Hypo-Leasing-Prozess: Ralf J. schweigt weiter

Von: Verena Müller
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Köln. Was der Wirtschaftsreferent der Staatsanwaltschaft Köln gegen die Hypo Leasing BV vorbringt, scheint dem Hauptangeklagten Ralf J. wenig zu gefallen.

Der 58-Jährige redet im Landgericht Köln sichtlich aufgebracht auf Anwalt Martin Bücher ein, deutet immer wieder auf die an die Wand geworfenen Bilanzen, hektisch wandern seine Augen durch den Raum. Bücher legt ihm kurz die Hand auf die Schulter.

Gutachter Ferdinand Jansen hat soeben ausgesagt, dass „keine Leasingverträge durchgeführt” wurden. Weder Zinserträge von Darlehen noch Leasingraten seien in den Bankbelegen und sonstigen Unterlagen, die bei Durchsuchungen Ende 2009 beschlagnahmt wurden, aufgetaucht.

Geld eingestrichen und nichts ausgezahlt

Jansens Gutachten ist im Prozess gegen die sieben mutmaßlichen Millionenbetrüger, als deren Kopf Ralf J. gilt, ein recht eindeutiger Hinweis darauf, dass das Maastrichter Unternehmen von Kunden nur Gebühren eingestrichen, aber keine Kredite an sie ausgezahlt hat. Um mehr als sechs Millionen Euro geht es.

Laut Kölner Staatsanwaltschaft liefen die Geschäfte der Hypo Leasing so ab: Die Verträge wurden nach der Anzahlung schlicht für ungültig erklärt und die Gebühr von fünf Prozent der vereinbarten Kreditsumme nicht zurückerstattet. Die Kunden hatten juristisch keine Chance. In einem Mustervertrag, der dieser Zeitung vorliegt, ist unter „Punkt 12” zu lesen: „Die Anfangsfee wird nicht zurückgezahlt, wenn das Darlehen aus dem Darlehensnehmer anzulastenden Gründen nicht ausgereicht wird.” Und Gründe fanden sich wohl viele, wie aus Gesprächen mit Anwälten von Opfern deutlich wird. So soll ein Kunde etwa nicht genügend erläutert haben, dass er zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses Steuerverbindlichkeiten hatte. „Fadenscheinig” nennt ein Aachener Anwalt die Argumentation in jenem Fall.

Ralf J. ist in Justizkreisen kein Unbekannter. Bereits zwei Mal ist er wegen Betrugs zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, ein Berufsverbot wurde in Deutschland gegen ihn verhängt.

J. ist mittelgroß und schlank, im weißen Hemd wirkt er blass. Mit Geheimratsecken, einer feinen Nase und hohen Wangenknochen scheint er so gar nicht dem Klischee eines skrupellosen Kriminellen zu entsprechen, der verzweifelte Menschen um ihr letztes Erspartes bringt. Leslie A., ein ehemaliger Mitarbeiter, der ebenfalls vernommen in Köln wurde, beschrieb ihn sogar als sanftmütig. Einen Teil seiner Mitarbeiter soll er sogar wie seine eigenen Söhne behandelt haben.

Dazu zählte offenbar auch Marc S., der nicht nur Geschäftsführer der Hypo Leasing war, sondern auch von einer der drei weiteren Firmen mit ähnlichen Geschäftspraktiken, hinter denen Ralf J. stand. Marc S. musste sich Ende 2009 auch wegen Kokainhandels vor Gericht verantworten.

Der ehemalige Mitarbeiter Leslie A., der nach eigenem Bekunden über ein Jahr Kundenakquise betrieben hat und Unterlagen auf Vollständigkeit überprüfen sollte, beschrieb den Eindruck, den das Gebäude und die Mitarbeiter der Hypo Leasing auf Außenstehende machten, als „sehr seriös”. „Wenn man reinkam, sah es aus wie bei der Deutschen Bank”, sagte er. Die Führungsebene habe große Wagen deutscher Marken gefahren.

Wer im Detail welche Aufgaben hatte, konnte er nicht sagen. „Das war alles nicht sehr transparent”, sagte Leslie A. Bezeugen, dass Kredite zustandekommen wären, konnte er ebensowenig.

Ralf J. will sich im gesamten Prozess nicht äußern. Das ließ er über seine Anwälte mitteilen. Heute wird der Prozess fortgesetzt.
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