Aachen - In 60 Stunden zum eigenen Unternehmen

In 60 Stunden zum eigenen Unternehmen

Von: Stefan Herrmann
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Ideen sind bei „3 Day Start-U
Ideen sind bei „3 Day Start-Up” gefragt: Das weiß Maximilian Ulm nur zu gut. Foto: Stefan Herrmann

Aachen. Es ist der Typ Student, nach dem sich die Firmen die Finger lecken: Hoch qualifiziert, engagiert, innovativ, gut vernetzt. Alles Attribute, hinter denen Maximilian Ulm ein Häkchen machen kann. Ulm studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH Aachen.

Vielleicht aber haben Unternehmen überhaupt keine Chance, die Fachkraft Ulm nach ihrem Abschluss anzuwerben. Vielleicht ist dieser bis dahin nämlich längst Chef seiner eigenen Firma.

Mehr als ein Slogan

„Gründe dein Unternehmen in nur drei Tagen!” Ulm ist von diesem Slogan überzeugt. Kein Wunder, schließlich hat er mit fünf anderen Aachener Studenten vor knapp zwei Jahren das Event für kommende Unternehmensgründer über den Großen Teich nach Deutschland importiert: „3 Day Start-Up” heißt das Ganze auf internationalem Parkett. In nur drei Tagen soll aus einer groben Geschäftsidee ein handfester Business-Plan entstehen, der auch einem Investorencheck standhält. Unmöglich? Maximilian Ulm lächelt milde. Er weiß es besser. Schließlich hat die Premiere von 3DS - so wird die Veranstaltung abgekürzt genannt - im Sommer 2010 eine prominente Erfolgsgeschichte hervorgebracht. Denn innerhalb von gerade einmal 60 Stunden entstand damals das Gerüst, aus dem später die Internetplattform „tamyca” wurde.

Sechs Studenten - fünf aus Aachen, einer aus Hamburg - gründeten die Firma, die privates Car-Sharing möglich macht. Eine Marktlücke. Schon im Juli 2011 zählte die Plattform über 1000 Fahrzeuge in der Flotte. Die Idee hinter „tamyca” ist so simpel wie erfolgreich: Der Firmenname steht für „Take my car” (Nimm mein Auto). Anstatt von kommerziellen Anbietern teure Neuwagen zu mieten, hatte das Quintett die Idee, dass Privatpersonen sich ihre Autos untereinander leihen - für deutlich weniger Geld. „Tamyca” fungiert als Mittler und fährt richtig gut damit. Im Mai gewannen die Gründer den mit 5000 Euro dotierten 3. Platz beim Businessplan-Wettbewerb AC2, inklusive Feier im Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Dass die Geburtsstunde von „tamyca” in Aachen liegt, macht die Initiatoren des deutschen 3DS-Ablegers stolz. Die zweite Runde „3 Day Start-Up” steht nun in den Startlöchern. Vom 18. bis zum 20. November kommen 40 Studenten aus ganz Deutschland zusammen. Treffpunkt ist dieses Mal das „Co:Forward” im Technologie-Park Herzogenrath. Die Premiere fand noch im Super C statt. „Dort mussten wir abends leider immer schon um 24 Uhr raus und durften morgens erst um 8 Uhr rein”, erzählt Ulm. Doch wer in nicht einmal drei Tagen ein Unternehmen gründen will, der fährt den Schlaf auf ein Minimum herunter. „In den Räumen von ?Co:Forward sind wir nun erheblich flexibler”, freut sich Ulm auf die neue Unterkunft.

100 Bewerber meldeten sich für die zweite Auflage in Aachen. 40 gehen an den Start. Bedeutet das in Aachen, dass 40 Ingenieure um die beste Idee wetteifern? „Zum Glück nicht”, sagt Ulm und schmunzelt. „Wir haben Studenten aus den unterschiedlichsten Disziplinen dabei”, fügt er an. Da treffen angehende Ingenieure auf Informatiker, BWL-Studenten auf zukünftige Juristen - und zwar aus ganz Deutschland. Nur so gehe es: Wenn Menschen ihr Know-how bündeln, könne am Ende aus einer guten Idee auch ein tragfähiges Konzept entstehen. Davon ist Ulm überzeugt.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise geht auch an den Jung-Akademikergenerationen nicht spurlos vorüber. Qualifiziertes Personal muss immer häufiger bittere Pillen schlucken. „Die Einstiegsgehälter sind deutlich geringer als noch vor Jahren, unbefristete Arbeitsverträge eher die Ausnahme”, berichtet Ulm. Da rücke die Gründung des eigenen Unternehmens immer mehr ins Bewusstsein der Studenten. „Die Sicherheitsbedenken werden geringer, die Gründung wird zeitgleich immer attraktiver”, bringt es Ulm auf den Punkt. Gerade das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten, gerade für Start-Ups. „Hier kann man oft schon mit wenig Kapital ein Produkt auf die Beine stellen.” Man muss keine teuren Maschinen kaufen. Gehälter für Mitarbeiter entfällt. „Vieles kann man zu Beginn selber machen”, weiß Ulm. Alles, was zählt, ist die Idee und die Akzeptanz des Marktes.

Eines ist den Aachener Initiatoren wichtig: „3 Day Start-Up” sei keine Spaß-Veranstaltung, bei der man Essen und Trinken umsonst bekommt, ein paar nette Tage miteinander verbringt und das wars. „Jeder Teilnehmer bringt bereits eine spezielle Geschäftsidee mit”, erklärt Ulm. Anders sei das straffe Programm auch gar nicht zu stemmen. In Kleingruppen werden am ersten Abend die einzelnen Projekte vorgestellt. Die besten potenziellen Geschäftsideen werden am zweiten Tag ausgearbeitet. Hierfür stehen den Studenten auch knapp 20 Mentoren, darunter Rechtsexperten und erfahrene Unternehmensgründer, mit Rat und Tat zur Seite. Tag drei endet mit der Präsentation der Geschäftsmodelle vor potenziellen Investoren. „Im Idealfall tauscht man dort Visitenkarten aus und trifft sich eine Woche später zu weiteren Verhandlungen”, zeichnet Ulm den Weg vor.

Drei Unternehmen gingen 2010 nach „3 Day Start-Up” in Aachen an den Start. Überlebt hat eins: „tamyca”. Eine gute Quote, findet Ulm. Es sei der Beweis: „3DS funktioniert!”
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