IHK-Forum: Von der alten Röhre zum modernen Licht

Von: Bernd Mathieu
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Er setzt auf Innovation und betont den Bereich Forschung und Entwicklung: Karl Spekl, Standortleiter von Philips in Aachen, ist am 30. September zu Gast beim IHK- und AZ-Forum mit dem Titel „Innovationen in Sachen Licht“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist ein Gespräch über Zukunft. Über neue Produkte. Über Perspektive. Und an einigen Stellen sagt Karl Spekl: „Das ist ein Thema, das uns vorantreibt. Innovation ist wichtig und bestimmt unsere Zukunft. Ja, wir erleben das ständig: Wettbewerbsfähigkeit erhalten wir nur mit Innovation.“ Das ist eine klare Ansage eines Unternehmens, das früher Bildröhren herstellte und damit einer versinkenden Branche einen Schwerpunkt gewidmet hatte.

Hunderte Mitarbeiter mussten schmerzhaft erfahren, was das bedeutete: Sie verloren ihren Arbeitsplatz. Die schwarzen Wolken haben sich dank neuer Produkte verzogen. Und Karl Spekl kann da eine beachtliche Bilanz präsentieren, die man kurz so zusammenfassen kann: Jedes dritte Auto weltweit fährt mit Licht aus Aachen.

Zu den Kunden gehören neben den europäischen Automobilherstellern seit den 80er Jahren die Japaner (Spekl: „Treue Geschäftspartner“) und zunehmend der am stärksten wachsende Automobilmarkt China.

Aachen ist für den Philips-Standortleiter eine beeindruckende Kombination aus wissenschaftlicher, technischer, wirtschaftlicher und personeller Qualität. Die Hochschulen, die Fachkräfte, sie gehören zu dieser, so formuliert es Spekl, „über Jahrzehnte gewachsenen Kompetenz“. Und da hebt er die eigene Ausbildungswerkstatt mit über 50 Auszubildenden hervor.

Er weiß, wovon er spricht, ist er doch ein Philips-Eigengewächs. Studiert hat er Maschinenbau an der FH Aachen, danach kam er zu Philips, war zehn Jahre in der Organisationsentwicklung und Prozessoptimierung tätig, dann im Innovationsbereich und im Projektmanagement, war Produktions- und Projektleiter, betreute grenzüberschreitende Projekte, unter anderem zwei Jahre in den Niederlanden, schließlich folgte, sozusagen im dritten Abschnitt, das Management. Seine Fähigkeiten setzte er auch in China ein, wo er seit 2008 eine Zeit lang als Standortleiter die dortige Philips-Einheit aufbaute – „mit Vergnügen“, wie er gerne ergänzt. Und: „Rückblickend betrachtet war das eine sehr wichtige Erfahrung.“

Man darf sich also auf diesen Gesprächspartner beim nächsten Forum am 30. September freuen. Er kennt sein Metier, er schwärmt für Innovation, er hat eine sichere Balance in der Abwägung von Tradition, Solidität und einem Faible für neue Produkte, die Wettbewerbsvorteile und damit Arbeitsplätze sichern.

Die Basis für seine Arbeit in Aachen sind dabei „kurze Wege und schnelle Entscheidungen“. Das sei derzeit besonders wichtig, da der europäische Automarkt sehr schwach sei und Philips das über Asien und die USA ausgleichen müsse. Insgesamt wachse der Druck auf die Lieferanten enorm.

Die Produktion mit der Fertigung aus eigenem Maschinenbau, entwickelt also von eigenen Konstrukteuren und Ingenieuren, bildet dabei ebenso eine Basis wie der Bereich Forschung und Entwicklung, etwa seit 2010 im „Lumiled Development Center Aachen“, dem Zentrum für LED. 40 Entwickler arbeiten hier auf 400 Quadratmetern und sorgen dafür, dass Philips weltweit die innovative Nase vorne behält. „Ich bin immer wieder begeistert“, sagt da Spekl und meint damit die Hochwertigkeit solcher Arbeitsplätze mit vielen Bewerbern, die aus der Aachener Region stammen. „Das Automobilgeschäft ist sehr anspruchsvoll.“ Fachkräftemangel sei bei Philips noch kein Problem.

Hell beleuchtet wird das immer wieder in unserem Gespräch von dem Begriff „Innovation“. Spekl formuliert es so: „Innovation ist Wandel, Wandel hinterlässt seine Spuren.“ Oder anders ausgedrückt: „Wer hat heute noch ein Bildröhrengerät?“ Xenon, LED und Organic LED heißen heute die Begriffe erfolgreicher Forschung, Entwicklung und Produktion und damit auch weltweiten Vertriebs. Mit der neuen Oled gab es erste Varianten schon 2008, mittlerweile ist dieses neue Licht, das keine Punktquelle mehr hat, sondern auf der dünnen Fläche gleichmäßig leuchtet, schon im Preis gesunken. „Wir werden 2015/16 damit auf dem Markt für den normalen Endverbraucher sein“, schätzt Spekl.

Das neue Licht – wir werden es beim Forum präsentieren – wird ganz gewiss im Design-Bereich eine gravierende Rolle spielen, weil es völlig anders als „normales“ Licht in den Interieurs von Häusern, Hotels, Restaurants, Museen und Konzertsälen installiert und integriert werden kann.

Faszinierende Muster dafür kann man im Showroom von Philips erleben. So ist es keine Überraschung, dass Innenarchitekten und Designer mit großem Interesse aus zahlreichen Ländern nach Aachen kommen, um die Philips-Innovation, die das Licht verändert, zu bestaunen. Bei Philips heißt es jetzt: „Die modernste Lichtquelle der Welt ist jetzt eine Aachenerin.“ Und die ist 1,8 Millimeter dünn, hat keine Fassung und eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren und verwöhnt den modernen Zeitgenossen mit schattenfreiem Licht, mit dem man wunderbar gestalten kann: kleine rote Disney-Elefanten oder schöne Markenlogos. Zum Beispiel.

Es bleiben bei aller Begeisterung drei sehr bodenständige Zielrichtungen, die schlicht und einfach lauten: Qualität sichern und optimieren, Kapazität erhöhen, Kosten reduzieren. Und alleine ist Philips nicht unterwegs, die Konkurrenten heißen Osram und General Electric. Philips arbeitet intensiv mit der mittelständischen Wirtschaft zusammen und verfüge, so Karl Spekl, über ein „sehr enges, leistungsfähiges Netzwerk“, das von der Aachener Region bis nach Thüringen reiche.

Beim Gang durch die Produktion passieren wir die größte Halogenstrecke der Welt. „Das ist Hightech, das sichert uns den Wettbewerbsvorteil“, sagt Spekl. Auch ein Grund dafür, dass die Zahl der Mitarbeiter in den letzten drei Jahren um 250 gewachsen ist. Spekl: „Wir müssen Prozesse realisieren, die andere nicht schaffen, wir sind nun mal ein Hochlohnstandort.“ Das beklagt er nicht, das hält er für eine Herausforderung, beste Qualität zu liefern.

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