Aachen - „Kick-Backs”: Eine Gebühr, eine Unterschrift, ein verärgerter Kunde

Radarfallen Bltzen Freisteller

„Kick-Backs”: Eine Gebühr, eine Unterschrift, ein verärgerter Kunde

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Natürlich war Alfred Neuwald überrascht, als ihn seine Bank zu einem Termin einlud, bei dem über seine Risikobereitschaft bei Anlagegeschäften gesprochen werden sollte, vor allem weil er ja seit zehn Jahren keine Anlagegeschäfte mehr getätigt hatte.

Misstrauisch hatte ihn das aber nicht gemacht, Neuwald vertraute seinem Institut, der Commerzbank. Sonst wäre der Aachener nicht über zwei Jahrzehnte lang Kunde des Hauses gewesen, hätte nicht mehrere Konten und Fonds dort gehabt.

Wenn Neuwald heute über die Commerzbank spricht, dann nur in der Vergangenheitsform. Er ist zu einem anderen Institut gewechselt, und der Termin, bei dem es angeblich um seine Risikobereitschaft gehen sollte, war der Auslöser dafür. Über das Gespräch sagt Neuwald: „Ich hatte ganz klar das Gefühl, dass man mich über den Tisch ziehen will.”

Es seien sieben Seiten gewesen, die die Commerzbank-Beraterin auf den Tisch gelegt habe, sagt Neuwald, mit der Überschrift „Aktualisierung des Depotvertrages”. Er habe seine Unterschrift darunter setzen sollen. Dazu sei es nicht gekommen. Er habe der Beraterin gesagt, dass er nicht verstehe, was auf der letzten der sieben Seiten stehe. Sie habe ihm erklärt, dass er sich durch seine Unterschrift dazu bereit erklären würde, dass die Bank für die Verwaltung seines Fonds jährlich ein Prozent von dessen Vermögen einbehält.

Neuwald war überrascht, er hörte zum ersten Mal von dieser Gebühr. Dabei hatte er sie seit Jahren bezahlt. Machte einer seiner Fonds 3,7 Prozent Gewinn, bekam er davon 2,7. Der Rest ging an die Bank.

Das sei auch völlig in Ordnung, schreibt Commerzbank-Sprecher Tobias Strenger in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung. Auch der Bundesgerichtshof habe in einem Urteil die Zulässigkeit „solcher Vergütungen” nicht infrage gestellt. Zudem hätte Neuwald längst über die Gebühr Bescheid gewusst. „Wir haben unsere Kunden (...) schriftlich über laufende Vertriebsprovisionen informiert”, schreibt Strenger. Der BGH habe „keinen Anspruch auf Rückerstattung (der Vergütungen, Anm. d. Red.) ausgesprochen”, sondern „lediglich Anforderungen im Hinblick auf die Offenlegung dieser Vergütungsbestandteile” gestellt habe.

Neuwald ist sich mittlerweile ziemlich sicher, dass die Bank ihn nur zu dem Termin eingeladen habe, um die Anforderungen des Bundesgerichtshofs zu erfüllen - und weiter ein Prozent seines Fonds-Vermögens für sich zu verbuchen. Wie man diese Gebühr auch nennen kann, erfuhr er, nachdem er die Commerzbank verlassen hatte, ohne seine Unterschrift dort zu lassen. Neuwald recherchierte im Internet und stieß auf Begriffe wie Provisionsrückvergütungen und „Kick-Backs”, die beide die Zuwendungen beschreiben, die über die normalen Depot-Gebühren hinausgehen. Sein Anwalt sagte ihm, dass sich die Bank ungerechtfertigt bereichere, wenn sie dieses Geld einbehalte. Bei der Verbraucherzentrale sagte man, dass ein Urteil des Landgerichts Frankfurt den Anwalt bestätige.

Neuwald hat sich bemüht, von der Bank das Geld zurückzubekommen, das diese über Jahre als Provisionsvergütungen kassierte. Bislang ohne Erfolg. „In Aachen sagt man, Frankfurt sei zuständig, und in Frankfurt sagt man, Aachen sei zuständig”, sagt er. Commerzbank-Sprecher Strenger schreibt: „Wir werden (...) Kontakt mit dem Kunden aufnehmen und ihm ein freiwilliges Kulanzangebot unterbreiten, um nachhaltigen Schaden von der Kundenbeziehung abzuwenden.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert