IHK Aachen hilft bei der Fachkräftesicherung

Von: Christina Merkelbach
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Berät Unternehmen bei der Fachkräftesicherung: Ellen Lenders von der IHK Aachen schaut ganz genau hin, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wer sich bei Ellen Lenders meldet, hat ein Problem erkannt, das Wirtschaft und Gesellschaft schon seit ein paar Jahren beunruhigt. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen steigt – die sogenannten Baby-Boomer nähern sich dem Rentenalter. Gleichzeitig hapert es an Nachwuchskräften, der demografische Wandel schlägt zu.

Bis zum Jahr 2025 sinkt die Zahl der Arbeitskräfte nach Schätzungen der Bundesregierung um sechs Millionen. „In der Personalpolitik muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Ellen Lenders. Seit Anfang des Jahres berät sie für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen Unternehmen bei der Fachkräftesicherung.

Schon 2020 wird es laut Berechnungen des Statistischen Landesamtes NRW in der Region Aachen 20 Prozent weniger Schulabgänger geben – und damit 20 Prozent weniger potenzielle Fachkräfte. Unter Fachkraft versteht Ellen Lenders übrigens nicht in erster Linie Ingenieure, auch wenn von dieser Berufsgruppe im Zusammenhang mit Mangel oft die Rede ist. „Fachkräfte sind alle mit einer qualifizierten Ausbildung“, sagt sie. Im Kammerbezirk fehle derzeit vor allem Personal in gewerblich-technischen Ausbildungsberufen. „Ich bin allerdings nicht für die Vermittlung von Arbeitskräften zuständig, das ist natürlich Hoheitsaufgabe der Agentur für Arbeit.“ Wer Personal sucht, für den stellt Ellen Lenders Kontakte her. Außerdem berät sie Unternehmen, welche Fördermittel sie wo beantragen können. „Viele wissen nicht, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung gibt, etwa für extrene Berater.“

Anne Rotheut vom Weinhandel Champa Vins Francais mit Sitz in Stolberg hat mit der Hilfe von Ellen Lenders einen neuen Lagermitarbeiter gefunden. Eigentlich wollte sie von der IHK nur ganz allgemein wissen, welche Möglichkeiten es für die Personalsuche gibt. „Von der Fachkräftesicherung habe ich erst während meines Telefonats mit Frau Lenders erfahren“, sagt sie. Zusammen mit der Agentur für Arbeit fand die IHK einen passenden Bewerber. „Da die Konstellation von Anfang stimmig war und wir uns schnell einigen konnten, wurde eine zweiwöchige Probearbeit vereinbart, die letztlich in eine befristete Festanstellung überging“, sagt Anne Rotheut. „Wir sind sehr zufrieden mit unserem neuen Lagermitarbeiter, der sehr zuverlässig ist und sich schnell in seinen neuen Aufgabenbereich eingearbeitet hat.“

Vom Jobcenter der Städteregion Aachen gab es für neuen Mitarbeiter einen Eingliederungszuschuss. Denn der Mann gehört zu einer Gruppe, die als schwer vermittelbar gilt. Auch das ändere sich mit dem Fachkräftemangel, sagt Ellen Lenders. „Die Unternehmen müssen alte Vorurteile überwinden und auch denen eine Chance geben, die auf den ersten Blick nicht perfekt dem entsprechen, was gesucht wird.“ Dazu zählten Menschen über 50 und internationale Fachkräfte ebenso wie Frauen mit Kindern und diejenigen mit einem lückenhaften Lebenslauf.

Ellen Lenders berät Unternehmen aber nicht nur dabei, wie sie neue Mitarbeiter gewinnen können. Sie hilft auch dabei, dass vorhandene bleiben. „Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass die Fluktuation so gering wie möglich bleibt.“ Dies erreiche, wer für seine Belegschaft einen Mehrwert schaffe. Und der, sagt Lenders, bestehe heute nicht mehr alleine nur aus Geld. „Die Motivation, die mit einer Gehaltserhöhung verbunden ist, verpufft spätestens nach einem Monat wieder.“ Viel wichtiger sei, für die sogenannte Work-Life-Balance zu sorgen – die Möglichkeit, Berufs- und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen. Dazu gehöre etwa, dem Mitarbeiter wenig strikte Vorgaben zu machen, ihn, wenn möglich, Arbeitsabläufe und -zeiten selbst organisieren zu lassen. Inwiefern das möglich sei, hänge von Unternehmen und Branche ab, sagt die IHK-Beraterin. Deswegen informiert sie sich immer vor Ort und schaut sich die individuellen Altersstrukturen ganz genau an. „Nicht jede Maßnahmen hilft jedem Unternehmen.“ Sie ermutigt allerdings immer dazu, die Mitarbeiter zu befragen.

Ihre Aufgabe bei der IHK beschreibt Ellen Lenders so: „Ich gebe Hilfe zur Selbsthilfe.“ Allen, die das kostenlose Angebot in Anspruch nehmen, müsse allerdings klar sein, dass man dem Fachkräftemangel nur langfristige Strategien entgegensetzen kann. Mehr Schaden als Gewinn bringt nach Meinung der Beraterin auch blinder Aktionismus. „Wer zum Beispiel die Gesundheit seiner Mitarbeiter fördern will, sollte nicht einfach ab und an mal einen Präventionskurs gegen Rückenschmerzen anbieten, sondern schauen, welcher Bedarf besteht und ein ganzheitliches Angebot machen“, erklärt sie. Und außerdem: „Es ist ganz wichtig, so früh wie möglich anzusetzen.“

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