Investmentfonds wollen noch Erfolgsgebühren

Von: Sandra Petrowitz
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Aachen. Die Verwirrung kam per Post. Viele Kunden der Dresdner Bank erhielten in den vergangenen Wochen ein Schreiben ihrer Bank. Darin heißt es: „Allianz Global Investors hat uns aktuell darüber informiert, dass sie für die umseitig aufgeführten Investmentfonds zum 01.08.2009 eine Performance-Fee in Höhe von 20 Prozent einführen wird.” Seitdem stehen die Telefone bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nicht mehr still.

„Wir haben sehr viele Anfragen von Bankkunden, die verunsichert sind, verärgert und überrascht”, berichtet Verbraucherschützerin Annabel Oelmann. „Sie wollen wissen, was es mit dieser Gebühr auf sich hat.” Das Anschreiben habe nicht zur Aufklärung beigetragen, sondern Verwirrung gestiftet.

Dabei muss man Allianz Global Investors zugute halten, dass sie ihre Kunden mit Hilfe der Banken überhaupt informiert - andere Fondsgesellschaften haben die erfolgsabhängige Vergütung bei ihren Produkten in den letzten Monaten klammheimlich eingeführt. Ein Blick in die Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management e.V. zeigt, dass Ende Juni eine ganze Reihe Fonds eine solche Gebühr auswiesen, darunter Produkte von DWS, Deka, comdirect und Union Investment.

Die „Performance-Fee” ist eine zusätzliche Gebühr bei aktiv gemanagten Fonds, die anfällt, wenn sich der Fonds besser entwickelt als der Vergleichsindex, etwa der Deutsche Aktienindex. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisiert dies als „Frechheit”. „Es sollte der Anspruch eines jeden Fondsmanagers sein, den Vergleichsindex zu schlagen”, sagt Sprecher Marco Cabras. „Sonst kann der Anleger gleich einen Indexfonds kaufen.”

Aktiv gemanagte Fonds stehen stark in der Kritik - der hohen Kosten wegen, die deutlich über den Gebühren bei Indexfonds liegen. „Aktiv gemanagte Fonds sind relativ teuer”, sagt Annabel Oelmann. „Das kann im Einzelfall berechtigt sein, aber Studien haben ergeben, dass die gemanagten Fonds in vielen Fällen nicht besser abschneiden als die zugrunde liegenden Indizes, oft sogar schlechter.”

Die Fondsgesellschaften haben mit Mittelabflüssen zu kämpfen. Viele Fonds haben außerdem deutlich an Wert verloren. Somit sind auch die prozentual berechneten Verwaltungsgebühren rückläufig - und der Verdacht drängt sich auf, dass die Gesellschaften neue Einnahmequellen suchen.

Dem widerspricht Stefanie Waldeck von Allianz Global Investors (AGI). „Erfolgsabhängige Gebühren gibt es bei uns schon seit 1994. Außerdem haben wir im Zuge einer Wettbewerbsanalyse die Performance-Fee zwar bei einigen Fonds eingeführt, sie bei anderen aber abgeschafft.” Bei einem AGI-Fonds mit Performance-Fee gilt seit 1. August: Hat sich der Fonds besser entwickelt als der Vergleichsindex, sind halbjährlich 20 Prozent des Mehrertrags als Erfolgsgebühr fällig; 80 Prozent bekommt der Kunde.

„Die Formulierung ,besser als der Index´ heißt noch lange nicht, dass der Fonds überhaupt im Plus liegt”, warnt Verbraucherschützerin Oelmann vor einem weit verbreiteten Irrtum. Verliert der Vergleichsindex 30 Prozent, der Fonds hingegen nur 20 Prozent, hat er besser abgeschnitten als der Vergleichsindex - die Gebühr würde fällig, auch wenn der Fonds insgesamt im Minus liegt.

Bei der DSW stößt die Performance-Fee auf massive Kritik. „Die Kunden müssen beim Fondskauf durch den Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsgebühr sowieso schon massive Kosten auf sich nehmen”, sagt Marco Cabras. Die DSW fordert deshalb, die Fondsgesellschaften sollten sich entscheiden: entweder Erfolgsgebühr oder Verwaltungsgebühr - aber nicht beides. Cabras: „Die Kosten dürfen insgesamt nicht steigen.” Außerdem sei die Performance-Fee viel zu hoch angesetzt: „Wenn man sich im Markt umschaut, liegt eine normale Provision für Verkäufer bei acht bis zehn Prozent”, so Cabras.
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