Vorstand der Sparkasse Aachen: Hubert Herpers geht in Ruhestand

Hubert Herpers: „Der direkte Kontakt ist unser Vorteil“

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Verwurzelt in der Region: Hubert Herpers, Vorstandschef der Sparkasse Aachen, geht in den Ruhestand. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Niemand ist unersetzlich, sagt Hubert Herpers. Und deshalb geht der langjährige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aachen nach eigenem Bekunden mit einem „sehr guten Gefühl“ zum Jahreswechsel in den Ruhestand.

Zeit, Bilanz zu ziehen und auch nach vorne zu schauen auf die Herausforderungen in einem auch für die Sparkassen schwierigem Umfeld. Herpers (noch 65) tut dies im Gespräch mit unseren Redakteuren René Benden und Hermann-Josef Delonge.

Herr Herpers, Sie sind seit 48 Jahren bei der Sparkasse Aachen. War früher alles besser?

Hubert Herpers: Es war jedenfalls völlig anders. Nur ein Beispiel: Als ich anfing, gab es für die Mitarbeiter an Silvester nicht frei. Denn auch damals mussten die Sparkonten zum Jahresabschluss bis auf den letzten Pfennig stimmen, die Zinsen mussten allerdings manuell aufwendig errechnet werden. Wir nannten das wegen der verwendeten Buchungsmaschine „Zinsen schlagen“. Das gibt es heute Gott sei Dank nicht mehr.

War es gemütlicher?

Herpers: Es war mit Sicherheit nicht so hektisch. Und die direkten Kontakte zum Kunden waren häufiger als heute.

Bedauern Sie das?

Herpers: Oftmals beschränkten sich die Kontakte darauf, dass man am Schalter Überweisungen für den Kunden ausfüllte. Aber der Kunde war einfach viel öfter in der Filiale, da kam man leichter ins Gespräch. Heute sprechen wir den Kunden gezielt an und laden ihn zu einem Gespräch ein. Das ist eine andere Herausforderung, der wir uns jeden Tag stellen müssen und auch stellen.

Hat sich die Bedeutung der Sparkasse durch den zurückgehenden Kundenkontakt verändert?

Herpers: Eindeutig. Vor drei Jahrzehnten war der Kassierer die wichtigste Person in einer Geschäftsstelle. Und er war die „Sozialstation“ des ganzen Orts. Er kannte jeden, er wusste bestens Bescheid, er hatte Kontakte. Die Leute kamen zu ihm nicht nur, um Geld abzuheben oder einzuzahlen, sondern auch, um einfach mal zu reden. Das gibt es heute nicht mehr. Die Filialen haben ihre Bedeutung als fast tägliche Anlaufstelle eingebüßt.

Daraus könnte man den Schluss ziehen und Filialen schließen – auch aus Kostengründen. Viele Banken und Sparkassen dünnen ihr Netz aus. Was macht die Sparkasse Aachen?

Herpers: Es ist ja nicht so, dass unser Geschäftsstellennetz noch so aussieht wie vor 30 Jahren. Wir haben in den vergangenen Jahren durchaus einzelne Filialen geschlossen, und ich will nicht ausschließen, dass wir das auch in Zukunft tun werden. Die grundsätzliche Frage ist aber: Wie stark ist die Sparkasse in der Fläche vertreten? Und: Wie stark ist eine Sparkasse, um sich ein aufwendiges Filialnetz leisten zu können? Wir haben heute etwa 90 Geschäftsstellen, wir wollen so weit wie irgend möglich in der Fläche bleiben. Denn das ist schließlich unsere große Stärke. Aber natürlich suchen wir flexible Lösungen, etwa indem wir die Geschäftsstellen in kleineren Kommunen miteinander verbinden und die Öffnungszeiten aufteilen. Nur so lasten wir unsere Mitarbeiter bei rückläufiger Nachfrage aus.

Definieren Sie Ziele mit Ihren Mitarbeitern, damit das Filialnetz so bleiben kann?

Herpers: Unser Ziel ist es, dass die Berater pro Geschäftsstelle und pro Woche 20 qualifizierte Kundengespräche führen und den Kunden entsprechend seiner individuellen Wünsche und Bedürfnisse beraten. Dazu müssen wir den Kunden aktiv ansprechen und Termine vereinbaren – auch telefonisch. Ob sich daraus direkt ein Geschäftsabschluss entwickelt, ist zweitrangig. Der Kunde wird sich auch in Monaten noch daran erinnern, dass er ein gutes Gespräch mit uns geführt hat. So entstehen Vertrauen und eine langfristige Geschäftsverbindung.

Erwarten Ihre Kunden, dass Sie angesprochen werden? Sie können sich auch im Internet informieren.

