Maschinenbau will unabhängiger werden

Von: Rolf Obertreis
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Frankfurt/Main. Die Beziehungen der Maschinenbauer in Deutschland zu Banken und Sparkassen haben sich durch die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise massiv verändert und werden sich weiter verändern.

„Viele Unternehmen streben danach, sich von den Banken unabhängiger zu machen und weitere finanzielle Ressourcen aufzubauen”, sagt Thomas Lindner, Präsident des Maschinenbau-Verbandes VDMA.

Dabei erwägen bislang skeptische Mittelständler sogar die Hereinnahme von Beteiligungskapital. „Früher haben sie das gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Diese Mentalität hat sich total geändert.” Lindner sieht die Unternehmen aber durch die Krise gestärkt, weil sie die Mitarbeiter zum großen Teil gehalten und weiter in Forschung und Entwicklung investiert hätten.

Lange Prüfung als Problem

Lindner hat zwar gewisses Verständnis für strengere Kreditprüfungen durch Banken und Sparkassen, weil auch die regulatorischen Anforderungen an die Institute gestiegen seien. Aber dass es mittlerweile nicht mehr Wochen sondern Monate dauere, bis Kredite genehmigt würden, sei nicht hinnehmbar.

„Nicht die Verweigerung des Kredits ist das Problem, sondern die lange Prüfung, die letztlich bei den Unternehmen zu Liquiditätsengpässen führt.” Viele Unternehmen hätten „äußerst negative” Erfahrungen mit Banken gemacht.

Für Lindner ist aber auch klar, wie er am Montag in Frankfurt bei der Vorstellung einer Umfrage und Studie mit rund 500 Unternehmen zu den Lehren aus der Krise sagte, dass die Maschinenbauer nicht weitermachen können wie bisher.

„Die Unternehmen wollen und müssen flexibler werden und ihre Fixkosten weiter reduzieren. Sie müssen schneller auf Marktschwankungen reagieren, zumal die Zyklen kürzer und heftiger werden.”

Wer dies nicht schaffe, drohe zu verlieren. „Wer sich nicht schnell anpasst, ist in seiner Existenz gefährdet.” Immerhin die Hälfte der befragten Firmen habe dies erkannt und handele danach. Klar ist für Lindner auch, dass die Maschinenbauer ihre Präsenz in Asien weiter ausbauen müssen. Dort vor allem finde in den nächsten Jahren das Wachstum statt.

Zwei Elemente der Krisenstrategie zahlen sich nach Angaben von Lindner schon jetzt aus. Zum einen sei in der schwierigen Phase nicht bei Forschung und Entwicklung gekappt worden, zum anderen hätten drei Viertel der Firmen ihre Mitarbeiter gehalten und die Engpässe über Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit überwunden.

„Das ist ein toller Beweis für die Sozialpartnerschaft mit Betriebsräten und Gewerkschaften in Deutschland. Und nur deshalb konnten und können wir die Auftragsflut bewältigen.”

In manchen Bereichen fehlten schon wieder Fachkräfte, und es gebe Probleme, einzelne Aufträge fristgerecht abzuwickeln. Bei Herstellern von Kunststoffmaschinen sind die Auftragsbücher so voll, dass die Kapazitäten bis Ende 2012 ausgelastet sind und derzeit gar keine neuen Aufträge hereingenommen werden können.

Trotz dieser Strategie wird die Zahl der Beschäftigten in der wichtigsten deutschen Investitionsgüterbranche in diesem Jahr unter dem Strich mit 915.000 um 6000 Stellen niedriger liegen als vor Jahresfrist. Seit dem Tiefstand im Mai wurden aber rund 13.000 Mitarbeiter neu eingestellt.

Und die Auftragslage bleibt gut, auch wenn sich der Auftragseingang etwas abschwächt. Lindner rechnet 2011 mit einer um acht Prozent höheren Maschinenbau-Produktion. Im laufenden Jahr ging es zwischen Januar und Oktober um 5,4 Prozent nach oben, der Auftragseingang legte real um 34 Prozent zu. Aber selbst bei dieser guten Entwicklung läge die Maschinenbau-Produktion Ende 2011 immer noch 14 Prozent unter dem Rekordwert von 2008. „Wir sind zuversichtlich, aber wir bleiben auch Realisten”, sagt der VDMA-Präsident.

Rund 35 Prozent der Unternehmen sehen in Innovationen und in noch besser ausgebildeten Mitarbeitern die beste Chance im Wettbewerb bestehen zu können. Weitere 30 Prozent setzen auf noch mehr Flexibilität und Verbesserung der finanziellen Lage, macht Lindner deutlich.
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