Konjunkturumfrage der IHK: Von großer Unruhe keine Spur

Von: André Schaefer
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Die Betriebe aus der Region zeigen sich von den jüngsten politischen Entwicklungen in Großbritannien oder den USA unbeeindruckt. Das zeigt die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage. Für 2017 herrscht Zuversicht. Foto: dpa

Aachen. 2016 war ein Jahr voller Krisen und Unruhen. Der Brexit, mögliche Einschränkungen des Freihandels oder die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten haben nicht gerade zu einer entspannten Lage der Wirtschaft geführt. Doch blickt man in die Region, dann haben die jüngsten politischen Entwicklungen die Unternehmen offenbar kaum beeindruckt.

Das zeigt jedenfalls die Auswertung der jüngsten Konjunkturumfrage, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen am Mittwoch vorstellte. Insgesamt 265 Unternehmen mit mehr als 27.000 Beschäftigten wurden im Dezember befragt. Das Ergebnis: Die Wirtschaft in der Region bleibt auf Wachstumskurs und startet zuversichtlich ins neue Jahr.

Die Situation: Insgesamt 44 Prozent der Betriebe bewerten die gegenwärtige Geschäftslage positiv, nur neun Prozent sind unzufrieden. Zwar hatten im Rahmen der im Herbst 2016 erfolgten Konjunkturumfrage noch 48 Prozent von einer guten Lage berichtet, doch IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer ist dennoch zufrieden: „Die Lage der Betriebe ist seit mehr als zwei Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau“, sagt er.

Das spiegelt sich auch in der Ertragslage wider: Bei jedem dritten Betrieb haben sich die Erträge zuletzt erhöht, nur bei jedem fünften sind sie gesunken.

Ein Rückgang ist in den vergangenen Monaten allerdings beim Exportgeschäft zu verzeichnen: Die Nachfrage aus dem Ausland konnte mit Blick auf die Region zum Jahresende nicht mit der Entwicklung im Inland mithalten. Jedes dritte Unternehmen berichtete von verringerten Exportumsätzen, nur bei jedem fünften sind sie gestiegen.

Die Branchen: Die Nachricht, dass in der Baubranche die beste Stimmung herrscht, ist inzwischen nicht neu. Der „Boom“ im Wohnungsbau hält weiter an, den niedrigen Zinsen sei Dank. Zwar konnte der Rekordwert aus dem vergangenen Herbst nicht erneut erreicht werden, doch die Hälfte aller Betriebe berichtet von guten Geschäften. Kein einziges Unternehmen ist unzufrieden.

Ähnliches gilt für den Dienstleistungssektor und den Handel: Während sich bei knapp der Hälfte aller Dienstleister der Umsatz in den vergangenen sechs Monaten erhöht hat, hat sich die gute Bilanz im Handel seit der Herbst-Umfrage nicht verändert: Im Großhandel spricht fast die Hälfte der Betriebe von einer guten Geschäftslage, im Einzelhandel sind es zwei Drittel.

Etwas verschlechtert hat sich die Situation hingehen in der Industrie. Zwar sei die Geschäftslage dort weiter auf einem insgesamt guten Niveau, sagt Bayer. Doch der IHK-Hauptgeschäftsführer verschweigt nicht, dass jeder sechste Betrieb angab, unzufrieden zu sein. „Die Umsätze sind hier in den vergangenen sechs Monaten zurückgegangen.“

Die Aussichten: Während im Herbst 26 Prozent der Unternehmen von einer günstigen Geschäftserwartung ausgingen, sind es dieses Mal sogar 29 Prozent. 58 Prozent gehen von keinen großen Veränderungen aus.

Der positive Wert überrascht auch den IHK-Hauptgeschäftsführer ein wenig: „Man hätte durch den Brexit und den Regierungswechsel in den USA durchaus von einem gedämpften Optimismus seitens der Unternehmen ausgehen können. Dem ist aber offenbar nicht so“, sagt Bayer. Allerdings müsse man festhalten, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU und der Amtsantritt Trumps noch nicht erfolgt sei. „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der kommenden Befragung“, sagt Bayer.

Die Probleme und Herausforderungen: Der größte von den Unternehmen angegebene Risikofaktor? Natürlich der Fachkräftemangel. 49 Prozent der Betriebe bezeichnen ihn auch für das neue Jahr als Risiko, im Herbst waren es „nur“ 46 Prozent. Da stellt sich die Frage nach dem Licht in diesem schier unendlich wirkenden Tunnel.

Bayer weiß: Der negative Trend wird vorerst kaum zu stoppen sein. Als chancenlos sieht der IHK-Hauptgeschäftsführer die Bemühungen zur Bewältigung des Fachkräftemangels allerdings nicht: „Mut macht die Tatsache, dass wir mit 4000 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in der Region im Jahr 2016 deutlich besser dastehen als das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt. Und wir haben mit den Hochschulen eine große Möglichkeit, den Mangel an Fachkräften etwas zu kompensieren.“

Auch die Integration von Flüchtlingen sieht Bayer als Chance. 60 geflüchtete junge Menschen haben im vergangenen Jahr eine Ausbildung begonnen. Bayer meint: „Diese Zahl wird steigen.“

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