Herpers: Ich bin davon überzeugt, dass der Kunde das erwartet. Es gibt eine Befragung unter Onlinebanking-Kunden, wo sie am liebsten ihre Geschäfte abschließen. 80 Prozent sagen: in der Geschäftsstelle. Denn dort kennen sie den Mitarbeiter und können sich auch Wochen und Monate später noch direkt bei ihm bedanken oder auch sich beschweren. Das ist beim Telefonbanking eben nicht möglich. Der direkte Kontakt zum Kunden ist unser maßgeblicher Vorteil. Durch die großen Kundenzuwächse in den vergangenen Jahren sehen wir uns bestätigt.

Und dann will der Kunde mit dem Mitarbeiter der Sparkasse sprechen und muss erkennen, dass er zu den Öffnungszeiten arbeiten muss.

Herpers: Aus diesem Grund verlängern wir die Öffnungszeiten ab Januar montags bis donnerstags bis 18 Uhr. Nicht alle Mitarbeiter waren davon sofort begeistert, aber wir müssen das tun. Wir müssen uns an den Kundenbedürfnissen orientieren. Wir wollen für den Kunden dann da sein, wenn er Zeit für uns hat. Und wenn der Kunde sagt, er kann erst um 18.30 Uhr, dann geht das nach Absprache auch.

Herr Herpers, Sie sind seit 2009 Vorstandschef der Sparkasse Aachen. Damals befanden wir uns in den Ausläufen der weltweiten Finanzkrise. Dann kam die Eurokrise, jetzt die Zinskrise. Zwischendurch musste auch noch die WestLB abgewickelt werden. Eigentlich waren Sie permanent im Krisenmodus. Haben Sie das auch so empfunden?

Herpers: Ich will es so sagen: Es gab große Herausforderungen. Heute ist tatsächlich die Zinslandschaft das größte Problem, gefolgt von den Anforderungen durch eine für meine Begriffe völlig überzogene Regulatorik – jedenfalls, was die Sparkassen und Genossenschaftsbanken betrifft. Man sieht das an den hohen Fusionszahlen in den vergangenen Jahren. Viele kleinere Institute können den regulatorischen Anforderungen allein einfach nicht mehr gerecht werden. Ich finde diese Entwicklung nicht gut.

Die niedrigen Zinsen belasten mehr und mehr auch das Kerngeschäft der Sparkassen. Der Zinsüberschuss, von dem sie vor allem leben, sinkt allenthalben. Es gibt Experten, die voraussagen, dass das dicke Ende erst in zwei bis drei Jahren kommt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Herpers: Die Planrechnungen, die alle Kreditinstitute nach vorgegebenen Zinsszenarien für die Bundesbank erstellen müssen, sind in der Tat ernüchternd – wenn die Zinsen so bleiben, wie sie sind. Aber es gibt Anzeichen und Hoffnung, dass sich die Zinslandschaft langsam wieder verändert. In Großbritannien und in den USA sind die Zinsen von den Zentralbanken wieder leicht erhöht worden. Das wird auch Auswirkungen auf den Euroraum haben. Ich erwarte eine Normalisierung, wenn ab Herbst kein billiges Geld mehr von der EZB auf den Markt geschwemmt beziehungsweise sogar wieder eingesammelt wird. Wir gehen davon aus, dass die Zinsen sich ab Mitte 2019 wieder leicht nach oben bewegen werden.

Dann wäre auch die Weitergabe der Strafzinsen, die die Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, an die Kunden kein Thema mehr?

Herpers: Aber erst dann. Noch ist das ein großes Thema. Wir sprechen nur mit Firmenkunden und institutionellen Kunden über die sogenannten Verwahrentgelte, nicht mit Privatkunden. Das wäre ein falsches Signal und auch nicht durchsetzbar.

Die Städteregion Aachen gilt als Armutsregion. Wie beurteilen Sie die Vermögensverhältnisse vor Ort? Gibt es hier besonders viele wohlhabende Menschen oder besonders viele, die unter Armut leiden?

Herpers: Ich kann da im bundesweiten Vergleich keine Ausreißer erkennen, weder in die eine noch in die andere Richtung. Die Region spürt allerdings noch immer die Auswirkungen des Strukturwandels, der durch das Ende des Steinkohlebergbaus und der Tuchindustrie in den 90er Jahren eingeleitet wurde. Da ist aber schon sehr viel erreicht worden.

Und nun droht der nächste Strukturwandel: das Ende der Braunkohleförderung. Sehen Sie die Region gut darauf vorbereitet?

Herpers: Das Problem ist im Vergleich zur Steinkohle deutlich kleiner. Ich bin zuversichtlich, dass die betroffenen Menschen bei einer sukzessiven Aufgabe der Förderung neue und gute Arbeitsstellen finden werden, da viele Unternehmen auf der Suche nach Arbeitskräften sind.

Zum Schluss: Gibt es irgendetwas, das sie Ihrem Nachfolger Norbert Laufs mit auf den Weg geben werden?

Herpers: Wenn das notwendig wäre, würde ich das Haus in einem unglücklichen Zustand verlassen. Ich bin aber ganz und gar nicht unglücklich.

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