann seine Fragen so auf dem kurzen Dienstweg klären.„Es geht nicht um Kontrolle, es geht um Transparenz der Arbeit”, erklärt Oliver Post. „Die Mitarbeiter sind so zufriedener und motivierter”, fügt sein Bruder hinzu.

Die drei Unternehmensgründer sind allerdings nicht die einzigen, die das Programm Scrum in eine neue Form bringen. Von ihrer Herangehensweise sind sie aber überzeugt. „Unser Wettbewerbsvorteil ist, dass wir den Markt gut kennen und eine Mischerfahrung im Team vorweisen können”, sagt Axel Post.

Natürlich gibt es auch in ihrem Team Diskussionen. Zum Beispiel, wenn die kreativen Ideen von Axel Post aus Sicht seiner Kollegen an der Realität vorbeigehen. „Aber die Konflikte tragen wir dann auf dem Tennisplatz aus”, sagen die Post-Brüder.

Für beide ist es nicht das erste Mal, dass sie ein Unternehmen gründen. Oliver Post gründete vor drei Jahren eine Software-Firma, Axel Post eine Agentur für digitale Kommunikation in der Schweiz. „Man braucht dafür eine gewisse Gelassenheit, darf sich nicht gleich aus der Ruhe bringen lassen, wenn es mal nicht gut läuft”, erklärt Axel Post seine Strategie: „Man muss an sich glauben und die Möglichkeit haben, kreativ zu arbeiten.”

Zurzeit haben die drei zwar noch einen anderen Vollzeitjob, irgendwann wollen sie aber hauptsächlich mit Scrumtimes ihr Geld verdienen. „Es ist einfach eine schönere Form des Arbeitens, wenn man keinerlei Vorgaben hat”, sagt Oliver Post, der für seinen Traum von Scrumtimes auch mal eine Nachtschicht einlegt.

Falls das Trio mit seinem Produkt Erfolg haben sollte, würde es Büroflächen im Raum Aachen mieten und rund 16 Mitarbeiter einstellen.

Zunächst aber geht es für die drei darum, die Ziele ihres Unternehmens genauer festzulegen. Außerdem will Axel Post, der erst im vergangenen Jahr aus der Schweiz nach Aachen zurückgekehrt ist, neue Kontakte knüpfen. „Dabei hilft AC² sehr, auch wenn wir nicht gewinnen sollten”, sagt er. Eine Prämierung wäre ein Motivationsschub. Unterkriegen lassen sich die drei aber ohnehin nicht, versichert Oliver Post: „Wir sind Feuer und Flamme für unser Projekt - und wir starten jetzt durch!”
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