Lufthansa verharrt im Streikmodus

Von: Christian Ebner
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Frankfurt. Die Lufthansa kommt nicht aus dem Streikmodus. Während sich bei Post und Bahn nach ebenfalls hart geführten Arbeitskämpfen die Parteien doch noch zusammengerauft haben, stehen bei der Kranich-Linie die Zeichen unverändert auf Konflikt.

Gerade noch hat der Dax-Konzern Ausstände seiner Flugbegleiter über den Sommer mit knapper Not verhindert, sind es nun wieder die Piloten, die mit Streik Nummer 13 diesmal zur besten Ferienzeit drohen.

Die eigentlich geplante Gesamtschlichtung zu allen offenen Tarifthemen konnte nicht einmal begonnen werden, weil sich die Parteien über den abzuarbeitenden Katalog nicht einig wurden. Der als Schlichter auserkorene Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel eilte seit Wochen zwischen den Lagern hin und her, ohne eine tragfähige Grundlage zu schaffen. Dem Vernehmen nach soll es kein einziges Mal zu Dreiergesprächen unter seinem Vorsitz gekommen sein.

Hauptknackpunkt bei den Piloten ist der von Lufthansa-Chef Carsten Spohr forcierte Umbau des größten Luftverkehrskonzerns Europas. Der Dax-Konzern verdient nämlich gutes Geld fast nur noch in Nischen wie Wartung und Catering, während der eigentliche Flugbetrieb kaum noch was abwirft. Die Kosten müssen sinken und die Erlöse steigen, dieses einfache Mantra soll bei Lufthansa künftig vor allem über die neue Billigplattform Eurowings gelingen. Unter ihrem Dach starten im Herbst nicht weniger als fünf Fluggesellschaften, weitere Billiganbieter und mögliche Zukäufe sind willkommen.

Die Kerngesellschaft Lufthansa wird unter den aktuellen Tarif- und Marktbedingungen möglicherweise von heute noch 310 auf 250 Maschinen weiter schrumpfen, droht Spohr. Die ebenfalls unter den teuren Piloten-Konzerntarifvertrag fallende Germanwings soll ausgetrocknet werden: Die Piloten werden nach und nach zur Lufthansa versetzt, die Flugzeuge der tariflich günstigeren Schwester Eurowings übergeben.

Thema Renten heftig diskutiert

Für die Piloten und Flugbegleiter der Lufthansa bedeutet das schlechtere Aufstiegschancen in ihrem Unternehmen, während ihre Gewerkschaften beständig an Einfluss verlieren. Dies droht insbesondere dann, wenn Maschinen an ausländische Töchter übergehen, wie aktuell mit der Eurowings Austria geplant. Dort entstehen auf Sicht neue Jobs, nicht an den Lufthansa-Basen Frankfurt und München.

Die Kabinengewerkschaft Ufo hat sich in diesem Punkt in ihr Schicksal ergeben und will die vom Konzern gesetzte Entwicklung tariflich mitgestalten. Auch beim komplexen Tarifthema der Betriebs- und Übergangsrenten zeigen sich die Flugbegleiter moderater als die Piloten. Sie haben grundsätzlich den Systemwechsel von festen Rentenzusagen hin zu festen Arbeitgeberbeiträgen inzwischen akzeptiert.

Welche Rente für jede einzelne Stewardess herauskommen würde, bliebe dann ungewiss. Ufo verhandelt nach der abgesagten Streikserie aktuell nur noch über die Höhe der künftigen Arbeitgeberbeiträge. Möglicherweise fürchtet die Pilotengewerkschaft einen zu niedrigen Abschluss der Ufo-Kollegen, denn auch bei den Piloten und der dritten, derzeit noch nicht streikbereiten Hausgewerkschaft Verdi werden die von Lufthansa allseits gekündigten Renten heftig diskutiert.

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