Aachen - Konjunkturparty ist für das Handwerk noch nicht vorbei

Konjunkturparty ist für das Handwerk noch nicht vorbei

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
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handwerkskammer aachen vollversammlung vl.l.: dieter philipp, prof. michael hüther, ralf w. barkey mja hand1 18.052011

Aachen. Das Handwerk in der Aachener Region befindet sich weiter „im Höhenflug”. Dies betonte Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Aachen, bei der Vorstellung der geschäftlichen Lage in den knapp 16.200 Mitgliedsbetrieben mit ihren mehr als 110.000 Beschäftigten. „Die Konjunkturparty geht weiter”, fügte er an.

Nach Angaben von Barkey und seiner Stellvertreterin Nicole Tomys zeigt die Frühjahrsumfrage der Kammer, dass die Unternehmen in den vergangenen sechs Monaten gute Geschäfte gemacht hätten. 87 Prozent hätten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend bezeichnet. Damit sei das Winterhalbjahr besser als erwartet verlaufen, denn im Herbst 2011 hätten lediglich 78 Prozent eine positive Entwicklung erwartet. Damit bilanziere die HWK bereits das vierte Halbjahr in Folge, „in dem der Stimmungsindikator bei Ausnahmewerten über 85 Prozent” liege. Damit zeichne sich eine „Konsolidierung auf hohem Niveau fast in der gesamten Breite” ab.

Diese Entwicklung sei auf die „gute Verbraucherstimmung und das positive Geschäftsklima” zurückzuführen. Überdies erleichtere die günstige Zinslage bei Krediten die Situation. Dies habe als Motor insbesondere beim Bau- und Ausbaugewerbe gedient. Angesichts deutlich gesunkener Anlagemöglichkeiten sei „mehr in Beton investiert” worden. Als dämpfende Faktoren mit Blick auch auf die nähere Zukunft verwies die Kammer auf die „rasant gestiegenen Energiepreise” - wobei die Firmen zunehmend in Maßnahmen zum Senken ihrer Verbräuche investierten -, aber auch auf die politischen Unwägbarkeiten mit Blick auf die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise und die Unruhen im Nahen Osten.

Als „absolute Gewinner” nannte Barkey die Handwerker für den gewerblichen Bedarf, darunter Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Elektromaschinen- und Kälteanlagenbauer. 44 Prozent von ihnen hätten die Geschäftslage als gut, 46 Prozent als befriedigend bezeichnet. Ebenfalls 90 Prozent der Kfz-Betriebe sprächen von einem zufriedenen Verlauf des Winterhalbjahres. Als nicht so günstig bilanzierte er die Entwicklung bei den Gesundheitshandwerkern und den persönlichen Dienstleistern. Hier hätten 21 beziehungsweise 18 Prozent von einer schlechteren Geschäftslage berichtet. 72 Prozent der Betriebe hätten zuletzt mehr oder zumindest gleich viele Aufträge in ihren Büchern stehen. Gegenüber dem Frühjahr 2011 sei dieser Wert um fünf Punkte gesunken, ein Zeichen für die eingetretene Konsolidierung nach einem „rasanten Aufholprozess”, so Barkey. Fast jeder fünfte Betrieb habe höhere Umsätze gemacht, jeder zweite habe die Zahlen halten können. Mit 46 Prozent hätten die Nahrungsmittelgewerke eine sehr hohe Steigerungsquote erzielt: Die Menschen hätten sich somit häufiger „etwas gönnen” wollen. Das positive Geschäftsklima habe ermöglicht, dass 90 Prozent der Betriebe ihre Verkaufspreise halten oder gar anheben konnten. Bei den Investitionen sei inzwischen ein Sättigungsgrad zu erkennen.

Relativ stabil sei die Beschäftigungslage. Barkey beklagte dabei, dass etliche Handwerker ihre Lehrstellen nicht mehr besetzen könnten. Zunehmend erweise sich der Fachkräftemangel „als wachstumshemmend”, wobei sich für viele Kunden die Warteliste bis zur Auftragserfüllung spürbar verlängert habe. Diese Situation werde sich künftig „deutlich zuspitzen”. Dazu verwies Barkey auf Aktivitäten auf Bundesebene, vor allem junge Leute aus Spanien für eine Ausbildung hierzulande zu gewinnen. Verstärkt engagiere sich die Kammer zudem an Schulen, wobei auch an Gymnasien auf eine stärkere Berufsorientierung gesetzt werde.

Nachfolge von Hauptgeschäftsführer Barkey

Die Vollversammlung der Handwerkskammer Aachen wird am 3. Mai den Nachfolger von Hauptgeschäftsführer Ralf W. Barkey wählen. Das bestätigte HWK-Präsident Dieter Philipp am Dienstag auf Nachfrage. Der Vorstand habe sich einstimmig auf eine Person verständigt. Einen Namen wollte Philipp nicht nennen. Zunächst müssten die zuständigen Gremien informiert werden.

Dem Vernehmen nach soll der Kandidat/die Kandidatin aus der Region stammen, aber nicht in der Handwerksorganisation arbeiten. Philipp sagte lediglich, „regionale Verwurzelung sowie fachliche und personelle Eignung” kämen bei dem Personalvorschlag des Vorstands zusammen.

Barkey wechselt wie berichtet zum 1. Oktober nach zehn Jahren als Hauptgeschäftsführer der HWK an die Spitze des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands Münster.
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