Maastricht Airlines schon pleite vor dem Jungfernflug

Von: Berthold Strauch
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Maastricht. Schon vor dem – ohnehin zweimal verschobenen – offiziellen Starttermin legt die neue Fluggesellschaft Maastricht Airlines einen heftigen Crash hin: Die Niederländer kommen einfach nicht in die Luft.

Wie Paul Sies, der kaufmännische Direktor des Unternehmens, am Montag auf Anfrage bestätigte, habe Maastricht Airlines bei den zuständigen Stellen Konkursantrag stellen müssen.

Auslöser des aktuellen Dilemmas noch weit vor dem zuletzt für kommenden September geplanten Jungfernflug sei der Absprung eines der vier Gesellschafter von Maastricht Airlines gewesen, erläuterte Sies gegenüber unserer Zeitung. Wer dieser Anteilseigner ist, wollte er nicht bekanntgeben. Dieser habe die eingegangenen finanziellen Verpflichtungen angesichts der erzwungenen Durststrecke nicht erfüllen können. So musste allein für rund 4000 gebuchte Tickets das Geld zurückgezahlt werden. Sies bezifferte die Finanzlücke mit mindestens einer halben Million bis 800.000 Euro.

Als die Fluggesellschaft am 20. Dezember 2012 im Rathaus der Stadt Maastricht präsentiert wurde, hieß es, dass der Hauptgesellschafter und operative Geschäftsführer Hamid Kerboua 57 Prozent der Anteile übernehme. Mit 37 Prozent war der Luftfahrt-Unternehmer Lex Versteeg eingestiegen. Zwei weitere Finanzinvestoren mischen noch mit, die seinerzeit auch nicht genannt werden wollten. Aus deren Reihen dürfte wohl der „abtrünnig“ gewordene Gesellschafter kommen.

Nun übernimmt erst einmal ein Zwangsverwalter den Steuerknüppel bei Maastricht Airlines. Er soll, bekräftigte Finanzchef Sies, Ausschau nach anderen Investoren halten. Sies zeigte sich optimistisch, dass dies gelingen könne.

Fokker-50-Flugzeug startklar

Mittlerweile habe die erste der beiden Fokker-50-Maschinen, mit denen die Gesellschaft ihren Flugbetrieb zunächst nach Amsterdam, Berlin und München aufnehmen wollte, die offizielle Zulassungsfreigabe von den zuständigen Luftaufsichtsbehörden erhalten. Bei der Kontrolle der gebrauchten Flugzeuge in Italien waren Rostmängel entdeckt worden. Die zweite Maschine soll laut Sies übernächste Woche fertig sein.

Für rund 40 der 60 Mitarbeiter von Maastricht Airlines soll ein Sozialplan ausgearbeitet werden, informierte Sies. Die übrigen Kollegen sollen ihre Jobs behalten.

In Südlimburg wird darüber spekuliert, dass Maastricht Airlines die 235.000 Euro, die die Provinzregierung in Maastricht für die Ausbildung des Personals zur Verfügung gestellt hatte, zurückzahlen müsse. Diese Annahme wies Sies zurück. Er rechne fest damit, dass die Fluggesellschaft noch in diesem Jahr endlich abheben könne. Daher entfalle zum jetzigen Zeitpunkt eine Erstattungspflicht, fügte der Manager an. „Ich glaube fest an eine gute Lösung.“

Optimistisch bleibt auch Sander Heijmans, der Chef des Maastricht Aachen Airports (MAA), der Heimatbasis der neuen Gesellschaft. Er zeigte sich zunächst auf Nachfrage „überrascht“ von dem Konkursantrag. „Das ist wirklich schade. Ich hoffe, dass sie nicht aufgibt. Denn ich bin davon überzeugt, dass die Gesellschaft mit ihren Flugzielen erfolgreich sein kann.“ Später sollen auch noch London, Kopenhagen und Paris hinzukommen. Für die „Namensrechte“ hat die Stadt Maastricht 100.000 Euro bereitgestellt.

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