Kampf um die letzten freien Lehrstellen

Von: Ulrich Kölsch
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Ungleiche Entwicklung: Im gewerblich-technischen Bereich fällt der Stellenschwund stärker aus als im kaufmännischen. Foto: Stock/Görlich

Aachen/Berlin. Trotz Wirtschaftskrise gibt es nach Angaben von Handel und Handwerk keinen großen Mangel an Lehrstellen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Handwerksverband (ZDH) riefen am Mittwoch die Jugendlichen auf, sich auf die zahlreichen noch offenen Lehrstellen zu bewerben.

„Last-Minute-Bewerbungen lohnen sich”, sagte ZDH-Präsident Otto Kentzler. Er erwartet, dass das Handwerk in diesem Sommer fast so viele Ausbildungsplätze wie im vergangenen Jahr anbieten wird. „Wir sind optimistisch, das Vorjahresergebnis annähernd erreichen zu können”, sagte er. Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, rief die Jugendlichen auf, sich auf die zehntausenden noch unbesetzten Lehrstellen zu bewerben.

Mit „ein bisschen Flexibilität” seien die Chancen auf einen Ausbildungsplatz in vielen Regionen „wirklich gut”. Das gelte auch für Altbewerber. Die Zahl der Ausbildungsverträge ging im Vergleich zum Stichtag Ende Juli des vergangenen Jahres laut ZDH insgesamt um 7,3 Prozent zurück. Beim Handwerk waren es laut Kentzler 5,1 Prozent minus, beim DIHK nach eigenen Angaben 8,0 Prozent weniger. Der Abwärtstrend sei gestoppt, erklärte der DIHK dazu: Noch im Juni hatte der Rückgang bei den Ausbildungsverträgen in Industrie Handel 9,3 Prozent betragen.

Die Bundeszahlen decken sich in etwa mit den regionalen Werten, wobei von allen Seiten darauf hingewiesen wird, dass sich das Gesamtergebnis für das Ausbildungsjahr noch durch die Nachbewerbungen verändern kann.

Zum Stichtag 30. Juli wurden im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Aachen 3172 Ausbildungsverträge (2007: 3514) abgeschlossen. Das sind 9,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Im NRW Durchschnitt sind die Angaben ähnlich: Insgesamt gibt es derzeit 9,9 Prozent weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr. Die Ausbildungsberufe im gewerblichen Bereich sind nach Angaben der IHK dabei vom Stellenschwund stärker betroffen als die kaufmännischen Berufe. Allein im Juli sind 785 neue Ausbildungsverträge hinzugekommen.

Die Lehrstellenbörse der IHK Aachen verzeichnet aktuell über 300 offene Stellen. IHK-Geschäftsführer Heinz Gehlen gibt sich zuversichtlich, dass in diesem Jahr allen ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Jugendlichen ein Ausbildungsplatz angeboten werden kann. „Die sogenannte Bugwelle ist abgebaut”, erklärt Gehlen mit Blick auf die Altbewerber aus den Vorjahren. Das bedeutet umgekehrt für die Schulabgänger heute: „Wer flexibel und mobil ist, hat weiterhin eine Chance - trotz der Wirtschaftskrise.

Mit einer Sonderaktion geht die IHK Aachen einen Schritt weiter: Sie berät und vermittelt derzeit 55 Hauptschüler, die einem Aufruf der IHK gefolgt sind und freiwillig an einer Stärke-Schwäche-Analyse teilgenommen haben.

Gehlen: „Die Kammer lädt im September alle Jugendlichen aus der Region ein, die noch für 2009 einen Ausbildungsplatz suchen, damit sie sich vor Ort in den einzelnen Kreisen über ihre berufliche Zukunft beraten lassen”.

Außerdem werden nach den Ferien Êalle Ausbildungsbetriebe angeschreiben, um noch unbesetzte Ausbildungsstellen zu erfassen.

Bei den beiden Agenturen für Arbeit in Aachen und Düren sind im Augenblick 1285 Jugendliche registriert, die eine Ausbildungsstelle suchen. Ihnen stehen in beiden Bezirken 1100 unbesetzte Lehrstellen gegenüber.

In der bei der Handwerkskammer Aachen geführten Ausbildungs-Statistik waren zum Stichtag 28. Juli 1608 neue Lehrverträge registriert - gleich viele wie vor Jahresfrist.

Ebenso wie der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Otto Kentzler, geht auch der Hauptgeschäftsführer der Aachener Kammer, Ralf W. Barkey, davon aus, dass in diesem Jahr 2800 bis 2900 neue Lehrverträge abgeschlossen werden. Das würde dem Vorjahresergebnis entsprechen. In der Internet-Lehrstellenbörse der Kammer sind im Augenblick rund 200 Betriebe aufgeführt, die noch Ausbildungsplätze anbieten.
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