IHK fordert eine schwankungsfreie Energieversorgung

Von: Daniel Gerhards
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Ein wichtiger Pfeiler in der Stromproduktion: die Windenergie. Foto: dpa

Aachen. Die Unternehmen in der Region stehen der Energiewende positiv gegenüber. Das teilte die Industrie- und Handelskammer am Dienstag mit. Auf diese Aussage folgte allerdings ein klares: aber. Der Prozess solle koordiniert und kontrolliert ablaufen. Die Politik habe nach Einschätzung der Unternehmer Nachholbedarf.

Bei der Bestimmung der „Energiepolitischen Positionen“ der Kammer haben 450 Unternehmen aus der Region mitgewirkt. Sie machten drei wesentliche Rahmenbedingungen fest: sichere und stabile Energieversorgung, internationale Wettbewerbsfähigkeit und einen Verbund auf dem europäischen Markt. Bislang könnten die Unternehmen beim Management der Energiewende weder Strategie noch Transparenz erkennen.

Für Peter Kramp, Geschäftsführer der Smurfit Kappa Zülpich Papier GmbH, sind die Versorgungssicherheit und -qualität der entscheidende Faktor. „Egal, wo die Energie herkommt, sie muss sicher ankommen“, sagte er. Spannung und Frequenz müssten stets stabil sein. In seinem Unternehmen könnten schon kleinere Schwankungen zu Produktionsausfällen führen. Die IHK fordert deshalb eine „jederzeit unterbrechungs- und schwankungsfreie Stromversorgung“.

Wenn die Energie nicht sicher bei der Industrie ankommt, sei auch das Image von in Deutschland produzierten Waren in Gefahr, sagte IHK-Vizepräsidentin Stefanie Peters, geschäftsführende Gesellschafterin der Neuman & Esser Group in Übach-Palenberg. Termintreue, Prozesssicherheit und Qualität stünden für Made in Germany. Wenn deutsche Firmen ihre Produkte nicht pünktlich liefern könnten, würde auch das Qualitätsmerkmal Made in Germany in Frage gestellt.

Sorgen bereiten den Unternehmen auch die Energiekosten. „Unsere Industriestrompreise sind nach Zypern und Italien die höchsten in Europa“, sagte Peters. „Kleine und mittelständische Unternehmen beklagen 50 Prozent Staatsanteil in den Strompreisen. Das müssen die Unternehmen kompensieren“, sagt sie. Deshalb soll die „Kosteneffizienz“ bei der Energiewende nach Ansicht der Unternehmer Priorität haben.

Von der EEG-Umlage sind in der Region 40 Unternehmen befreit. Verglichen mit den 600 Industrieunternehmer, die mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigen, in der Region sei die Zahl der befreiten Unternehmen gering, sagte IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting. Vor der jüngsten Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz seien 52 Unternehmen befreit gewesen.

Bei allen Risiken und Belastungen, die die Energiewende für die Unternehmen mitbringt, könnten sich durch Forschung und Entwicklung neue Möglichkeiten ergeben. „Die Energiewende ist im Moment eine Belastung für die Unternehmen, langfristig ergibt sich daraus aber die Chance für einen Wettbewerbsvorteil für die deutsche Wirtschaft“, sagte Kramp.

Wolfgang Esser-Schmittmann investiert mit seinem Unternehmen Carbon Service & Consulting aus Vettweiß in die Forschung. Die Firma stellt Aktivkohle für Umweltschutzanwendungen her. 400.000 Euro pro Jahr investiert er in die Grundlagenforschung – mit Erfolg. „Fast die Hälfte der Rohstoffe, die wir aus Schwellenländern importieren, können wir mittlerweile ersetzen, indem wir Abfälle nutzen“, sagt er. Die zweite Hälfte wolle man so bald wie möglich durch sogenannte biogene Rohstoffe ersetzen.

Guido Beckers, Geschäftsführer der BMR energie solutions GmbH aus Hückelhoven, sieht eine großer Herausforderung im Zusammenspiel zwischen Erzeugern erneuerbarer Energien, Betreibern konventioneller Kraftwerke, flexibler Verbraucher und Anbietern von Speichertechnik. Er sieht die Chance, dass mit Hilfe von RWTH und Fachhochschule Pilotprojekte gestartet werden könnten.

Dass Initiativen innovative Projekte verhindern können, sieht Kramp als große Gefahr. Beispiele dafür seien die Proteste gegen ein Pumpspeicherkraftwerk am Rursee und die Kritik Bayerns an Stromtrassen in den Süden. „Einzelne Stimmen können große Projekte verhindern, obwohl diese dem Allgemeinwohl dienen“, sagte er. Deshalb müsse es der Politik gelingen, die Bürger mitzunehmen und ihnen die Bedeutung solcher Projekte klarzumachen.

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