GU Tech für WZL Türöffner in die arabische Welt

Von: Thorsten Karbach
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Wichtige Erfahrungen gesammelt: Die RWTH und mit ihr das Werkzeugmaschinenlabor halfen beim Aufbau der GU Tech, einer deutschen Universität im Oman. Foto: imago/Jochen Tack
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Bringen Qualitätsmanagement nach Nordafrika, Arabien und Asien: Die WZL-Mitarbeiter Patrick Beaujean und Franz Gaudlitz. Foto: Steindl
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„Die Menschen vor Ort abholen“: Das ist der Ansatz von WZL-Direktor Robert Schmitt. Foto: Steindl

Aachen. Die Reise geht weiter. Nächste Woche ist Franz Gaudlitz in Tunesien, anschließend reist er nach Indien. Patrick Beaujean fliegt in den Oman. Die beiden arbeiten für das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen, jenes WZL, dessen große Versuchshalle bei einem verheerenden Brand in Schutt und Asche gelegt wurde.

Jenes WZL, bei dem sich der Schaden angesichts von 22 zerstörten Versuchsanlagen auf rund 100 Millionen Euro summierte. Gaudlitz und Beaujean zeigen, dass die Arbeit weitergeht. Und ihre Arbeit macht deutlich, welchen Stellenwert sich dieses WZL in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitet hat – weltweit. Sie sind im Auftrag der Unesco und großer deutscher Firmen unterwegs, wenn es in Nordafrika oder dem Nahen Osten darum geht, Bildungsangebote aufzubauen.

Professor Robert Schmitt, einer der vier Direktoren des WZL, und die Mitarbeiter seines Lehrstuhls für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement werden angefragt, wenn es darum geht, das Know-how in der deutschen Ingenieursausbildung in andere Länder zu tragen. „Das deutsche Bildungssystem genießt in anderen Ländern einen wesentlich besseren Ruf als im eigenen Land. Die RWTH ist da eine riesige Marke“, erklärt Schmitt. Und sie hat Erfahrungen: Denn 2007 hat die RWTH im Oman die GU Tech, die German University of Technology in Oman, gegründet, die einzige deutsche Universität auf der Arabischen Halbinsel und die erste private Universität im Oman. Das WZL war stark daran beteiligt.

Anfangs viel falsch gemacht

Im Oman wurde schnell klar: Es ist nicht möglich, ein deutsches Hochschulsystem einfach so zu kopieren. „Wir haben am Anfang viel falsch gemacht“, berichtet dementsprechend Beaujean. Sie mussten erst lernen, die Hochschule den Menschen und ihrem Bildungsniveau, dem Umfeld und den Strukturen im Oman anzupassen und nicht den Oman den deutschen Hochschulstrukturen anzupassen. „Das deutsche akademische Verständnis ist ein anderes als das im Irak oder dem Oman“, sagt Gaudlitz. Die GU Tech wurde nach und nach ein Erfolg, mittlerweile gibt es dort vor Ort sogar Drittmittelforschung, die Verbindung von Industrie und Hochschule – an der RWTH eine Selbstverständlichkeit. Und so wurde die GU Tech für das WZL am Ende auch der Türöffner in die arabische Welt.

Kein Wunder war es dann für die Beteiligten, dass die Unesco anfragte, ob das WZL nicht im Iraque Office (Irak-Büro) in der jordanischen Hauptstadt Amman Verantwortungsträger von irakischen Hochschulen ausbilden wolle. Mehr als 80 Prozent dieser Verantwortungsträger wurden mittlerweile in Amman und in Doha geschult.

Sie sollen nun an den Hochschulen in ihrer Heimat Impulse geben. Es folgten Projekte mit Facharbeitern in Tunesien und Ähnliches. „Letztlich ging es immer darum, die Menschen vor Ort abzuholen“, erläutert Schmitt, Rektoratsbeauftragter der RWTH für die sogenannte Mena-Region, also Nordafrika und den Mittleren Osten. „Einfach nur zu sagen: Jetzt macht das mal so, das geht nicht.“

Gaudlitz hat an Berufsschulen Mechatroniker-Klassen erlebt, die immer und immer wieder das nachsprachen, was ihr Lehrer sagte. Fragen zählte dort bislang nicht zur Lernkultur. So etwas muss mühsam implementiert werden. Behutsam und sorgfältig. „Wir können nicht einfach einen Studiengang exportieren“, sagt Gaudlitz. „Es bringt auch nichts, an Problemen zu forschen, die die Menschen dort nicht haben.“

Vor Ort gibt es ganz andere Probleme: In Nordafrika etwa fehlt der Mittelstand, wie es ihn in Deutschland als Arbeitgeber gibt. Die vorhandenen Großfirmen können bei weitem nicht die steigende Zahl von Hochschulabsolventen aufnehmen. 40 Prozent der tunesischen Absolventen sind laut Schmitt arbeitslos. Firmen, die sich rund um eine Hochschule gruppieren oder gar Neugründungen aus den Hochschulen? Fehlanzeige. Hier leistet das WZL wichtige Hilfe, man kann sie durchaus als Entwicklungshilfe bezeichnen.

Umdenken ist angesagt. Und ein Umdenken setzt ein: Die ersten Staaten verlangen bei Großprojekten mit ausländischen Firmen, dass die Menschen in ihrem Land dort arbeiten können und dafür entsprechend ausgebildet werden. Als Siemens den Zuschlag für den U-Bahn-Bau in der saudischen Hauptstadt Riad bekam, musste sich das Unternehmen dazu verpflichten, vor Ort die dazu notwendigen Arbeiter auszubilden. Der Hafen von Rotterdam plant am Golf von Oman einen kolossalen Tiefseehafen. Die GU Tech wird die geforderten Bildungsangebote für die Arbeiter aufbauen.

Firmen werden Dienstleister

Bei neuen Ausschreibungen wird Ausbildung eingefordert und die deutschen Unternehmen, die sich vor Ort engagieren und die Aufträge haben wollen, werden zwangsläufig zu Bildungsdienstleistern. „Diese Bildung kann man nicht kaufen, man muss sie entwickeln“, sagt Schmitt. Das WZL ist in solchen Situationen ein gern gesehener Partner. Ein Brückenbauer.

Dafür ist Franz Gaudlitz bald schon wieder unterwegs. Während die Ermittlungen nach der Brandursache in Aachen laufen und das Direktorium daran arbeitet, die verlorenen Maschinen durch neue zu ersetzen und den Schaden für die Forschungsprojekte so gering wie möglich zu halten, ist er im Namen des WZL wieder auf Reisen. Er sagt: „Wir alle möchten zeigen, dass es hier weitergeht.“

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