Heiligendamm: Jagdfelds Anleger gehen wohl leer aus

Von: Marlon Gego
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er Verkauf des insolventen Grand Hotels in Heiligendamm wird nach momentaner Angebotslage zwischen 22 und 35 Millionen Euro bringen. Foto: dpa

Düren. Der Verkauf des insolventen Grand Hotels in Heiligendamm wird nach momentaner Angebotslage zwischen 22 und 35 Millionen Euro bringen. Das bestätigte der Dürener Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum auf Anfrage unserer Zeitung.

Zumbaum rechnet mit insgesamt sieben Angeboten für das 5-Sterne-Hotel an der Ostsee, das einem vom Aachener Immobilieninvestor Anno August Jagdfeld aufgelegten Fonds mit insgesamt 1850 Anlegern gehört. Dass die Anleger auch nur einen Cent ihrer insgesamt investierten 127 Millionen Euro zurückerhalten, ist unwahrscheinlich, da der Fonds nach Informationen unserer Zeitung bei drei Banken 26 Millionen Euro Schulden hat, unter anderem bei der Kreissparkasse Heinsberg. Weitere Gläubiger fordern zwischen fünf und acht Millionen Euro.

Die Verkaufsverhandlungen gestalten sich auch deswegen nicht ganz einfach, weil Jagdfeld über seine Firma ECH Eigentümer praktisch aller Grundstücke in der Umgebung des Hotels ist und sogar auf dem Hotelgelände ein teilweises Wegerecht besitzt. Somit ist Jagdfeld an allen endgültigen Verhandlungen über den Verkauf des Grand Hotels beteiligt, doch hat sein Ruf nach der Insolvenz erheblich gelitten.

Der Fonds hatte Jagdfelds Firma ECH das Grand Hotel 2002 mit Hilfe von 50 Millionen Euro staatlicher Subventionen für rund 175 Millionen Euro schlüsselfertig abgekauft. Wie viel Jagdfeld, der fortan als Geschäftsführer des Fonds tätig war, an dem Geschäft verdiente, lässt sich heute fast nicht mehr ermitteln, obwohl Sanierung und Ausstattung des Hotels von Firmen übernommen wurde, die ebenfalls zu Jagdfelds Firmengeflecht gehörten. Was immer im Grand Hotel passierte, Jagdfeld war daran geschäftlich beteiligt. Seine Anleger hingegen erhielten seit 2002 nicht ein einziges Mal Rendite. Im Februar 2012 wurde beim Amtsgericht Aachen der Insolvenzantrag gestellt.

Für den sich abzeichnenden Totalverlust des Fonds macht Zumbaum aber nicht in erster Linie die wenn auch undurchsichtigen Geschäftspraktiken Jagdfelds verantwortlich, sondern vor allem die Anleger selbst, jedenfalls diejenigen, die im Finanzwesen zu Hause sind. Schon beim Kauf des Grand Hotels hätten sie reagieren auf Transparenz der Kosten bestehen müssen. Spätestens als nach einigen Jahren klar wurde, dass das Hotel auch in absehbarer Zeit keinen Gewinn abwerfen würde, hätten Jagdfelds Anleger „auf Gegensteuerung müssen”, sagt Zumbaum. Dass sich kaum einer bei ihm gemeldet hat, passe ins Bild eines Anlegers, der anderen allzu sehr vertraue und sich vor der Investition nicht genügend über deren Sinnhaftigkeit informiere.

Da die Suche nach einem Käufer länger dauert als zunächst erwartet, beschloss die Gläubigerversammlung vergangene Woche, dass Zumbaum die Geschäfte des Hotels bis Jahresende fortführt, wenn nicht vorher ein Kaufvertrag abgeschlossen wird. Zumbaum rechnet für das zweite Geschäftshalbjahr mit einem sechsstelligem Überschuss.
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