IHK-Forum: Schoellershammer liefert Rohstoffe für Papier

Von: Bernd Mathieu
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Eine hochtechnische Angelegenheit: die Schoellershammer-Geschäftsführer (von links) Armin Vetter, Bernd Scholbrock, Theo Hassert und Detlef Rhodius vor einer mächtigen Maschine zur Papierproduktion. Sie läuft rund um die Uhr. Foto: Harald Krömer

Düren. Man stelle sich das vor: eine fünf Meter breite Papierbahn, 1500 Kilometer lang. Täglich. Das ist der Papierausstoß der Papierfabrik Schoellershammer in Düren. Ob Wellpappenrohpapier (700 Tonnen pro Tag) oder edles Feinpapier (20 Tonnen pro Tag) - die Markenprodukte von Schoellershammer gelten in der Branche weltweit als Qualitätsprodukte bester Provenienz.

Ein Freitagvormittag in der Kreuzauer Straße, wir bereiten das nächste IHK-Forum unserer Zeitung vor. Gespräche, Zahlen, Perspektiven. Die Geschäftsführer Detlef Rhodius, Bernd Scholbrock, Theo Hassert und Armin Vetter sind bodenständige Unternehmer. Rhetorisches Gedöns und statistische Schönwetterschminke sind ihnen ein Gräuel. Sie verbinden das Effizienzdenken eines Herstellers von Massenpapieren (Wellpappenrohpapieren) mit der Qualitätsmentalität eines Feinpapierproduzenten. Und, ganz wichtig, sie sind Menschen dieser Region, die nicht mit Worten, sondern mit ihren tatsächlichen unternehmerischen Entscheidungen diesen Standort fördern und so zur Stabilisierung in und nach Krisenzeiten beitragen.

Gute Qualität bei großen Mengen mit exzellentem Lieferservice in Einklang zu bringen, ist ein wesentliches Ziel. Beim Wellpappenrohpapier komme, so formuliert das ganz offen Detlef Rhodius, der Firma entgegen, dass dort die Vermarktung in klaren Bahnen strukturiert sei. „Wir müssen da keine Marktforschung betreiben. Innovation ist hauptsächlich in der Verfahrenstechnik gefordert.”

Der Kreislauf ist schnell erklärt: Angeliefertes Altpapier wird in großen Mengen zu Wellpappenrohpapier verarbeitet. Die produzierten Rollen liefert Schoellershammer an die Kunden aus, die das Papier zu Wellpappe verarbeiten. Dem Verbraucher begegnet das Produkt aus Düren in Form von Verpackung, also Kartons. Die Dürener sind Partner zahlreicher ebenfalls mittelständischer Unternehmen, der Exportanteil liegt zwischen 40 und 50 Prozent, Schwerpunkte sind Osteuropa sowie Großbritannien und Frankreich.

Was hält Schoellershammer in der Region außer der Historie? Für Detlef Rhodius spielen die Lohnkosten hierbei nicht die entscheidende Rolle. „Wir haben es mit einem preiswerten Massenprodukt zu tun, das auf Altpapier basiert. Vor dem berühmten China-Faktor schützen uns die für eine Massenproduktion enormen Transportkosten.” Die Hauptarbeit erledige ohnehin die riesige kapitalintensive Papiermaschine. Die Personalkosten, ergänzt Theo Hassert, lägen bei etwa sieben Prozent. Und auch er sagt ausdrücklich noch einmal: „Deshalb fühlen wir uns nicht wirklich in unserer Wettbewerbsfähigkeit im Wellpappenrohpapiermarkt durch China bedroht.”

Wichtigstes Zentrum

Noch ein Wort zum Standort: Rhodius, nicht nur Geschäftsführer, sondern auch Inhaber, erinnert an die Geschichte des sehr alten Familienunternehmens und hebt einen entscheidenden Vorteil hervor: „Die Mitarbeiter bleiben lange bei uns, das ist eine unserer Stärken. Düren ist das wichtigste Zentrum der deutschen Papierindustrie. Die Menschen kennen und schätzen den Beruf des Papiermachers.”

Der Nachwuchs wahrscheinlich auch. Bis zu 90 Prozent der eigenen Auszubildenden werden übernommen und auf eine Stelle mit Perspektive, zum Beispiel als Papiertechnologe, vorbereitet. Papier herzustellen ist längst eine hochtechnische Angelegenheit geworden. Papier, wohin man sieht: Das gilt nicht nur für die im Außenbereich gestapelten Altpapierberge, sondern vor allem für das hochmoderne Automatiklager mit einer Kapazität von 7000 Tonnen. Die Produktion von Wellpappenrohpapier hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, weil der Verbrauch an Verpackungsmaterial nahezu explodiert ist. Der Konsum und damit die Zahl an zu verpackenden Waren und Gütern steigt rasant. Immer mehr Singlehaushalte verlangen nach kleineren Verpackungseinheiten. das fördert die Produktion bei Schoellershammer.

Werfen wir zum guten Schluss einen Blick auf das schöne Feinpapier. Der Anteil an edlen Premiumpapieren, ebenso gut per Hand wie mit teurem Schreibgerät zu beschriften, wird immer geringer. Im endlosen Meer der E-Mails (und die werden auf billigem Kopierpapier ausgedruckt) hat das handgeschriebene Blatt allerdings eine unverwechselbare Persönlichkeit. Der Konsum hierbei ist stark geschrumpft. Aber man entdeckt sie in der Papierfabrik noch: Hadernpapiere mit Wasserzeichen.

Im Feinpapierbereich, so erklärt uns Bernd Scholbrock, ist das Transparentpapier der große Renner und spielt in extravaganten Werbeformen durchaus eine Rolle. Diese Schoellershammer-Spezialität ist bislang schon in 130 Ländern der Erde angekommen. Warum das so ist, sagt Bernd Scholbrock fast mit Understatement: „Es gibt nicht viele auf der Welt, die Transparentpapier herstellen können.” Das wird ein spannendes IHK-Forum!

Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen und Aachener Zeitung laden die AZ-Leser am Montag, 15. November, zum Forum „Unternehmen in der Technologieregion Aachen” ein. Es beginnt um 18.30 Uhr im IHK-Foyer, Theaterstraße 6-10 in Aachen. Die Dürener Papierfabrik Schoellershammer wird von den Geschäftsführern Dr. Detlef Rhodius und Bernd Scholbrock präsentiert. Sie stellen sich im Gespräch den Fragen von AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu. Das IHK-Forum erfreut sich stets großer Beliebtheit. Deshalb bitten wir um vorherige Anmeldung unter 0241/5101-320, E-Mail: chefredaktion@zeitungsverlag-aachen.de oder per Fax unter 0241/5101-360.
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