Kreativwirtschaft in der Region: Innovationen und wichtige Fähigkeiten

Von: Thomas Vogel
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Die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Euregio ist stark: Eine Ausstellung der Designmetropole Aachen 2012. Foto: Stigler
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Die Fashion Clash 2012 in Maastricht ist ebenfalls ein Beispiel für Kreativwirtschaft in der Region. Foto: Schmitter

Aachen. „Wir wollen die Kreativbranche mit traditionellen Branchen zusammenbringen“, sagt Sylvia Hustedt und formuliert damit ein Ziel, das schwierig zu erreichen scheint. Hustedt, Geschäftsführerin des Gründerzentrums Kulturwirtschaft Aachen, ist Mitautorin der ersten offiziellen Statistik zur Kreativwirtschaft in der Region, die im Rahmen der Konferenz „Creative Changemakers“ am Dienstag präsentiert wurde.

Den Autoren geht es um Innovationen und kreative Fähigkeiten, die bisher brach liegen. „Mit unserer Studie wollen wir darlegen, wie der Standort zum Kreativstandort werden kann.“

Was die Ausgangslage angeht, zeigt sich Mitautor Michael Söndermann begeistert: „Die Wachstumsdynamik in der Region ist drei Mal so intensiv wie auf Landesebene. Das ist eine phänomenale Sache, die ich so nicht erwartet habe.“ Auch die Zahlen der Kultur- und Kreativwirtschaft können sich sehen lassen.

Der Umsatz hat einen Anteil von 3,2 Prozent am Gesamtumsatz der Städteregion. Auf Landesebene liegt dieser Wert nur bei 2,5 Prozent. Noch signifikanter der Unterschied in der Beschäftigungsbilanz: 4,9 Prozent der versicherungspflichtig Beschäftigten sind in der Städteregion Aachen in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig, im Land sind es nur 2,6 Prozent.

Maastricht vor Städteregion

„Es ist zwar eine kleine Region, aber es ist eine urbane, konzentrierte Modellregion.“ Software/Games, Design und der Buchmarkt seien die kraftvollen Träger dieser Zahlen, sagt Söndermann. In der Dynamik stechen Design und Software noch einmal heraus.

Die Kreativ-Branchen erwirtschaften in der Region Aachen anteilig mehr Geld als im Land und sogar im Bund. Trotzdem ist sie in der Studie, die sich mit der Euregio Maas-Rhein beschäftigt, nicht der Spitzenreiter. Die Kunstschaffenden der Region Maastricht/Süd Limburg arbeiten im Vergleich noch etwas profitabler. „Insgesamt kann sich die europäische Region Maas-Rhein als Kulturwirtschaftsmetropole viel stärker vermarkten, als sie das von sich selber wahrscheinlich gewusst hat.“ Die Studie soll helfen, das Potenzial zu erkennen, indem sie mit den Zahlen die Kraft der Branche sichtbar macht.

„Und was machen wir nun mit all dem, was wir haben?“, fragt Christian Backes, Mitautor, Geschäftsführer und Vorstand des U-Instituts für unternehmerisches Denken und Handeln in Bremen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass staatliche Institutionen von der Kraft der eigenen Kultur- und Kreativwirtschaft oft überrascht werden, wenn Zahlen veröffentlicht werden - und sich die Frage stellen, was sie nun machen können. Dann stehen sich Wirtschaft und Kultur oft gegenüber.

Die kulturelle Seite wünsche sich einen Effekt wie diesen: „Können wir nicht etwas machen, dass Aachen in Deutschland ob seiner Kreativwirtschaft richtig bekannt wird?“ Und die Wirtschaftsförderer? „Die wünschen sich einen Silicon-Valley-Effekt, ein Garagen-Start-up Milieu. Die jungen Studenten sollen aus der Hochschule herauspurzeln und übermorgen Start-ups gründen.“ Die Prozesse, die anderswo funktioniert haben, lassen sich aber nicht ohne weiteres übertragen, warnt der Experte.

Und es gibt noch ein Problem. „Wenn man ein ambitioniertes Ziel setzen wollte und sagen würde, dass Aachen die Kreativwirtschaftsregion Nummer eins in NRW und vielleicht ganz Deutschland werden soll, dann greift in Aachen sofort ein Reflex, der sagt: ,Nein, das können wir hier nicht, das machen wir hier nicht, das ist viel zu groß und mutig gedacht.‘ Diesen Reflex findet man überall.“ Dem ist mit einem einfachen Mittel zu begegnen, erklärt Christian Backes. Es heißt „Kochen ohne Rezept“ und meint, das Handeln nicht mehr an den Zielen auszurichten, sondern an dem, was vorhanden ist. Und das ist überdurchschnittlich viel, wie die Zahlen in der Studie belegen.

Mehr Aufträge an Kreative

Vorschläge für eine Reaktion der Verantwortlichen hat Backes: Zum Beispiel eine Innovationsbiennale in der Euregio, die Leute aufruft zu zeigen, was sie in ihren Garagen gebastelt haben.

Unternehmen müssten seiner Ansicht nach aufgefordert werden, mehr Aufträge in Richtung Kreativ- und Kulturwirtschaft zu vergeben. Die Innovationskraft der Kreativen auch außerhalb des Kunstbetriebes zu nutzen, das könne klassische Wirtschaftsbranchen weiterbringen. Ein Anfang könne mit dem Verstetigen von Projekten wie etwa „Creative Drive“ gemacht werden.

Gegenüber der Studie war das Projekt „Creative Drive“ als praktischer Teil gedacht, in dem Kunst- und Kulturschaffende sich zu Teams zusammentaten und mit einem branchenfremden Blick Projekte und Problemfelder in Unternehmen konkret bearbeiteten. Die Konferenz „Creative Changemakers“ bildet den Abschluss des von der EU geförderten Interreg-Projekts, das insgesamt über drei Jahre dauerte.

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