Aachen - Junge Asylsuchende in den Arbeitsmarkt integrieren

Junge Asylsuchende in den Arbeitsmarkt integrieren

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Sind die vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, eine Chance für Wirtschaft und Gesellschaft oder werden sie zu einem Problem?

„Ganz klar eine Chance“, waren sich die Podiumsteilnehmer beim Aachener Dialog am Dienstagabend im Forum M einig. „Jedenfalls dann, wenn es gelingt, sie schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

Und da hapert es an der ein oder anderen Stelle offensichtlich noch gewaltig, gibt es trotz aller Lockerungen der jüngsten Zeit im Asylrecht noch viel zu viele Barrieren. Nicht zuletzt fehlt an allen Ecken und Enden Geld – für Sprachkurse, für Qualifizierungsmaßnahmen, für Ausbildungsprojekte und für soziale Integration.

Auf Einladung der Friedrich Ebert Stftung diskutierten Heinz Gehlen, Geschäftsführer Aus- und Wieterbildung der Industrie- und Handelskammer Aachen, Andrea Genten vom Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion, Ali Ismailovski vom Flüchtlingsrat NRW, Claudia Walther von der Bertelsmann Stilftung und Katrin Köster vom evangelischen Bildungswerk Dortmund unter Moderation von Karl Schultheis (MdL, SPD) mit 160 Gästen. Die waren offenbar überwiegend haupt- oder ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert und berichteten von Problemen aus ihrem Alltag beziehungsweise dem der überwiegend jungen Flüchtlinge – und von deren Bildungshunger.

Ohne ausreichende Deutschkenntnisse ist die Integration in Ausbildung oder Arbeit kaum zu schaffen. „Dabei reicht das berühmte ‚Sprachbad auf der Straße‘ nicht aus“, betont Genten. Alltagssprache habe mit Bildungssprache wenig gemein, und ohne strukturierte Sprachförderung, auch begleitend bei einer Berufsausbildung, „scheitern die jungen Leute gnadenlos“. Ausreichende Sprachförderung von Anfang an, unabhängig vom Aufenthaltsstatus, lautet folgerichtig eine Forderung aus der Praxis.

Eine weitere Forderung ist: die 18- bis 25-jährigen Flüchtlinge nicht aus den Hilfe- und Bildungssystemen ausschließen. Sobald sie volljährig werden, erhalten die jungen Leute nämlich nur noch für ein halbes Jahr 17 Stunden im Monat soziale Begleitung – viel zu wenig und viel zu kurz, wie die Praxus zeige, hieß es aus dem Publikum: „Unser System schafft es, diese Jugendlichen mit offenen Augen gegen die Wand zu fahren.“ Praktikumsplätze in Betrieben habe die IHK genug eingeworben, stellte Gehlen fest. Sie zu besetzen sei das Problem. „Wir können ja nicht durch die Turnhallen ziehen und das Profiling machen.“

Ein weiteres Problem benannte Claudia Walther: „Derzeit weiß niemand, welche Qualifikationen die Flüchtlinge tatsächlich mitbringen. Das wird bei der Registrierung nicht abgefragt.“ Das erschwere die Integration in Arbeit und Bildung. Ob da die neuen „Integrations Points“ in Arbeitsagenturen Abhilfe schaffen, bleibt abzuwarten.

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