Kleine Höfe können kaum mehr Überleben

Von: Thorsten Karbach und Hermann-Josef Delonge
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Milchkühe
Sowohl in Aachen, als auch in den Kreisen Düren und Heinsberg ist die Zahl der Höfe rückläufig. Foto: Holger Hollemann/dpa
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Aachen. Es war immer schon ein hartes Brot, Getreide anzubauen, Kühe zu halten, Schweine zu züchten oder Gemüse anzubauen. Doch die Landwirtschaft in Deutschland steht mal wieder am Scheideweg. Der Wegfall der Milchquote ist dafür nur ein Beispiel.

Zunehmend gilt: Größe fördert die Rentabilität eines landwirtschaftlichen Betriebes, die Kleinen bekommen es immer schwerer. Das ist mehr als ein Gefühl, das belegen Zahlen: 1979 gab es in Nordrhein-Westfalen noch 37.208 sogenannte Kleinbetriebe mit weniger als fünf Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. 2010 waren es nur noch 2700.

Ökonomische Gründe

Auf der anderen Seite ist während des gleichen Zeitraums die Zahl der Großbetriebe mit mehr als 100 Hektar Nutzfläche von 529 auf 2775 gestiegen. Auch die Zahl der Höfe mit fünf bis 50 Hektar ist deutlich rückläufig. Insgesamt heißt dies: 1979 gab es in Nordrhein-Westfalen noch 107.800 Höfe. Im März 2010, bei der letzten großen Erhebung, waren es nur noch 35.570.

Und es ist mehr als ein Verdacht, dass eine Vielzahl der Betriebe aus ökonomischen Gründen geschlossen wurde. das bestätigt die Landwirtschaftskammer. Das geht aus den „Zahlen zur Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen 2012“, dem letzten umfangreichen statistischen Kompendium hervor, das für NRW veröffentlicht wurde. Eine Bestandsaufnahme:

Mehr Große, weniger Kleine: Die Zahl der Betriebe mit weniger als fünf Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche ist von 1979 bis 2010 von 37.208 auf 2700 zurückgegangen. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Großbetriebe mit mehr als 100 Hektar Nutzfläche von 529 auf 2775 gestiegen.

In Fläche bedeutet dies Folgendes: Die Kleinstbetriebe verfügten 1979 insgesamt über eine Fläche von 82.852 Hektar. 2010 waren es nur noch 5436 Hektar. Die Großbetriebe wiederum besaßen 1979 insgesamt 78.799 Hektar in NRW, 2010 waren es dann schon 421.354 Hektar. Die durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche pro Betrieb stieg in dieser Zeit von 15,6 auf 40,9 Hektar. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche insgesamt ist in NRW dabei kleiner geworden – von 1.670.282 auf 1.463.087 Hektar.

Acker, Kühe, Schweine: 29.406 Betriebe in NRW bewirtschaften Ackerland von 1.052.326 Hektar Gesamtfläche. Durchschnittlich sind das 35,8 Hektar pro Betrieb. Davon werden 644.863 Hektar von 24.835 Betrieben für Getreide genutzt (durchschnittlich 26,3 Hektar pro Betrieb), wobei Weizen (286 770 Hektar) und Wintergerste (161.773 Hektar) die größten Posten bilden. Hackfrüchte bauen 7110 Betriebe auf 86 881 Hektar (durchschnittlich 12,2 Hektar pro Betrieb) an, davon 4723 Betriebe auf 53.743 Hektar Zuckerrüben und 3426 Betriebe auf 31.074 Hektar Kartoffeln.

Die Jülicher Börde zählt insbesondere mit dem Zuckerrübenanbau zu den weltweit ertragsreichsten Ackerbauregionen. Einen ebenso großen Stellenwert wie der Ackerbau hat in der NRW-Landwirtschaft die Viehhaltung. 27 700 der 35.750 Betriebe hielten zum Stichtag 1. März 2010 1,38 Millionen Rinder (392.500 Milchkühe), 6,67 Millionen Schweine, 3,42 Millionen Legehennen, 4,84 Millionen Masthähnchen, 1,56 Millionen Puten, 78.550 Pferde, 136.800 Schafe und 8790 Ziegen. Auffällig: In der Rinderhaltung besitzen 30 Prozent der Halter mehr als 100 Tiere. Im Schnitt sind es 48 Kühe pro Betrieb, vor 20 Jahren waren es laut Landwirtschaftskammer lediglich 31.

Die größten Milchviehherden mit 82 Kühen pro Betrieb leben im Kreis Kleve. Ebenfalls auffällig: 91 Prozent aller Schweine in NRW werden in Westfalen-Lippe gehalten, also in den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf. 40 Prozent aller Hühner werden im Münsterland gehalten.

Ökolandbau wächst: Rund 1300 Betriebe (23 in Stadt und Städteregion Aachen, elf im Kreis Düren und acht im Kreis Heinsberg) gaben an, dass sie ihren Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt haben. Die Tendenz sei steigend. 2010 wurden 54.400 Hektar (durchschnittlich 42 pro Betrieb), also 3,6 Prozent der Gesamtfläche, als Ökolandbau betrieben.

Blick in die Region: Laut den Kennzahlen der Landwirtschaftskammer zählte die Region 2010 2075 landwirtschaftliche Betriebe: 508 in Stadt und Städteregion Aachen (Durchschnittsgröße 46,9 Hektar), 765 im Kreis Düren (65,5 Hektar) und 802 im Kreis Heinsberg (46,5 Hektar). Wobei nur die Bauern der Stadt Köln durchschnittlich eine größere Fläche (89,5 Hektar) bewirtschaften als die im Kreis Düren. Kleinbetriebe unter fünf Hektar gibt in der Region noch 114, Großbetriebe über 100 Hektar bereits 262.

Sowohl in Aachen, als auch in den Kreisen Düren und Heinsberg ist die Zahl der Höfe rückläufig – allein von 2007 bis 2010 mussten jeweils etwa 50 Betriebe (größer als fünf Hektar) aufgegeben werden. 392 Betriebe in Stadt und Städteregion Aachen, 357 aus dem Kreis Düren und 477 aus dem Kreis Heinsberg halten Vieh, davon 304, 239 beziehungsweise 348 Rinder.

Arbeitsplatz Bauernhof: In der Landwirtschaft wurden für NRW 2010 123.700 Arbeitskräfte (9649 in der Region Aachen, 3645 davon Familienmitglieder des jeweiligen Hofes) ermittelt, 66.820 waren Familienmitglieder der Landwirte, die einen eigenen Hof führen. Der Frauenanteil lag insgesamt bei 38 Prozent. Ein zunehmendes Problem ist die Nachfolge in den Familienbetrieben: Seiteneinsteiger sind in der Landwirtschaft weit seltener als vierblättriger Klee im Vorgarten. Nur in 33 Prozent der 23.100 Familienbetriebe in NRW ist die Nachfolge geklärt.

Weiterer Rückgang erwartet: Die Prognosen der Landwirtschaftskammer sind eindeutig. Sie gehen davon aus, dass sich der Trend zu weniger, dafür aber größeren Betrieben fortsetzen wird. Die sogenannte Abnahmerate soll bei drei Prozent liegen, bis 2020 soll die Zahl der Betriebe bei 29.100 liegen. Die größten Probleme werden für Betriebe in der Größenordnung fünf bis 20 Hektar erwartet, deren Zahl von 12.042 auf etwa 7750 abnehmen werde. Auf der anderen Seite soll die Zahl der Großbetriebe von 2775 auf mehr als 4300 steigen.

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