IAA: Know-how und Technik aus der Region

Von: Udo Foerster
Letzte Aktualisierung:
Faszination Auto: Auf der IAA
Faszination Auto: Auf der IAA bestaunen derzeit die Massen die Neuheiten. Mit dabei: Technik und Know-how aus der Foto: dpa

Aachen/Frankfurt. „Ich möchte behaupten, dass sich kaum ein Auto auf den Straßen dieser Welt bewegt, in dem weder Technik noch Know-how aus der Region Aachen steckt.” Das sagt Thomas Wendland, Innovationsberater bei der Industrie- und Handelskammer Aachen.

Matthias Popp, Vorsitzender des „Competence Center Automotive Region Aachen” (Car), forumlierte es einmal so: „In unserer Region haben wir das Know-how, um ein komplettes Fahrzeug zu bauen. Nur eine Fabrik gibt es hier nicht.”

Über 200 Unternehmen aus der Region sind als Dienstleister oder Zulieferer für die Automobilindustrie tätig - weltweit. Selbstverständlich also ist die Region auch auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt vertreten - ganz direkt wie beim Streetscooter, dem inzwischen fahrbereiten Elektrofahrzeug, das hier entwickelt und als Prototyp gebaut worden ist, oder auch indirekt und nicht auf den ersten Blick erkennbar, wenn Produkte oder Know-how hiesiger Unternehmer in den Fahrzeugen der großen Autobauer zu finden sind.

Die LBBZ GmbH aus Geilenkirchen zum Beispiel. Das Laserbearbeitungs- und Beratungszentrum wurde 1991 als Spin-Off der Fachhochschule Aachen gegründet und ist seit 1998 in Geilenkirchen ansässig, derzeit mit 68 Beschäftigen.

Auch an den Entwicklungsarbeiten für den Streetscooter waren LBBZ-Ingenieure beteiligt. Im Kern beschäftigt sich das Unternehmen mit der Laser-Bearbeitung von Werkzeugen, die zur Herstellung von Karosseriebauteilen eingesetzt werden. Zum Einsatz kommt eine vom LBBZ ab 2005 als Lacid-Verfahren patentierte Bearbeitungsmethode. Dabei werden die tonnenschweren Stahlwerkzeuge an sensiblen Stellen mit dem Laser erhitzt. Nach dem Abkühlen entsteht durch Verschiebungen auf Molekularebene eine Materialstruktur von extremer Festigkeit.

Selbst nach jahrelanger Beanspruchung und dem Pressen Zehntausender von Autoblechen bleibt somit die gehärtete Form noch in Form. Bei Kosten von bis zu 25 Millionen Euro und mehr für das komplette Werkzeug ist das für Automobilhersteller eine lohnende Investition - wenn man bedenkt, dass nur minimale Abnutzungen ungehärteter Formen dazu führen können, dass die Autobleche nicht mehr passen und das komplette Werkzeug erneuert werden muss.

Seit sieben Jahren ist das LBBZ mit einer Zweigniederlassung zur Formbearbeitung bei den Audi-Werken in Ingolstadt vertreten. Auch bei BMW, Ford, Volkswagen und Daimler setzen Fachleute auf das Know-how aus der Euregio. „Alle neuen Modelle dieser Marken werden mit laserbearbeiteten Werkzeugen gefertigt”, sagt LBBZ-Geschäftsführer Ulrich Berners. Die Palette wächst, entsprechend wächst auch der Bedarf an Werkzeugen, wovon das LBBZ unmittelbar profitiert.

Imperia GmbH Aachen

Erstmals sind in Frankfurt die Neuentwicklungen der Aachener Imperia GmbH auf Messeständen größerer Kooperationspartner zu sehen. Das 1998 von Prof. Thilo Röth gegründete Unternehmen mit derzeit 30 Mitarbeitern hat unter dem Begriff „Variostruct” zusammen mit der RWTH und der FH Aachen sowie dem Kooperationspartner Tower Automotive ein hoch innovatives Verbundguss-Verfahren entwickelt, das die Kombination von Stahl mit Aluminium oder Magnesium in einem einzigem Bauteil ermöglicht - was eine enorme Gewichtsersparnis mit sich bringt.

Auf dieser Grundlage entwickelt Imperia in enger Kooperation mit Porsche und VW sicherheitsrelevante Karosseriestrukturen, die rund 30 Prozent weniger Gewicht gegenüber der konventionellen Stahlblechstruktur aufweisen. Mit Hilfe des neuartigen Leichtbauverfahrens erhoffen sich Automobilhersteller wie die Stuttgarter Sportwagenschmiede eine deutliche Senkung des Treibstoffverbrauchs.

