Henkel lässt in Aachen forschen

Von: Thorsten Karbach
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In den Aachener Laboren geht es um die Zukunft des Waschmittels: Henkel-Vorstand Bruno Piacenza (Dritter von links) und RWTH-RektorErnst Schmachtenberg (links) schauen den Forschern im Leibnitz-Institut DWI über die Schulter. Henkel und TH arbeiten hier zusammen. Foto: Steindl

Aachen/Düsseldorf. Es war tatsächlich in Aachen, wo Fritz Henkel 1876 begann, mit Bleichsoda als Alternative zu Seife zu waschen. Es war die Geburtsstunde der Firma Henkel, die mit Persil und anderen bekanten Marken zu einem Weltkonzern mit 16 Milliarden Euro Jahresumsatz und 47.000 Mitarbeitern aufgestiegen ist – am Mittwoch wird die Jahresbilanz in Düsseldorf gezogen, wo das Unternehmen längst seinen Sitz hat.

Doch es ist nicht diese historische Verbindung, die Henkel-Vorstand Bruno Piacenza nach Aachen führt. Es geht um die Zukunft. Denn Henkel und die RWTH eröffnen nun offiziell – gearbeitet wird bereits seit Ende 2014 – den Henkel Innovation Campus Hicast an der RWTH Aachen, eine Forschungskooperation, untergebracht am Leibnitz-Institut für Interaktive Materialien DWI, in der TH-Wissenschaftler und Forscher des Konsumgüterherstellers gemeinsam agieren, um letztlich neue, Ressourcen schonende und gleichzeitig natürlich leistungsstarke Waschmittel zu entwickeln.

Oder etwas ganz anders, wie Henkel-Vorstand Piacenza bemerkte: „Es ist unser Wunsch, dass wir Erkenntnisse bekommen, mit denen wir gar nicht gerechnet hätten. Ich freue mich darauf, überrascht zu werden.“

Bis zu fünf Millionen Euro wird Henkel mit dem Unternehmensbereich Laundry & Home Care in den kommenden fünf Jahren für Hicast ausgeben, es ist das größte Investment des Konzerns in eine Kooperation mit einer Hochschule. Immer wenn eine solche Millioneninvestition aus der Industrie an eine Universität gerichtet wird, wird in Deutschland um die Freiheit der Forschung gefürchtet. Zuletzt hatte Transparency International den Einfluss der Industrie angeprangert. Zu Recht? Es mag Beispiele geben, die die Befürchtungen belegen, andererseits betont RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg bei der Eröffnung von Hicast: „Wir liefern nicht die Antworten, die Henkel gerne hören will. Wir liefern die richtigen Erkenntnisse, die vollkommen überraschend kommen können.“

Dennoch ist die Frage: Warum setzt ein Unternehmen mit einem Umsatz wie Henkel nicht auf die eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung? Weil die Ressourcen einer großen Hochschule wie der RWTH die Möglichkeiten der eigenen Forschungsabteilung bei weitem überschreitet. Am DWI ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Verfahrenstechnik, Chemie und Biotechnologie etabliert, Polymerwissenschaften sind ein natürlicher Baustein der Forschungsarbeit. Das ermögliche, so Rektor Schmachtenberg, effektiver, relevanter und schneller als die internationale Konkurrenz zu sein. Henkel hat Aachen nicht ausgewählt, weil es so schön nah an Düsseldorf liegt.

13 Post-Docs, Doktoranden und Techniker werden samt der Professoren Alexander Böker, Regina Palkovits, Walter Richtering und Ulrich Schwaneberg zunächst von RWTH-Seiten forschen. Ihre Arbeit soll sich natürlich für Henkel auszahlen. Nicht heute. Auch nicht morgen. Aber mittelfristig sicher. Das Unternehmen weiß, wie Forschung die eigene Zukunft bestimmt. „Wir können ohne Forschung nicht erfolgreich sein, Produktion und Marketing alleine reichen nicht“, erklärt Piacenza. Und wie hat sich Waschmittel nicht schon entwickelt! Wurde vor 40 Jahren Waschmittel noch mit 250 Gramm portioniert, sind es nun kaum mehr 25 bis 50 Gramm.

Gleichzeitig wurde die Leistung mehr als verdoppelt. Dafür besteht Persil nicht mehr aus vier, sondern aus 30 Komponenten. „Wir können nur dann überleben, wenn wir uns ständig neu erfinden“, sagt Henkel-Entwickler Thomas Müller-Kirschbaum. Oder anders ausgedrückt: „Persil bleibt Persil, weil Persil nicht Persil bleibt.“ Es geht um ständige Innovation. 45 Prozent der Henkel-Produkte sind erst in den vergangenen drei Jahren auf dem Markt gekommen.

Doch auch die RWTH, so betont Schmachtenberg, ist die Zusammenarbeit ein großer Gewinn. „Idealerweise forschen wir hier doch an relevanten Themen. Und so bekommen wir Forschungsfragestellungen aus den Firmen an die Hochschule. Eigentlich müssten wir Geld dafür zahlen“, sagt er. Doch das Geld geht den umgekehrten Weg. Die RWTH bekommt es. Und ein solcher Campus weise den Weg weg von der Projekt-gebundenen Einzelforschung. Hier geht um mehr als: Projekt, Ergebnis, Ende. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie der Kern des wirtschaftlichen Erfolges Deutschlands in Europa ist“, sagt Schmachtenberg.

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