Konjunkturumfrage der IHK Aachen: Gute Geschäfte und viel Optimismus

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
12172415.jpg
Die Konjunktur in der Region.

Aachen. Dass die Zahlen und Daten derart gut sind, hat Michael F. Bayer fast sogar überrascht: „Die Wirtschaft in der Region legt sich mächtig ins Zeug“, fasste der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen am Dienstag die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage unter den Unternehmen im Kammerbezirk – 285 mit insgesamt fast 28.000 Beschäftigten hatten sich beteiligt – zusammen.

„Die Geschäftslage ist inzwischen seit drei Jahren durchgängig auf annähernd gleich hohem Niveau“, sagte Bayer. „Eine überwiegend schlechte Geschäftslage hatten die Unternehmen zuletzt zum Jahresbeginn 2009 gemeldet.“ Die überaus positive Tendenz soll sich sogar noch fortsetzen: Die Einschätzung der Aussichten hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich verbessert. Mit einer Abschwächung der Konjunktur ist gegenwärtig also nicht zu rechnen – zumindest im Kammerbezirk Aachen.

Die Situation: Vier von zehn Unternehmen bewerten die gegenwärtige Situation positiv, nur ein Zehntel ist unzufrieden. Zu Jahresanfang hatten 44 Prozent eine gute Geschäftslage vermeldet. Das führt zu einer hohen Investitionsbereitschaft, die natürlich auch von den günstigen Zinsen befeuert wird. Ein Drittel aller Betriebe will mehr investieren, nur jedes achte will seine Ausgaben senken. Das ist der beste Wert seit Frühjahr 2011.

Den Unternehmen gehe es darum, gut für die Zukunft aufgestellt zu sein – Stichwort Digitalisierung und Industrie 4.0. Für Bayer ist das ein klarer Indikator für die gute Verfassung der Wirtschaft, denn: „Man investiert ja nicht nur, weil man das Geld dafür hat oder günstig bekommt, sondern weil man auch gute Geschäfte erwartet.“ Und noch ein Beweis: Das traditionell starke Exportgeschäft in der Region ist bei einem Drittel der Unternehmen weiter gestiegen, wenn auch generell nicht mehr so stark wie zu Jahresbeginn. Und das trotz aller weltpolitischen Diskussionen und Krisenherde.

Die Branchen: Zum Jahresanfang waren es die Dienstleister, die für auffallend positive Nachrichten sorgten. Dieses Rekord-Niveau konnte im Frühjahr zwar nicht gehalten werden, doch die Stimmung in der Branche ist immer noch ausgezeichnet. 44 Prozent aller Dienstleister melden derzeit gute Geschäfte (Jahresangang: 57 Prozent), nur jeder elfte Betrieb ist unzufrieden. Vier von zehn geben an, dass ihre Umsätze im letzten Halbjahr gestiegen sind. Dafür hat sich die Lage im Bausektor weiter verbessert.

Vor allem der Wohnungsbau profitiert von den günstigen Zinsen. Ein Drittel aller Betriebe berichtet von guten Geschäften, jeder zehnte Befragte ist unzufrieden. Weiter aufwärts geht es beim Handel, früher mal ein „Sorgenkind“. Drei von zehn Betrieben sind mit ihrer aktuellen Lage zufrieden (Jahresanfang: 28 Prozent); im Großhandel sind es sogar vier.

Unverändert die Situation im Einzelhandel: Ein Viertel beurteilt die Situation als gut. Auch die Lage in der Industrie stagniert auf gutem Niveau: Vier von zehn Unternehmen melden gute Geschäfte. Die Auslastung der Produktionskapazitäten liegt mit 80,3 Prozent auf dem Niveau des längjährigen Durchschnitts.

Die Aussichten: Je höher das Niveau, umso größer die Schwierigkeit, sich noch weiter zu verbessern. Und dennoch: 31 Prozent der befragten Unternehmen haben eine gute Geschäftserwartung, 18 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften. Zum Jahresanfang waren es noch 20 beziehungsweise 16 Prozent. Die Risiken werden ähnlich wahrgenommen wie zu Jahresbeginn.

In der Inlandsnachfrage und in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sieht rund die Hälfte der Befragten ein Gefährdungspotenzial. Vier von zehn Betriebe befürchten negative Auswirkungen durch steigende Arbeitskosten und den Fachkräftemangel. Energie- und Rohstoffpreise spielen keine so große Rolle mehr: Nur noch rund ein Viertel aller Befragten sieht darin ein Risiko für das Geschäft – in der Industrie ist es jedoch fast jeder zweite Befragte. Stichwort Fachkräfte: Rund ein Viertel der Unternehmen erwartet, dass sich der Bedarf erhöhen werde. Umso dringender müsse sich die Region im Wettstreit um die besten Köpfe positionieren, forderte Bayer.

Insgesamt also in fast allen Sparten und bei fast allen Kennzahlen: gute Substanz, gute Geschäfte, viel Optimismus und Investitionsbereitschaft. Damit stehe die Region Aachen im Vergleich zu ganz Nordrhein-Westfalen sehr gut da, wie Bayer betonte. „Hier gibt es zum Teil sehr deutlich gegenläufige Zahlen.“ Nur ein Beispiel: der Auslandsumsatz. In NRW ist ein Rückgang zu verzeichnen, die Aachener Region meldet hingegen einen Zuwachs von 4,5 Prozent. Der IHK-Hauptgeschäftsführer sieht das bevölkerungsreichste Bundesland insgesamt auf einem „eher problematischen Weg“. Er hat „große Baustellen“ ausgemacht. Seine Forderung: In Düsseldorf müsse gegengesteuert werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert