Handwerk: Nachwuchs wird händeringend gesucht

Von: Thorsten Karbach
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Autoreifen Werkstatt Symbolbild
Der Nachwuchs: Er fehlt. Und genau das ist das große Problem des Handwerks – überall im Land.

Aachen. Das hört sich buchstäblich gut an. Weil die Anschaffung eines Hörgerätes nun eine finanzielle Förderung erfährt, freuen sich Hörgeräteakustiker über zunehmend gute Geschäfte. Sie stehen bei weitem nicht alleine da, wie die Konjunkturlage des regionalen Handwerks (ausgewertet wurden Antworten von 414 Betriebe mit 5672 Beschäftigten) verrät.

Die Situation: 82 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk waren mit der Entwicklung ihrer Geschäfte im vergangenen halben Jahr zufrieden – für 33 Prozent lief es gut, für 49 Prozent befriedigend. Das sind zwar fünf Prozent weniger als vor einem halben Jahr (87 Prozent), liegt aber immer noch über den Erwartungen: Diese Entwicklung hatte nur 77 Prozent erwartet. „Man kann mit Fug und Recht sagen, dass wir von einer Konsolidierung auf hohem Niveau sprechen“, kommentiert Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, die Ergebnisse.

Der Umsatz: 65 Prozent der Betriebe konnten ihre Umsätze in den Wintermonaten halten oder steigern. Bei der letzten Umfrage gelang dies noch 76 Prozent. Es besteht aber kein Grund zur Sorge: 75 Prozent gehen von stabilen oder sogar besseren Erträgen aus.

Die Aussichten: Sie sind dem entsprechend gut. 83 Prozent der Befragten sind zuversichtlich, dass die Geschäfte gut oder zumindest befriedigend bleiben. Dafür sorgt auch eine ordentliche Auftragslage. 73 Prozent waren mit dem Auftragsbestand zuletzt zufrieden, 66 Prozent gehen von gleich hohen Beständen aus, 17 Prozent rechnen mit einem Auftragsplus. Die Umstände sind weiter günstig. Der binnenwirtschaftliche Rahmen stimme, das Zinsniveau lasse Kunden wie Betriebe gleichermaßen investieren. „Das ist Schmiermittel für die Region. Wir spüren viel Optimismus“, erklärt Deckers. Mit anderen Worten: In diesem Jahr soll es wie geschmiert laufen im Handwerk der Region.

Die Branchen: Die wirtschaftliche Situation des Kfz-Gewerbes bleibt weiterhin schwierig, ebenso die der sogenannten personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe (unter anderem Schneider, Fotografen, Friseure, Kosmetiker). Ungewohnt düster sind die Prognosen im Nahrungsmittelgewerbe (Bäcker, Konditoren, Fleischer), bei denen zuletzt 93 Prozent über exzellente Geschäfte jubeln konnten, die Geschäftsentwicklung nun aber nur noch von 71 Prozent als weiterhin positiv eingeschätzt wird. Begründet liegt dies in der aggressiven Preispolitik der Discounter und dem Trend zu Frischbackstationen in Supermärkten.

Die Beschäftigung: 84 Prozent der Betriebe hielten an ihrem Personal fest oder stellten weiteres ein. Im Sommer wollen dies sogar 89 Prozent – wenn sie denn geeignete Fachkräfte finden...

Der Nachwuchs: Er fehlt. Und genau das ist das große Problem des Handwerks – überall im Land. 2014 wurden im Kammerbezirk 2262 neue Lehrverträge geschlossen. Insgesamt gab es 6466 Lehrlinge. Das sind – trotz aller aufwendigen Imagekampagnen des Handwerks – deutlich weniger als 2013, als 2465 neue Verträge und 6791 Lehrlinge insgesamt gemeldet wurden. Der Rückgang in Sachen neuer Lehrverträge liegt bei besorgniserregenden 8,2 Prozent (203 insgesamt), 2013 waren es nur 3,1 Prozent, 2012 sogar nur 0,6 Prozent.

Auf der anderen Seite suchen Betriebe vergeblich nach neuen Lehrlingen und die Stellenbörse der Handwerkskammer Aachen und ihrer Tochtergesellschaft Qualitec GmbH zählt 775 freie Stellen. Gesucht werden unter anderem 82 Sanitär-Heizung-Klimatechniker, 79 Gesellen der Elektroberufe und 65 Kfz-Mechaniker. Das Problem: Die Anforderungen steigen und können von den Bewerbern nicht mehr wie früher erfüllt werden.

„Es passt nicht mehr“, muss Ludwig Voß, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen, feststellen. Unter den 2262 neuen Auszubildenden 2014 haben zwar immer noch 46 Prozent einen Hauptschulabschluss, es sind aber bereit 17 Prozent mit Abitur und nur noch zwei Prozent ohne Schulabschluss. Vor zehn Jahren waren es nur acht Prozent mit Abitur und vier Prozent ohne Schulabschluss.

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