Aachen - Justizforum: Wie Unternehmer erfolgreich die Nachfolge managen

Justizforum: Wie Unternehmer erfolgreich die Nachfolge managen

Von: Carolin Cremer-Kruff
Letzte Aktualisierung:
11942561.jpg
Nachfolger gesucht: das Forum „Recht im Zentrum“, moderiert von Manfred Kutsch. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Den Staffelstab zum richtigen Zeitpunkt übergeben – was so einfach erscheinen mag, ist in Unternehmen oft das Resultat intensiver und langer Vorbereitung. In vielen Chefetagen wird sich in den kommenden Jahren zeigen, ob der Sprung in die nächste Generation gelingt.

Von 2014 bis 2018 stehen nach Berechnungen des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung rund 135 000 Familienunternehmen in Deutschland vor der Übergabe, 30.000 davon allein in NRW. Ein drängendes Thema der Gegenwart, das nicht nur Inhaber und Nachfolger betrifft, sondern auch rund zwei Millionen Beschäftigte.

Die große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Themas war Grund genug, diesem im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Recht im Zentrum“ einen eigenen Abend zu widmen. Die mittlerweile 22. Auflage wurde von der Steuerberaterkammer Köln, der Industrie- und Handelskammer Aachen und der Handwerkskammer Aachen in Kooperation mit dem Zeitungsverlag Aachen ausgerichtet. Manfred Kutsch führte durch die Veranstaltung im Justizzentrum Aachen und begrüßte drei Referenten, die verschiedene Aspekte des Themas beleuchteten.

Schon zu Beginn wurde klar: Eine gelungene Übernahme geschieht nicht von heute auf morgen, ihr geht eine intensive und strategische Planung voraus. Dies zeigte René Oebel von der IHK Aachen anhand eines komplexen Fragenkatalogs zur Unternehmensnachfolge: Warum soll ich meinen Betrieb übergeben? Wer kommt als Nachfolger infrage? Welche Arten der Übergabe gibt es? Wo finde ich Interessenten für meinen Betrieb? Wie kann die Übergabe finanziert werden?

So simpel die Fragen, umso langwieriger ist es oft, konkrete Antworten darauf zu finden – so die Erfahrung des Betriebswirts. Oebel verdeutlichte aber auch die Vorteile: „Dem Unternehmensnachfolger bieten sich im Gegensatz zum Existenzgründer viele Vorteile, wenn das zu übernehmende Unternehmen auf dem Markt etabliert ist: Die Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sind aufgebaut, das Produkt ist eingeführt, es gibt ein eingespieltes Mitarbeiter-Team und er kann auf die Erfahrung des Gründers aufbauen.“

Dass gute Vorbereitung auch in steuerlicher Hinsicht von Vorteile ist, betonte Dirk Prinz von der Steuerberaterkammer Köln. Er machte deutlich, mit welchen Steuerarten einzelne Unternehmensübergaben verbunden sind, mit welchen Methoden sich der Wert eines Unternehmens ermitteln lässt und welche Vergünstigungen, etwa durch eine Schenkung, sich erzielen lassen.

Seine Bilanz: „Die Szenarien, die auftreten können, sprich Einkommensteuer, Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer, sollte man mit einem Experten grob durchgerechnet haben, damit man die steuerlichen Größenordnungen kennt und die steuerlichen Risiken, die man eingehen muss und kann.“

Den Faktor „Zeit“ stellte Karl Fährmann, Leiter der Handwerksrolle bei der Handwerkskammer Aachen, in den Mittelpunkt. Anhand eines konkreten Beispiels – der Übernahme eines Autohauses mit Werkstatt – zeigte er mit Hilfe verschiedener Szenarien, dass allein behördliche Genehmigungen und Erlaubnisse oft viel Zeit in Anspruch nehmen. Neben der obligatorischen Eintragung in die Handwerksrolle kommen je nach Fall etwa der Nachweis entsprechender Arbeitszeugnisse, eine Ausnahmebewilligung, verlässliche Nachweise über im Ausland erworbene Berufsqualifikationen und branchenspezifische Genehmigungen hinzu.

Potenzielle Kandidaten sind rar

Einige Besucher waren mit ganz persönlichen Fragen zu der Veranstaltung gekommen. Von Interesse war nicht nur, wie bei einem Management-Buy-out zu verfahren sei, sondern auch, ob bei einer Übergabe eines Handwerksbetriebs bestimmte Baugenehmigungen eingeholt werden müssen. Zudem zeigte sich in der Diskussion, dass es nicht nur eine Herausforderung ist, einen geeigneten, sondern überhaupt einen Nachfolger zu finden.

Viele potenzielle Kandidaten werden aufgrund des Fachkräftemangels derzeit so gut bezahlt, dass sie ungern ihre gesicherte Existenz als Angestellter gegen eine Existenz als Selbstständiger mit unternehmerischem Risiko und der Einbringung von Eigenkapital tauschen möchten. Der gemeinsame Tipp der Experten lautete daher zum Schluss: Eine Beratung durch einen oder mehrere Experten ist Grundvoraussetzung für eine gelungene Übernahme.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert