Lehman-Kläger siegen vorm Aachener Landgericht

Von: Berthold Strauch
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Aachen. Mehr als 16 Monate nach dem spektakulären Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehman Brothers läuft die juristische Aufarbeitung der Pleite auf Hochtouren. Am Donnerstag urteilte das Aachener Landgericht in zwei Klagefällen zugunsten düpierter Anleger.

Laut Gerichtssprecher Georg Winkel habe der Richter im ersten Fall die Dresdner Bank - beziehungsweise ihren Rechtsnachfolger Commerzbank - als Verkäufer der Lehman-Zertifikate zu Schadenersatz verurteilt. Sie muss ihrem Aachener Kunden die Papiere im Verkaufswert von 20.000 Euro erstatten, das Anlagegeschäft „rückabwickeln”. Im zweiten Fall, in dem gleichfalls ein Aachener geklagt hatte, geht es um 60.000 Euro.

Wie Winkel ergänzte, sei der Richter der für Banksachen zuständigen Ersten Zivilkammer der Auffassung, die Bankberater der Aachener Filiale hätten „ihre Aufklärungspflicht missachtet”. Sie hätten mitteilen müssen, dass sie Provisionen („Kickbacks”) von Lehman Brothers für die Vermittlung der Papiere einstreichen - 3,5 Prozent Zertifikatewerts. Winkel nennt die Aachener Urteile „Einzelfallentscheidungen”, die keine Präzedenzwirkung hätten.

Wie weiter zu hören ist, habe einer der klagenden Aachener Anleger nur wenige Tage vor dem Crash der Lehman-Bank am 15. September 2009 bei seiner Bank nachgefragt, ob er seine Papiere verkaufen solle. Der Berater habe ihm empfohlen, die Lehman-Zertifikate im Depot zu halten.

Die Bank kann Rechtsmittel einlegen - wovon wohl auszugehen ist. Dann würden die beiden Fälle dem Oberlandesgericht in Köln zur Entscheidung vorgelegt.

Diese ersten Aachener Urteile in dieser Streitsache bewegen sich im Rahmen der Beschlüsse anderer Landgerichte. Bislang liegt noch kein zweitinstanzliches Urteil vor. Es ist absehbar, dass eine endgültige Entscheidung wohl vom Bundesgerichtshof gefällt werden dürfte. Im Zweifel müssen sich die zunächst siegreichen Kläger noch eine Weile gedulden, bis ihnen eventuell ihr Geld erstattet wird.
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