Als ein weiteres neues Produkt aus dem Hause Imperia: „Flexbody”. Hierbei handelt es sich um einen Karosserie-Baukasten zur Produktion von Kleinserien. „Damit möchten wir unter anderem mittelständische Kleinserienhersteller beim Bau neuer Elektrofahrzeugkonzepte unterstützen”, sagt Röth, der seit 2001 im FH-Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik für das Lehrgebiet Fahrzeugkonzeption/Karosserietechnik verantwortlich zeichnet.

Die Flexbody-Karosserie kommt auch im Projekt „ec2go” zum Einsatz. Dabei geht es in enger Kooperation mit der FH und weiteren mittelständischen Unternehmen aus der Region um die Entwicklung eines Elektro-Carsharing-Konzeptes für urbane Zentren. Den Flexbody-Karosseriebaukasten gibt es übrigens in verschiedenen Varianten. Auch ein schnittiger Sportflitzer lässt sich auf Basis des entsprechenden intelligent konstruierten Leichtbaurahmens auf die Straße bringen.

Ford Forschungszentrum

Zu den Kunden von Imperia zählen große Autohersteller, aber auch der Aachener Autoglas-Spezialist Saint-Gobain Sekurit. Kunde der ersten Stunde freilich sind die Ford Werke in Köln, wo Imperia bereits die erste Zweigstelle eröffnet hat.

Entwicklungen von Ford gibt es auf der IAA selbstverständlich ebenfalls zu sehen. Highlight ist der Ein-Liter-EcoBoost-Motor, den das Publikum erstmals bestaunen darf. Knapp drei Jahre arbeiteten die Ingenieure des Ford Forschungszentrums Aachen an dem bis zu 120 PS starken und dabei als sehr sparsam gepriesenen Benzin-Aggregat, das auch gleich in einem neuen Modell zum Einsatz kommen soll: dem Kleinwagen Ford B-MAX, ebenfalls erstmals in seiner Serienausführung in Frankfurt zu erleben und ab 2012 lieferbar.

Daneben präsentiert Ford ein neuartiges Sport-Lenksystem - in Aachen über den Zeitraum von zwei Jahren entwickelt. Im neuen Focus ST soll es dem Fahrer ab Anfang 2012 präzisere Kurvenmanöver und ein besseres Lenkverhalten in Einparksituationen ermöglichen.

Dem Aachener Forschungszentrum mit rund 280 Mitarbeitern kommt innerhalb des Konzerns eine erhebliche strategische Bedeutung zu. So geben die Aachener in den Bereichen Fahrerassistenzsysteme, Fahrdynamik - sprich: Lenkung, Bremsen, Aufhängung - sowie Dieselmotoren weltweit den Ton an, was Neuentwicklungen im Konzern betrifft.

Darüber hinaus bestehen Forschungskooperationen mit Firmen und Forschungseinrichtungen in der Region. Als Partner zu nennen wären hier die FEV, das Institut für Kraftfahrwesen (IKA) sowie das Institut für Oberflächentechnik (IOT). Mit Unterstützung des IOT entwickeln die Ford-Ingenieure übrigens derzeit Kolbenringe, deren Verschleiß durch eine Spezialbeschichtung minimiert werden soll.

Auf eine enge Kooperation mit Hochschule und Fachhochschule setzt auch der Aachener BMW-Tuning-Spezialist AC Schnitzer. „Vor allem im Bereich Design arbeiten wir unter anderem mit der Fachhochschule zusammen”, erläutert Schnitzer-Geschäftsführer Rainer Vogel, dessen Firma zum 13. Mal auf einer IAA vertreten sein wird: mit einem 400 PS starken BMW 1er M Coupé sowie einem 650i Cabriolet mit 540 PS.

Was die 50 Mitarbeiter starke Firma besonders auszeichnet: Durch die Entwicklung eigener Fahrzeuge auf BMW-Basis, so genannte Concept-Cars, greift sie automobile Trends auf und zeigt branchenweit, was technologisch machbar ist.

Der AC Schnitzer 99d etwa, vorgestellt schon im Februar diesen Jahres: Das 235 km/h schnelle Fahrzeug auf Basis eines Z4-Roadsters verbraucht dank High-Tech-Leichtbauweise sowie Implantation des sparsamsten derzeit verfügbaren BMW-Dieselmotors nur 3,8 Liter auf 100 Kilometer. CO²-Ausstoß: 99 Gramm pro Kilometer - daher der Name. Leider gibt es das Fahrzeug nur als Unikat.

Innovationsforum in Düsseldorf

„Moderne Produktionstechnologien in der Automobilindustrie: Vom Produkt zur Fertigung” lautet der Titel einer Veranstaltung in der Reihe Automotive-Innovationsforum, zu der die Industrie- und Handelskammern mit weiteren Partnern Unternehmen einladen. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 6. Oktober, von 13 bis 18 Uhr im Mercedes-Benz Werk Düsseldorf, Rather Straße 51, statt.

Infos bei der IHK Aachen unter Telefon: 0241/4460272.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert