Hochschulen geben der Agit einen Korb

Von: Berthold Strauch
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Strahlende Keimzelle für neue Unternehmen: das Technologiezentrum am Aachener Europaplatz. Die Agit hält nach neuen Mitgesellschaftern Ausschau. Foto: Archiv

Aachen. Mehr als fünf Monate nach den Kommunalwahlen hat sich nun auch der Aufsichtsrat der Aachener Regionalentwicklungs-Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) den neuen politischen Verhältnissen angepasst.

Bei der konstituierenden Sitzung des Kontrollgremiums sei an der Spitze einstimmig auf Kontinuität gesetzt worden, bestätigte Agit-Geschäftsführer Helmut Greif am Freitag auf Anfrage. Dieter Philipp, Präsident der Aachener Handwerkskammer, hat den Aufsichtsratsvorsitz behalten. Dies gilt auch für seinen Stellvertreter, den parteilosen Euskirchener Landrat Günter Rosenke.

Zu den Neuen in dieser Runde zählt der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) - Sohn des Handwerkschefs Dieter Philipp. Der OB betonte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass er das Mandat überwiegend durch den für Wirtschaftsförderung zuständigen Co-Dezernenten der Stadtverwaltung, Manfred Sicking, wahrnehmen lassen werde.

Ein Zugeständnis an mögliche Kritiker, die angesichts dieser „Familienballung” Probleme wittern? Dieter Philipp, derzeit in Urlaub, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Allerdings ließ Geschäftsführer Greif erkennen, dass Philipp die fünfjährige Amtszeit an der Agit-Spitze wohl nicht ausfüllen werde. Philipp könne dies „nicht garantieren”, gab Greif dessen Worte wider. Der Vorsitzende wolle sich in die fällige „Neugestaltung der Agit einbringen”.

Und dabei gibt es in der Tat reichlich zu tun. Zum Beispiel bei der Neuordnung der Gesellschafterstruktur. Die Aachen-Münchener-Versicherung, die ihre Hauptverwaltung nach Köln verlagert hat, kündigte ihre Anteile an der Agit. Philipp hatte im Mai 2009, als die Agit ihr 25-jähriges Bestehen feierte, angekündigt, er wolle anstelle der AM gerne die RWTH und die Fachhochschule Aachen sowie das Forschungszentrum Jülich (FZJ) zu je einem Drittel der frei gewordenen Anteile von - eher symbolischen - vier Prozent als neue Gesellschafter sehen. Das Agit-Stammkapital beträgt rund 3,125 Millionen Euro.

Doch aus solchen Plänen wird nichts - vorerst, wie Greif am Freitag meinte. Er verhehlte nicht, dass RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg diese Beteiligung nicht wünsche, da die Elite-Uni ihre Kapazitäten nicht per Gesellschaftskapital in die regionale Wirtschaftsförderung einbringen wolle. Auf Nachfrage bestätigte Greif, dass neue Überlegungen gebe, die Anteile einem anderen Unternehmen zu übertragen.

Die Agit arbeitet an einem neuen Zukunftsprojekt: In der Nähe des Aachener Universitäts-Klinikums soll schon ab März ein fünfgeschossiges Ersatzgebäude für das Medizin-Technische Zentrum (MTZ) entstehen. Die Uniklinik hat das MTZ gekauft, um dort eigene Expansionspläne umzusetzen.

Wie Prof. Henning Saß, Vorstandsvorsitzender der Uniklinik, auf Anfrage erläuterte, betragen die Gesamtinvestitionen rund 5,5 Millionen Euro. Der Ankauf des MTZ diene der Erweiterung der Forschungsfläche der Medizinischen Fakultät und insbesondere des Forschungsschwerpunkts Medizin und Technik. „Das MTZ ist hervorragend an die klinischen wie an die Forschungseinrichtungen des Universitätsklinikums angebunden. Zudem ist der Ankauf auch vor dem Hintergrund der Campus-Pläne der RWTH zu sehen, die das Uniklinikum unterstützt und in die es sich gerade im Bereich Medizin und Technik aktiv einbringt”, fügte Saß an.

Das Nachfolgeobjekt ZBMT, Zentrale Bio-Medizinische Technik, soll auf dem angrenzenden Parkplatz entstehen. Die Bau- und Einrichtungskosten veranschlagt Helmut Greif mit rund zehn Millionen Euro. Die Gegra, eine Tochtergesellschaft der Stadt Aachen, ist Bauherrin, während die Agit die rund 10000 Quadratmeter Nutzfläche für Neugründungen und aus dem MTZ ausziehende Firmen anmieten und betreiben wird. Am 1. Mai 2011 soll die ZBMT fertig sein - als erster Baustein des ehrgeizigen Campus-Projekts.
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