Aachen - Mit Aachener Technik fährt das E-Mobil noch weiter

Mit Aachener Technik fährt das E-Mobil noch weiter

Von: Hermann-Josef Lentzen
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Martin Pischinger legt Hand an
Martin Pischinger legt Hand an: Beim 20. Autokolloquium im Aachener Eurogress führte er gestern den Motor vor, der Elektromobilen 400 Kilometer mehr Reichweite gibt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wer früher als Rolls-Royce-Besitzer die extreme Laufruhe seines Motors demonstrieren wollte, setzte eine Münze auf das Triebwerk - sie blieb stehen. Martin Pischinger führte am Mittwoch im Eurogress vor internationalem Fachpublikum beim 20. Aachener Autokolloquium eine modernere Beweismethode vor.

Er legte den Laserpointer auf seinen Zweizylinder - und siehe da, der Laserpunkt auf der Projektionsfläche stand absolut still. Diese Vibrationslosigkeit ist eine der hervorstechendsten Eigenschaften des neuen Motors mit 0,8 Liter Hubraum und 30 Kilowatt Leistung, der als benzingetriebener Reichweiten-Verlängerer in Elektromobilen als unsichtbarer Helfer zum Einsatz kommen soll. Und der in seinen Einbaumöglichkeiten so einfach konzipiert ist, dass ihn jeder Automobilhersteller in sein Modell übernehmen könnte.

Zur Erklärung seiner patentierten Lösung beschreibt Martin Pischinger, Vice President Electronics/Controls der FEV GmbH, den Normalfall: „Im Verbrennungsmotor ändert sich ständig das Drehmoment an der Kurbelwelle, das Schwungrad wird dementsprechend schneller und langsamer. Bei jeder Änderung kippt der Motor in entgegengesetzter Richtung, was wiederum die Motorlager auffangen müssen. Dabei entstehen Geräusche und Vibrationen.” Die aber gerade sollen den Fahrer eines E-Mobils nicht irritieren, wenn die Batterien zur Neige gehen und der zweite Motor anspringt, um Strom für eine längere Reichweite zu erzeugen. Die Lösung gegen das Kippen und Rollen des Motors fand der 52-jährige Ingenieur im Einbau einer zweiten Welle. Sie ist durch Zahnräder mit der Kurbelwelle verbunden und dreht sich gegensinnig. Der Effekt: „Beim Start, beim Stopp und während des Motorlaufes treten keine Vibrationen und Geräusche auf.” Damit steht der „FEVcom” (Full Engine Vibration Compensation, übersetzt etwa: Voller Vibrationsausgleich) unter den Mitbewerbern mit anderen Konzepten nach Meinung von Pischinger als Nummer eins da.

Mit einem vergleichsweise kleinen Tankvolumen von 21 Litern kann der FEVcom Range Extender die Reichweite eines 1200 Kilogramm schweren, batteriebetriebenen Kleinstwagens um bis zu 400 Kilometer verlängern und erfüllt dabei die Emissionsstufe 6. Alle Komponenten bis auf den Kraftstofftank und den Kühler sind auf einem Tragrahmen montiert, so dass das nur 60 Kilogramm schwere Triebwerk auch Platz in der Reserveradmulde eines Kleinwagens findet. Da es nur wenige Schnittstellen mit dem Fahrzeug hat, geht die Montage zügig vonstatten.

Jetzt hoffen die Kooperationspartner FEV und die KSPG AG aus Neckarsulm auf Aufträge aus der Autoindustrie. Und die Zeichen stehen gut, wie Hans-Joachim Esch, Generalbevollmächtigter Forschung und Technologie des zum Rheinmetall-Konzern gehörenden Motorteile-Zulieferers, sagt: „Wir führen auf internationaler Ebene Gespräche mit mehreren potenziellen Kunden, mit einigen tauschen wir auch schon Daten aus.” Was auf die Ernsthaftigkeit des Interesses schließen lässt. Und auch Martin Pischinger sieht gute Chancen, auf dem wachsenden Markt der Elektromobilität mit dem Reichweiten-Verlängerer made in Aachen Fuß zu fassen: „Das Thema Motorenmarke ist für diesen Anwendungsfall nicht so emotional besetzt wie für ein konventionelles Fahrzeug. Da unser Motor praktisch unsichtbar ist, ist es für eine Autofirma nicht mehr so wichtig, welcher Name draufsteht.” Um noch mehr potenzielle Kunden zu überzeugen, werden jetzt fahrfertige Autos aufgebaut, damit die Vorzüge des Reichweiten-Verlängerers für jeden Interessenten buchstäblich erfahrbar sind. Wenn jetzt ein Auftrag erteilt würde, könnte die Serienproduktion 2013 anlaufen, da die Konzeptphase schon weit fortgeschritten ist.
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