Hürtgenwald - Landhotel Kallbach: Manuela Baier wurde beim Gründerpreis NRW ausgezeichnet

Landhotel Kallbach: Manuela Baier wurde beim Gründerpreis NRW ausgezeichnet

Von: Naima Wolfsperger
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Vom Jetset ins verschlafene Eifeldorf: Manuela Baier führt seit zwei Jahren das Landhotel Kallbach - und hat sich damit einen Kindertraum erfüllt. Außerdem will sie dort mit ihren Schweizer Sennenhunden Augustin (vorne) und Helena eine Hundezucht aufbauen. Foto: Naima Wolfsperger

Hürtgenwald. Das schönste Fleckchen Erde, das liegt in der Eifel. Genauer: in dem Hürtgenwalder Ortsteil Simonskall. Zumindest für die Globetrotterin Manuela Baier. Als Einkäuferin im Textileinzelhandel ist sie viel gereist, war etwa 30 Jahre zwischen Hamburg, New York und Hongkong unterwegs. Seit zwei Jahren betreibt sie nun das Landhotel Kallbach in Simonskall, hat das sogenannte Jetset-Leben für die Idylle in dem 52-Seelen-Dorf aufgegeben.

Jetzt wurde sie mit dem dritten Platz des NRW-Gründerpreises geehrt: für ihr modernes Konzept, für Nachhaltigkeit und für ihr soziales Engagement. Und das, obwohl sie bis vor zwei Jahren keine Ahnung hatte von der Hotellerie.

Mit dem Gründerpreis wird Baier für ihre Verbindung von Tagungs-, Wellness- und Sportkonzepten im Landhotel ausgezeichnet. Mit einem „Adventure Golfplatz“, einer Kombination von Mini- und regulärem Golf, will sie das Eifel-dorf Simonskall auch für jüngere Menschen attraktiver machen. Im Bereich Nachhaltigkeit punktet Baier damit, dass sie sich gleich zu Beginn der Übernahme gegen Stromfresser wie etwa die 52 Minibars entschied, die in den Zimmern aufgestellt waren, und sie entfernen ließ.

Nicht zuletzt ist es aber auch ihr soziales Engagement, das mit dem Gründerpreis prämiert wird. Flüchtlingsunterkünften in Hürtgenwald spendet sie nicht nur Bettwäsche und Handtücher ihres Hotels, sie setzt sich auch für jene ein, die bei ihr arbeiten möchten. Einer Frau, die als Flüchtling aus Bosnien kam und nun als Hausdame im Landhotel angestellt ist, half Baier bei bürokratischen Prozessen. Derzeit bemüht sie sich besonders um einen jungen Syrer, der im Hotel aushilft. „Ich möchte ihn davon überzeugen, eine Ausbildung zu machen. Auch wenn das kurzfristig weniger Geld für ihn bedeutet. Auf lange Sicht wird er davon profitieren.“

Bevor sie das Hotel übernahm, war Baier jahrelang in Führungspositionen und nicht zuletzt auch als Vorstandsmitglied in einem großen Textilunternehmen die einzige Frau unter Männern. Dafür brauche man Ellbogen, sagt die 51-Jährige. Und: „Man muss die Fußballergebnisse kennen.“ Sie lacht und freut sich ganz offensichtlich, dass sie morgens nicht mehr nachlesen muss, wie Schalke gespielt hat. „Ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball.“

„Eher schlechten Realschulabschluss“

Nach einem „eher schlechten Realschulabschluss“ machte Baier in ihrer Jugend eine Einzelhandelsausbildung. Sie arbeitete hart und hatte Ambitionen, stieg bald auf und wurde unter anderem Gesamteinkaufsleiterin bei der Tchibo GmbH in Hamburg für den gesamten Textilbereich. 2012 schaffte sie es schließlich in den Vorstand der Adler Modemärkte AG. Scheinbar der Höhepunkt ihrer Karriere. Doch bereits nach einem Jahr zog sie sich zurück und legte „aus persönlichen Gründen“ ein Sabbatjahr ein.

„Mein Mann lebte damals in unserem Haus in Neuss. Ich pendelte und wohnte unter der Woche in einer 1,5-Zimmer-Wohnung in Aschaffenburg.“ Dabei sei sie sich vorgekommen wie eine Studentin, die über die Wochenenden nach Hause fährt – „obwohl ich arbeitete wie eine Wahnsinnige“, erklärt Baier, warum sie den Vorstandsposten bei Adler aufgab. Mit unverhohlenem Stolz blickt sie auf ihre Karriere zurück. Sie ist jemand, der gerne anpackt, ein wenig rastlos vielleicht – vom Typ Lieber-machen-als-reden. „Ich habe gelernt, dass man alles schaffen kann, wenn man sich ein Ziel steckt und Mühe gibt“, sagt sie. Obwohl sie also im Bereich der Hotellerie ein unbeschriebenes Blatt gewesen sei, habe sie sich an das Gastgewerbe herangewagt.

Zuerst wollte sie den Hotelbetrieb verstehen. „Zwei Monate war ich Praktikantin im Landhotel, habe Toiletten geschrubbt, Betten gemacht und in der Küche stundenlang Kohlrabi geschält.“ Als sie dann die Führung des Hotels antrat, übernahm sie das gesamte Personal. Darunter auch Dieter Walter, der Baier als „schnell – im Kopf und in der Tat“ beschreibt. „Da muss man immer gut aufpassen, damit man mithalten kann“, sagt der Serviermeister. Er ist Manuela Baiers rechte Hand und weiß, dass sie auch von ihrem Personal fordert, auf Zack zu sein. Walter vertritt Baier, wenn sie im Urlaub oder auf anderen Terminen ist – wie etwa beim Tierarzt. Denn der Aufbau einer Hundezucht ist ein weiterer ihrer Träume, den sie sich in dem Eifel­dorf erfüllen möchte. „Am Montag stellt sich heraus, ob Helena trächtig ist“, sagt Baier und streichelt dem Schweizer Sennenhund über den Kopf. „Das ist mindestens genauso aufregend, wie den Gründerpreis zu erhalten.“

Aus dem Schlaf erwecken

Das Hotel laufe gut, sagt Baier – und sie investiere weiterhin Schritt für Schritt in Renovierung und Ausbau. 30 Angestellte kann sie aktuell verzeichnen, darunter acht Auszubildende. Wenn sie über ihr Landhotel spricht, dann hat sie auch immer das Wort „Simonskall“ im Mund. Der Ort müsse bekannter werden, sagt sie. „Die Natur ist hier so schön, dass man sich vorkommt wie in einer Märchenwelt. Jetzt müssen wir das versteckte Örtchen nur noch aus seinem Dornröschenschlaf erwecken und es auch für jüngere Menschen interessanter machen.“

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