Aachen - Im Krönungssaal des Rathauses ging es um Digitalisierung und E-Mobilität

Im Krönungssaal des Rathauses ging es um Digitalisierung und E-Mobilität

Von: Rolf Hohl
Letzte Aktualisierung:
16837100.jpg
Mittwoch im Krönungssaal des Aachener Rathauses: Gastredner Prof. Günther Schuh (M.) mit HWK-Hauptgeschäftsführer Peter Deckers (l.) und HWK-Präsident Dieter Philipp. Foto: Harald Krömer

Aachen. Über mangelnde Beschäftigung kann sich das Handwerk derzeit wahrlich nicht beklagen. Doch der akute Fachkräftemangel und die internationale politische Lage dämpfen die Euphorie spürbar, wie am Mittwoch bei der Vollversammlung der Handwerkskammer Aachen deutlich wurde.

Im Krönungssaal des Rathauses ging es dabei vor allem um Digitalisierung und E-Mobilität sowie die Frage, wie mehr Auszubildende gewonnen werden können.

„Die meisten von uns fahren zwar noch immer ein Auto mit Verbrennungsmotor, aber die alternativen Elektroantriebe oder Hybridsysteme werden immer praxisgerechter und preisgünstiger“, erklärte Handwerkskammerpräsident Dieter Philipp. Für die kommenden Generationen sei es jedoch auch bei den Betrieben notwendig, der zunehmenden Luftbelastung durch Abgase und Feinstaub entgegenzuwirken. Die Balance zwischen Finanzierbarkeit und Nachhaltigkeit sei dabei die Herausforderung, die es zu meistern gebe.

In der Städteregion sehe er aber gute Bedingungen, dass dies zu schaffen sei, zumal man hier geradezu „an der Quelle der E-Mobilität“ sitze, sagte Philipp. Damit meinte er natürlich Prof. Günther Schuh, der gerade seine Elektroautoproduktion im Aachener Osten aufbaut. Auch dieser bekräftigte die Notwendigkeit, den „Verkehrsinfarkt und die Abgasemissionen“ aktiv anzugehen, jedoch halte er Verbote für das falsche Mittel. „Die Revolution beginnt damit, dass man die aktuellen Mobilitätsangebote überholt und etwas attraktiveres schafft. Die Technik dazu haben wir ja bereits“, sagte er.

Wie ein umfassendes innerstädtisches Verkehrskonzept der Zukunft aussehen könnte, umriss Schuh in einem kurzen Vortrag. Demnach würden Autofahrer nur noch bis zum Stadtrand fahren und dort in Park-and-Ride-Türmen ihr Fahrzeug parken. Danach ginge es schließlich mit den autonom fahrenden E-Bussen „e.GO Moover“ ins Zentrum, die demnächst in Aachen getestet werden sollen. „Ich sehe uns da als Trendsetting-Region bei der E-Mobilität und der Digitalisierung und es wäre schön, wenn das Handwerk da mit dabei ist“, sagte er.

Typische Handwerksberufe

Tatsächlich habe die Bereitschaft, Elektrofahrzeuge in die Betriebsflotten aufzunehmen, in jüngster Zeit deutlich zugenommen, wie Kammerpräsident Philipp erklärte. Zum weiteren produktiven Wachstum fehlten aber zusehends die benötigten Fachkräfte, besonders bei kaufmännischen Berufen wie Bäckerei- oder Fleischfachverkäufern sei die Anzahl abgeschlossener Lehrverträge stark zurückgegangen. Insgesamt wurden 2017 jedoch nach mehrjährigem Rückgang erstmals wieder 0,9 Prozent mehr Ausbildungsverhältnisse eingegangen als im Vorjahr. Gerade die typischen Handwerksberufe hätten wieder deutlich an Wertschätzung und damit auch an Attraktivität gewonnen, sagte Philipp.

Damit dieser Trend aufrechterhalten werden kann, müsse nun auch die Gleichstellung von Ausbildung und Studium erfolgen, forderte er. „Wenn es für Studierende subventionierte Semestertickets und gebührenfreie Lehre gibt, dann dürfen wir ebenso ein Azubi-Ticket und eine weitgehende Kostenübernahme für die Meistervorbereitung erwarten.“ Die Gleichstellung von akademischer und beruflicher Bildung ist auch im aktuellen Koalitionsvertrag der nordrhein-westfälischen Landesregie- rung vorgesehen, konkrete Umsetzungspläne fehlen dazu aber noch.

 

Die Homepage wurde aktualisiert