Hendricks bittet Landwirte öffentlich um Verzeihung

Von: km
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Hat sich für ihre Kampagne für nachhaltige Landwirtschaft entschuldigt: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Foto: dpa

Aachen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat nach der massiven Kritik an den „Bauernregeln“ eingelenkt und öffentlich um Entschuldigung gebeten. Es sei nicht ihre Absicht gewesen, einen ganzen Berufsstand anzugreifen und zu beleidigen. „Das tut mir leid – mir auch ganz persönlich! – denn das war selbstverständlich niemals meine Absicht“, sagt die SPD-Politikerin in einer Videobotschaft.

Anstatt weiterhin mit den frechen Sprüchen über Massentierhaltung und Überdüngung zu polarisieren, wolle sie in Zukunft mit Bauern und Verbrauchern einen Dialog zu Missständen im Agrarsektor führen. „Ich glaube wir brauchen eine sachlich geführte Debatte darüber, wie wir uns die Landwirtschaft der Zukunft in unserem Land vorstellen. Wie Sie als Bäuerinnen und Bauern sie sich vorstellen. Und wie die Verbraucherinnen und Verbraucher sie sich wünschen.“

An ihren Forderungen hält sie fest

Die Diskussion dürfte damit jedoch noch immer nicht beendet sein. Nach wie vor hält Hendricks an ihren Forderungen fest, dass sich in der Umweltpolitik dringend etwas ändern müsse. In einem Brief an den Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) schreibt sie: „Wir haben unbestreitbar enorme Umweltbelastungen aus der Landwirtschaft, wir müssen zudem sehr viel besser werden beim Schutz der biologischen Vielfalt und beim Tierwohl.“ Erst durch die bewusste Fehldeutung, es handele sich um eine Kampagne gegen die gesamte Landwirtschaft, werde ein Zungenschlag herbeigeredet, den es in den Aussagen auf den Plakaten so gar nicht gebe.

Dieser Meinung ist auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Wir bedauern das erzwungene Ende der viel beachteten Informationskampagne“, teilt dieser in einer Pressemitteilung mit. Die Kampagne habe „einfache und völlig korrekte Fakten über Umweltprobleme in der Landwirtschaft auf humorvolle Weise thematisiert.“

Es sei zwar nicht die Aufgabe des Nabu, eine Bundesministerin zu verteidigen. „Aber angesichts des Erfolgs einer völlig faktenfrei orchestrierten Empörung der Agrarlobby gegen eine harmlose Aufklärungskampagne können wir nicht schweigen. Das lässt Böses ahnen für die anstehende Debatte um die EU-Agrarpolitik“, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands, Bernhard Conzen, zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung noch immer fassungslos, wie das Bundesumweltministerium eine solche Kampagne starten konnte. Diese habe die ganze Diskussion emotionalisiert und die Atmosphäre vergiftet. Aber man sei durchaus gesprächsbereit. „Wir sind nicht nachtragend und stehen einer sachlichen Debatte offen gegenüber“, sagt er.

Für den geplanten Dialog der Ministerin mit den Bauernverbänden ist bereits eine neue Website (bmub.bund.de/dialog-landwirtschaft) online gegangen. Nach Angaben eines Sprechers des Ministeriums sind außerdem Debatten in Sozialen Medien und bei einer Reihe von Veranstaltungen mit Hendricks geplant. Weitere Plakate mit „Bauernregeln“ soll es nicht geben.

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