Kronenbrot: Alle Hoffnung ruht auf Investor

Von: Hermann-Josef Delonge
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Der nächste Schritt: Die Würselener Großbäckerei Kronenbrot strebt eine Sanierung im Rahmen eines regulären Insolvenzverfahrens an. Foto: Beatrix Oprée

Würselen. Man kann es positiv formulieren, dann würde die Nachricht so lauten: Bei der Würselener Kronenbrot KG Franz Mainz wird der Sanierungskurs Schritt für Schritt konsequent umgesetzt. Dies soll im Zuge eines förmlichen Insolvenzverfahrens geschehen, das am Montag vom Amtsgericht Aachen eröffnet wurde. Das Ziel: die Fortführung des Betriebs und der Erhalt der Arbeitsplätze.

So erklärte es am Montag der Sprecher des zum Insolvenzverwalter bestellten Rechtsanwalts Mark Boddenberg aus Köln.

Wendet man es weniger positiv, bleibt diese Erkenntnis: Auch wenn der Geschäftsbetrieb an allen Produktionsstätten der Großbäckerei unverändert läuft, die Auftragslage stabil ist und die Öfen voll ausgelastet sind – das traditionsreiche Familienunternehmen braucht dringend frisches Geld, also: einen Investor. Die mangelnde Profitabilität bei einem Jahresumsatz von zuletzt rund 150 Millionen Euro ist ein ungelöstes Problem.

Die Anfang Mai angestrebte Sanierung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung hat nicht den gewünschten Erfolg gehabt und ist vom Tisch. Ob Kronenbrot ein Familienunternehmen bleibt, das mit dem Namen Mainz verbunden ist, ist ungewiss. Kapitän auf der Brücke ist jetzt der Insolvenzverwalter, wenn auch in Abstimmung mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Lothar Mainz.

Boddenberg zeigte sich am Montag zuversichtlich, das Unternehmen veräußern zu können. Dies soll im Zuge einer übertragenden Sanierung geschehen. Bedeutet: Die gesunden Teile eines Unternehmens werden in eine neue Gesellschaft übertragen; die Schulden und die nicht mehr überlebensfähigen Teile bleiben in dem insolventen Unternehmen; die Gläubiger werden mit dem Geld ausgezahlt, das der neue Unternehmensträger zahlt. Es gebe bereits zahlreiche Interessenten, sowohl Finanzinvestoren als auch „strategische Investoren“, sprich: Wettbewerber. Das alles allerdings noch in einem unverbindlichen Rahmen.

„Mit Ruhe und Augenmaß“ werde das weitere Verfahren gestaltet, betonte Boddenberg. Ein Investor könne „vielleicht noch vor Jahresende“ gefunden werden. Eine Variante von vielen ist, dass die Familie Mainz, die das Unternehmen in fünfter Generation führt, selbst einen Geldgeber findet und mit diesem als ganz „normaler“ Bieter in das Verfahren einsteigt. Sie würde damit weiter mit an Bord bleiben können. Es kann aber auch ganz anders kommen.

Betriebsrat Bodo Wagner und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) teilen übrigens den Optimismus des Insolvenzverwalters, dem sie für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ Respekt zollen. „Wir werden uns mit Konzepten einbringen“, betonte NGG-Geschäftsführer Peter Mogga. Boddenbergs Formulierung, dass die rund 1200 Arbeitsplätze „derzeit“ nicht in Frage stünden, hat der Betriebsrat naturgemäß mit viel Erleichterung zur Kenntnis genommen. Wie sich das im Zuge eines möglichen Verkaufs weiter entwickeln werde, sei selbstverständlich nicht abzusehen. „Wir sind aber nicht blauäugig“, relativierte Mogga.

Löhne und Gehälter der Mitarbeiter müssen nach Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens – das sich nur auf die Kernmarke, nicht auf die Kronenbrot-Töchter wie die Bäckerei Oebel bezieht – wieder aus dem laufenden operativen Geschäft erwirtschaftet werden. Das laufe gut, die Auftragsbücher seien voll, das Stollengeschäft als weiteres Standbein gestartet, sagen Insolvenzverwalter und Betriebsrat. Kunden und Lieferanten seien Kronenbrot treu geblieben. An den drei Standorten Würselen (630 Mitarbeiter), Köln (360 Mitarbeiter) und Witten wird unverändert produziert und ausgeliefert.

Das Traditionsunternehmen war vor allem durch erhebliche Preissteigerungen bei den Rohstoffen, wie etwa bei Mehl, sowie aufgrund eines hohen Margen- und Wettbewerbsdrucks in die roten Zahlen gerutscht. Vor längerer Zeit bereits eingeleitete Sanierungsmaßnahmen würden sich „zeitversetzt“ bemerkbar machen. Anders formuliert: Sie kamen zu spät, um das Insolvenzverfahren noch verhindern zu können.

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