Handwerk in der Region ist optimistisch

Von: Christina Merkelbach
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Aachen. Peter Deckers startet mit einer Entschuldigung. „Es tut mir leid, mein Repertoire an positiven Ausdrücken ist erschöpft. Ich werde mich wiederholen müssen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, bevor er die jüngsten Ergebnisse zur Konjunkturlage des regionalen Handwerks vorstellt.

Seit ihrer Herbstumfrage 2013 verzeichnet die Kammer erfreuliche Zahlen, das bleibt auch in diesem Frühjahr so: 86 Prozent der befragten 399 Betriebe geben ihre Gesamtlage als gut oder befriedigend an. Das entspricht exakt dem, was die Umfrage-Teilnehmer im Herbst 2016 als Erwartung angegeben hatten.

„Das Handwerk segelt weiterhin mit konjunkturellem Rückenwind“, sagt Peter Deckers. Einzig Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen trübten das Ergebnis – auch das entspreche den Angaben aus den Vorjahren. Die Ergebnisse im Überblick.

Geschäftslagenach Regionen: Am besten beurteilen derzeit die Handwerksbetriebe im Kreis Heinsberg ihre Lage. Dort sprechen 88 Prozent von einer guten oder befriedigenden Situation. Es folgen der Kreis Euskirchen und die Städteregion Aachen mit jeweils 87 Prozent.

Die Stimmungslage im Kreis Düren ist mit 81 Prozent am schlechtesten. „Es ist aber immer noch ein hoher Wert“, erklärt Nicole Tomys, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Kammer. Für die kommenden sechs Monate rechnen 88 Prozent der Betriebe mit einer stabilen Lage. Das entspricht den Werten in der Städteregion Aachen und im Kreis Heinsberg. Am besten sind die Erwartungen im Kreis Euskirchen, wo 93 Prozent mit einer guten oder befriedigenden Lage rechnen. Im Kreis Düren sind es 83 Prozent. „Das Wahljahr 2017 scheint weder Unsicherheiten noch Euphorie im Handwerk des Kammerbezirks auszulösen“, sagt Peter Deckers.

Branchen: Im Bauhauptgewerbe (Dachdecker, Maurer, Betonbauer etc.) werten 86 Prozent ihre Lage positiv. Das sind zwar vier Prozent weniger als im Vorjahr, für Peter Deckers ist diese Gruppe aber nach wie vor die „Lokomotive im Handwerk“. Gleiches gilt für das Ausbaugewerbe, wo 85 Prozent positive Rückmeldungen geben (Vorjahr 88 Prozent).

Dazu gehören unter anderem Elektrotechniker sowie Maler und Lackierer. „Das niedrige Zinsniveau treibt den Bankvorständen Schweißperlen auf die Stirn, im Baugewerbe wirkt es dagegen wie ein Schmiermittel“, sagt Peter Deckers.

Volle Auftragsbücher in Kombination mit Fachkräftemangel führten allerdings dazu, dass die Betriebe mehr Zeit brauchen, die Arbeit zu erledigen. „Die Kunden müssen also warten.“ Langfristig werde sich das sicherlich auch in höheren Preisen bemerkbar machen.

Beschäftigung: Nach Angaben der Kammer ist das Beschäftigungsklima bestens. 75 Prozent der Betriebe hielten in den vergangenen sechs Monaten an ihren Teamgrößen fest, und 79 Prozent planen dies auch für die kommenden sechs Monate.

13 Prozent stellten neue Fachkräfte ein, 14 Prozent wollen im nächsten Halbjahr ihre Belegschaft erweitern. „Starke saisonbedingte Schwankungen wie in früheren Jahren gibt es derzeit nicht mehr“, erklärt Nicole Tomys.

„Die Betriebe halten an ihren Fachkräften fest, weil sie wissen, dass sie schwer zu ersetzen sind.“ Laut Kammer beschäftigen die 16 523 Handwerksbetriebe (Stand: Dezember 2016) im Durchschnitt fünf Personen – inklusive Chef oder Chefin.

Lehrstellen: Insgesamt gibt es derzeit im Kammerbezirk 6006 Lehrlinge. Das sind 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der neuen Lehrverträge sank vom 31. Dezember 2015 bis zum 31. Dezember 2016 von 2261 auf 2226 und somit um 1,5 Prozent.

Besonders nachgefragt waren bei den Lehrlingen die Berufe Elektrotechniker und Augenoptiker. Dagegen sank die Nachfrage bei Bäckern, Zahntechnikern, Dachdeckern, Metallbauern, Malern und Lackierern.

In ihrer Stellenbörse verzeichnet die Handwerkskammer aktuell 944 freie Stellen. An gleicher Stelle gab es im Vorjahr rund 800 Angebote. Der größte Bedarf besteht nach wie vor bei Elektroinstallateuren (104 Stellen), Installateuren und Heizungsbauern (94), Kfz-Mechanikern (83), Tischlern (77) und Friseuren (62). „Die Unternehmen suchen immer mehr Experten, der Arbeitsmarkt gibt sie allerdings nicht her“, sagt Peter Deckers.

Die Hoffnung, Flüchtlinge könnten die benötigten Fachkräfte sein, hätten sich bislang noch nicht erfüllt. Gleichwohl führe das Handwerk bei der Stellenvergabe an Flüchtlinge bundesweit – vor Industrie und Handel.

„Unsere beiden Willkommenslotsinnen haben bislang 50 Flüchtlinge erfolgreich in Betriebe vermittelt“, erklärt Deckers. „Es braucht alles seine Zeit“, sagt Nicole Tomys. Oft hapere es an Deutschkenntnissen, aber auch bürokratische Hürden spielten eine Rolle.

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