Krisen bremsen Jobaufschwung

Von: Klaus Tscharnke
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Noch entstehen Tag für Tag neue Stellen in Deutschland. Doch angesichts der Lage etwa in Russland sorgen sich Konjunkturexperten um den Arbeitsmarkt. 2014 könnte ein Jahr der Stagnation werden. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Nürnberg. Noch zum Jahreswechsel war der Optimismus groß. 2014, so die damalige Prognose vieler Fachleute, könnte dem deutschen Arbeitsmarkt nach längerer Stagnation den erhofften Schub bringen.

Spätestens im zweiten Halbjahr würden die Arbeitslosenzahlen kräftig sinken, waren Volkswirte seinerzeit überzeugt. Inzwischen wissen es viele Experten und auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) besser: Auch das Jahr 2014 wird, sollten die aktuellen Vorzeichen nicht trügen, wie schon 2013 als Jahr der Stagnation in die Annalen eingehen.

Zwar sorgte der milde Winter für eine Aufhellung am Arbeitsmarkt und – entgegen früherer Saisonverläufe – für einen vorgezogenen Frühjahrsaufschwung. Dass die etwas stärkere Belebung überwiegend saisonale und kaum konjunkturelle Gründe hatte, zeigte aber spätestens die schwächere Entwicklung im Mai und Juni: Zweimal in Folge stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl – ein Hinweis auf die fehlende Schubwirkung der Konjunktur.

Inzwischen scheint sich auch Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise von der Hoffnung auf einen Jobaufschwung im Jahr 2014 verabschiedet zu haben. Diplomatisch formulierte er am Donnerstag: „Im zweiten Halbjahr wird es keine Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt geben, aber auch keine Verschlechterungen.“

Mit einer „mehr oder weniger stagnierenden Arbeitslosigkeit“ in diesem Jahr rechnet auch der Chefvolkswirt der KFW-Bankengruppe, Jörg Zeuner. Mehr sei wohl angesichts der aktuellen internationalen Krisen nicht drin, lautet seine Prognose. „Denn die mittelständische Industrie ist zwar zuversichtlich, zögert aber aufgrund der außenwirtschaftlichen Konjunkturrisiken mit vermehrten Einstellungen. In manchen Branchen bremst auch die Fachkräfteknappheit.“

Tatsächlich spüren erste Unternehmen die seit Monaten sinkenden Exporte nach Russland – auch eine Folge der dortigen wirtschaftlichen Rezession. Wie stark sich die gerade erst in Kraft getretenen verschärften Wirtschaftssanktionen gegen Russland auf ihre Auftragslage auswirken wird, vermögen viele Firmen noch nicht einzuschätzen. Anders die Maschinenbauer: Ihr Branchenverband VDMA senkte seine Wachstumsprognose von drei auf ein Prozent.

Angesichts der sich verdüsternden Konjunktur fällt es daher manchem Experten schwer, die moderat-optimistische Einschätzung von BA-Chef Weise zu teilen. Auch wenn das Handelsvolumen mit Russland mit 80 Milliarden Euro im Jahr vergleichsweise überschaubar sei, ganz ohne Folgen würden sinkende Exporte nach Russland für den Arbeitsmarkt nicht bleiben, sind manche Volkswirte überzeugt.

Andere verweisen hingegen darauf, dass auch frühere wirtschaftliche Einbrüche auf dem Arbeitsmarkt kaum mehr als eine Delle hinterließen. Seit Fachkräfte knapper sind, zögerten Unternehmen mit einem Stellenabbau.

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