Millionen Briefe bleiben im Postsack

Von: dpa/chm
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Protest mit Trillerpfeife: Wie hier in Hannover haben gestern bundesweit Mitarbeiter der Deutschen Post ihre Arbeit niedergelegt. Sie wollen ihren Forderungen im Tarifstreit Nachdruck verleihen. Foto: dpa

Bonn/Berlin. Briefträger im Ausstand – Postsäcke bleiben stehen: Viele Kunden der Deutschen Post haben gestern vergeblich auf Briefe, Päckchen oder Pakete gewartet. Bundesweit folgten 3400 Zusteller dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zu Warnstreiks. Deswegen seien 2,4 Millionen Briefe und mehr als 100.000 Pakete nicht zugestellt worden, teilte Verdi in Berlin mit.

Ein Sprecher der Post bestätigte Behinderungen in verschiedenen Orten. In der Region Aachen, Düren und Heinsberg habe es allerdings keine Streiks gegeben, sagte Dieter Pietruck von der Post-Pressestelle in Düsseldorf unserer Zeitung. In Nordrhein-Westfalen wären vor allem die Köln-Bonner Region sowie der Rhein-Erft-Kreis betroffen gewesen. Das Bonner Unternehmen stellt jeden Tag im Schnitt mehr als 60 Millionen Briefe und Pakete zu.

Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen waren laut Verdi gestern städtische Ballungsgebiete im ganzen Bundesgebiet. Allein in Nordrhein-Westfalen traten nach Gewerkschaftsangaben 600 Postboten in den Ausstand. Rund eine Million Briefe und Pakete seien vermutlich liegen geblieben, sagte ein Sprecher. Diese würden verspätet ausgeliefert. „Die Verärgerung der Postzusteller ist sehr groß“, sagte Anton Hirtreiter von Verdi Bayern. Viele arbeiteten bis an die Belastungsgrenze.

„Wir unternehmen alles, um betriebsbedingte Auswirkungen von Warnstreiks für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten“, erklärte der Konzernvorstand der Deutschen Post, Jürgen Gerdes. Auch in den kommenden Tagen könne es bundesweit zu Verzögerungen vor allem bei der Briefzustellung kommen. Die Zustellung von Paketen sei derzeit nur in geringem Umfang betroffen, teilte die Post mit. Verdi will den Streik am heutigen Donnerstag in andere Bereiche bei der Post verlagern. Die Zusteller sollten wieder zur Arbeit kommen, sagte ein Sprecher. Denkbar seien aber Arbeitsniederlegungen in Briefzentren.

„Unsere Mitglieder sind entschlossen. Wir haben die klare Erwartung, dass der Arbeitgeber in der nächsten Tarifrunde ein einigungsfähiges Angebot vorlegen muss“, erklärte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis in einer Mitteilung. Am 25. April kommen die Tarifpartner in Neuss zu weiteren Gesprächen zusammen.

Am Montag war die zweite Tarifrunde ohne Ergebnis geblieben. Während das Management von konstruktiven Verhandlungen sprach, kündigte Verdi an, mit Warnstreiks den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen zu wollen. Für die rund 132.000 Tarifbeschäftigten fordert Verdi sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat. Bislang legte die Deutsche Post noch kein Angebot vor. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland 175.000 Menschen, darunter sind mehr als 40.000 Beamte.

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