Michael F. Bayer: Vom Raketenstartplatz an die IHK-Spitze

Von: Christina Merkelbach
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Die Campus-Baustelle als Kulisse: Michael F. Bayer sieht die Potenziale der Region vor allem bei Technologie, IT und Internationalität. Dies gelte es, noch stärker in den Fokus zu rücken, sagt der neue Hauptgeschäftsführer der IHK. Foto: Michael Jaspers
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Michael F. Bayer (2. v. r.) im Gespräch mit den Redakteuren Bernd Büttgens, Bernd Mathieu und Hermann-Josef Delonge (von links).

Aachen. Nur an einem Tag im Jahr trägt Michael F. Bayer zur Arbeit Krawatte. Das ist am Fettdonnerstag, damit die Kolleginnen sie ihm um 11.11 Uhr abschneiden können. Ansonsten schwört der neue Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen auf Fliege.

Das sei wohl dem Einfluss seines großen Bruders geschuldet, einem passionierten Fliegenträger, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion, das in den Räumen der Aachener Softwarefirma Soptim stattfindet.

Nicht zufällig. „Die IT ist auch in unserer Region eine wichtige Branche, das ist vielen gar nicht klar.“ 9000 Mitarbeiter und ein Wachstum, das dreifach über dem NRW-Durchschnitt liege, sprächen für sich. Deshalb möchte Bayer gerne mehr IT-Unternehmen in die IHK-Vollversammlung holen, die Ende des Jahres neu gewählt wird. Eine von vielen Aufgaben, die vor ihm liegen.

Anfang April hat er die Nachfolge von Jürgen Drewes an der Spitze der Kammer angetreten, der 74 000 Unternehmen in der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen angehören. 17 Jahre zuvor hatte er sein erstes Vorstellungsgespräch bei der IHK, deren Chef damals noch Otto Eschweiler hieß. Dabei hatte sich der junge Ingenieur Michael F. Bayer kurz vorher noch vieles vorstellen können – aber nicht, sich bei einer Kammer zu bewerben. Bis sein Vater, der den Sohn wieder näher am heimischen Herzogenrath wissen wollte, ihn auf die Stellenanzeige der IHK aufmerksam machte. Gesucht wurde ein Innovationsberater.

Bekenntnis zum Konservativen

Nach dem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Aachen und Lyon hatte es Bayer nach Südamerika gezogen, wo er für ein Jahr in Französisch-Guyana am europäischen Raketenstartplatz Kourou arbeitete. Das klinge spannend, sei aber recht eintönig gewesen, erklärt er. Als er bei der IHK zusagte, hatte er eigentlich schon den Arbeitsvertrag bei einem großen französischen Automobilzulieferer in der Tasche. Aber dann habe Otto Eschweiler ihn für das Thema Strukturwandel begeistern können. Nicht geschadet habe auch die Aussicht, schon bald den Leiter des Bereichs Industrie, Technologie und Umweltschutz beerben zu können, sagt Bayer – und lacht, was er während des Gesprächs ohnehin viel tut.

Michael F. Bayer, dessen zweiter Vorname Fidelis lautet, ist vierfacher Vater mit einer Leidenschaft fürs Bergsteigen in schwindelerregenden Höhen. Sein Fußballherz schlägt für Borussia Mönchengladbach, ehrenamtlich engagiert er sich im Kirchenvorstand und bei den Freunden und Förderern des Luisenhospitals.

Nur kurz zögert er mit der Antwort auf die Frage, ob er ein Konservativer sei. Um sie dann klar zu bejahen. „Der Begriff ist zum Teil negativ besetzt, aber ich sehe mich als konservativ im Sinne der ursprünglichen Bedeutung: Das Konservative ist das Bewahrende.“ Er trete dafür ein, Gutes zu bewahren. Bezogen auf die Region meint er damit: weiter auf deren Stärken setzen! „Wir haben in der Region kein Erdölvorkommen, und wir werden auch die Steinkohle nicht mehr ausbuddeln. Aber wir haben die Wissensquellen in Hinblick auf Technologie. Die müssen wir anbohren und anzapfen, da müssen wir die Pumpen hinstellen.“

Und wie beurteilt er den Standort Aachen insgesamt? Teilt er die Aussage seines Vorgängers Jürgen Drewes, der gesagt hatte, Aachen sei ein 1b-Standort, und das sollte man akzeptieren? „Ich würde unterstreichen, dass Aachen ein 1b-Standort ist. Aber damit muss man sich nicht abfinden, sondern kann und muss mehr daraus machen.“ Noch viele Möglichkeiten, sich zu profilieren, sieht Bayer bei Technologie und IT, auch das Thema Internationalität sollte seiner Meinung nach noch stärker in den Fokus rücken.

Zusammen mit seinen Mitarbeitern, derzeit 120, will er der IHK auch ein neues Leitbild verpassen. „Einerseits ist die IHK eine Körperschaft mit öffentlichem Auftrag. Andererseits sind wir Dienstleister für die Mitgliedsunternehmen. Viele, die unsere Dienstleistung nicht direkt in Anspruch nehmen, sondern nur den Gebührenbescheid empfangen, fragen ‚Was tut ihr denn für mich?‘. Da haben wir eine große Gratwanderung zu vollziehen – an welcher Stelle sind wir Behörde, an welcher Dienstleister?“ Geplant sei, intensiv auf die Unternehmen zuzugehen und die Dienstleistungen ganz bewusst auf deren Bedürfnisse auszurichten. „Wir haben es anders als früher mit viel kleiner strukturierten Unternehmen zu tun, die wir stärker in den Prozess miteinbeziehen müssen.“ Seinen Führungsstil beschreibt Bayer als kommunikativ und persönlich. „Letztendlich stellt sich das Wichtigste im Gespräch miteinander heraus“, sagt er.

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