Kapital-Chaos bei der Schumag: Holding meldet Insolvenz an

Von: Stephan Mohne
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Schumag Symbolbild
Das Gelände der Schumag AG in Aachen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Kapital-Chaos um die Aachener Schumag AG erreicht wieder einmal neue Höhepunkte. So wurde vor wenigen Tagen vom Amtsgericht Essen ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die bisherige Muttergesellschaft des Präzisionsteileherstellers, die Schumag Holding, eröffnet.

Hinter dieser steht die Familie von Andreas Kazinakis und seinem Sohn Konstaninos Kazinakis, die Schumag AG 2007 für 41 Millionen Euro aus der Babcock-Insolvenzmasse herausgekauft hatte.

Nur: Ob Kazinakis überhaupt noch Eigner des Traditionsunternehmens mit aktuell rund 600 Mitarbeitern - die lukrativere Maschinenbausparte mit mehr als 400 Mitarbeitern war jüngst verkauft worden - ist, selbst das beschäftigt mittlerweile die Gerichte.

Nur eine gute Botschaft gibt es dieser Tage: Das nun laufende vorläufige Insolvenzverfahren hat auf das operative Geschäft der Schumag AG keine Auswirkungen.

Das betonte am Donnerstag Rechtsanwalt Steffen Reusch aus dem Büro des vorläufigen Insolvenzverwalters Bernd Depping.

Ansonsten kann Reusch noch nicht viel zu dem Fall sagen. Schließlich gehe es um eine hochkomplexe Materie, in die man sich erst einmal intensiv einarbeiten müssen, so Reusch.

Wie Recht er hat. Denn seit nunmehr anderthalb Jahren geht es auf der Kapitalseite drunter und drüber. Jüngster Höhepunkt: Im Januar sollten die Schumag-Aktien zwangsversteigert werden, weil Kazinakis Zahlungsverpflichtungen gegenüber einem Hedgefonds nicht nachkam.

An diesen waren die Anteile zwecks Finanzierung des Schumag-Kaufs verpfändet worden.

Kurz vor der Versteigerung hieß es plötzlich, Kazinakis sei gar nicht mehr Eigner. Das sei nunmehr ein gewisser Peter Koschel, der die Aktien im Auftrag eines bislang unbekannten Hintermannes erworben habe.

Koschel wiederum war kurz zuvor noch ein Weggefährte von Kazinakis gewesen und hatte um Schumag-Aufsichtsrat gesessen.

Gegen diese Behauptungen wiederum erwirkte Konstantinos Kazinakis eine einstweilige Verfügung, wonach Koschel nicht mehr behaupten durfte, Eigentümer zu sein.

Doch diese Verfügung wurde von Richtern in Düsseldorf nach eingängiger Prüfung wieder aufgehoben.

Insofern gab es dann auch eine Ad-hoc-Mitteilung auf der Schumag-Homepage, Koschel sei nun der Eigner. Doch diese verschwand - möglicherweise auf Einspruch von Kazinakis - kurz darauf wieder.

Wirtschaftsfachleute gehen allerdings davon aus, dass Schumag nach jetzigem Stand den Besitzer gewechselt hat. Vermutlich wird das erst von höchster Gerichtsinstanz entschieden werden.


Im Unternehmen selbst seien die neuen Nachrichten relativ ruhig aufgenommen worden, sagt Franz-Peter Beckers von der IG Metall in Aachen.

Zu oft schon sei es über Monate hin und her gegangen. Der - möglicherweise - neue Besitzer Peter Koschel habe sich allerdings auch noch nicht gemeldet.

Für den Fall eines Eignerwechsels hatten Gewerkschaft und Betriebsrat angekündigt, dass dann die jüngst ausgehandelten Sanierungstarifverträge für die Schumag AG zunächst wieder hinfällig seien.


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