Grünes Licht für Hightech aus der Euregio

Von: Christina Merkelbach
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Loben die gute Zusammenarbeit mit Partnern aus den Niederlanden und Belgien: Karsten Kusterer, Geschäftsführer der B&B-Agema GmbH, hält eine Mikrogasturbine, und Karl Wasser, Geschäftsführer der Moers GmbH, im Technikum seines Unternehmens. Foto: Michael Jaspers
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Dr. Karsten Kusterer. Foto: Harald Krömer

Aachen. Über Pfingsten fliegt Karsten Kusterer nach Japan. Dort ist der Geschäftsführer des Aachener Unternehmens B&B-Agema öfter mal unterwegs, denn einer seiner größten Kunden ist der japanische Riesenkonzern Kawasaki.

B&B-Agema, 1995 gegründet, bietet Ingenieurdienstleistungen, unter anderem in den Bereichen Turbomaschinenbau und Energie- und Kraftwerkstechnik. Neun feste Mitarbeiter, drei externe Berater und im Schnitt drei Studenten messen, berechnen, planen und entwickeln für Kunden weltweit.

Vor kurzem ist ein neues Projekt hinzugekommen, für das Geschäftsführer Kusterer nicht in den Flieger steigen, sondern nur ein paar Kilometer über die Grenze fahren muss. Die Aachener kooperieren mit Micro Turbine Technology (MTT) aus Eindhoven und dem belgischen Unternehmen Leuven Air Bearings. Gemeinsam arbeiten sie an einem bezahlbaren Mini-Kraftwerk, das einzelne Gebäude wie Büro- oder Mehrfamilienhäuser mit Strom und Wärme versorgt. Herzstück der Anlage ist eine Mikrogasturbine.

„Permit“ heißt das Projekt, die Abkürzung steht für die kompliziert klingende englische Beschreibung „Performance Enhancement of Micro Turbine based CHP chips“. „Die Anlage setzt sich aus einem Heizkessel und einem kleinen Elektrizitätswerk zusammen“, erklärt Kusterer. „Bei Wärme und Strom geht die Entwicklung auch wegen der Energiewende zu dezentralen Anwendungen, also solchen, die den Verbraucher unabhängiger von den großen Kraftwerken machen.“ Die ersten Mini-Kraftwerke mit dem Namen „EnerTwin“ sind gerade im Testeinsatz, unter anderem beim deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart.

Das Zukunftspotenzial der kleinen Anlage hat man auch politisch erkannt: „Permit“ gehört zu den ersten acht Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die mit Geld aus dem neuen Innovationsfonds GCS unterstützt werden. Dahinter stehen neben der EU das niederländische und das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium.

Das Gesamtvolumen des Fonds beträgt 4,72 Millionen Euro, davon gehen zwei Millionen an die ausgewählten Projekte dieser ersten Runde. „Der GCS wurde eingerichtet, um grenzüberschreitende Kooperationen von kleinen und mittelständischen Unternehmen im Hightech-Sektor der Drei-Länder-Region zu stimulieren“, sagt Ralf P. Meyer vom regionalen Wirtschaftsförderer Agit. „Deshalb ist die Mindestanforderung für Bewerber auch, dass wenigstens zwei Unternehmen aus zwei verschiedenen Ländern der Drei-Länder-Region in einem gemeinsamen Innovationsprojekt miteinander kooperieren.“

Die erfolgreichen Bewerber erhalten aus dem Fonds zwischen 100.000 und 250.000 Euro, müssen die Summe nicht zurückzahlen, aber mindestens den gleichen Betrag noch einmal als Eigenanteil aufbringen. Für „Permit“ ist ein Projektvolumen von einer halben Million Euro veranschlagt, 250.000 Euro sind Fördermittel, die andere Hälfte steuern die Unternehmen bei.

Grünes Licht für sein Projekt „Vakuum-Wäscher“ hat auch das Unternehmen Moers bekommen, das vor 130 Jahren in Aachen gegründet wurde und 16 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dem belgischen Partner Vansischen Lineartechniek aus Hasselt entwickelt und fertigt der Hersteller von Reinigungs- und Textilmaschinen den Prototypen für ein hochmodernes Gerät, das unter anderem Kurbelwellen, Motorköpfe und Zylinderköpfe optimal von Verschmutzungen befreien kann.

Zu den Kunden von Moers gehören Autobauer wie Audi, VW und Ford. Diese würden von der neuen Maschine enorm profitieren, sagt Karl Wasser, Geschäftsführer der Moers GmbH. Auch beim Einsatz in Lebensmittelindustrie und Medizintechnik kann er sich den Vakuum-Wäscher vorstellen.

„Bislang wird industriell mit Hochdrucktechnologie gereinigt, für einfache Oberflächen ist das auch ausreichend.“ Auf diese Weise sei es aber eben noch nicht möglich, bestimmte Bauteile so gezielt zu säubern, dass restlos alle Rückstände entfernt werden. Ganz im Gegenteil. „Durch den Konterdruck, der bei der alten Technologie entsteht, werden massive Rückstände sogar weiter verfestigt.“ Mit dem neuen Wäscher, dessen Prototyp ungefähr 1,20 Meter breit und 2,75 Meter hoch ist, könne durch hochgradigen Unterdruck auch Wasser in die kleinsten Winkel gebracht werden.

Sechs Monate hat es gedauert, bis Karl Wasser alle Informationen und Dokumente beisammen hatte, um die Förderung aus dem Fonds beantragen zu können. Ein Finanzierungskonzept musste er noch gesondert vorlegen. Beratung und Hilfe gab es bei der Agit. 760.000 beträgt das Gesamtvolumen des Projekts, 250.000 kommen vom GCS. „Die Vorgaben sind sehr klar. Ende 2014 ist Schluss, dann muss der Prototyp fertig sein.“

Die Idee für den Vakuum-Wäscher wollte man bei Moers seit längerem schon patentieren lassen. Im Gespräch mit Maxime Vansichen, Geschäftsführer bei Vansichen Lineartechniek, hatte Karl Wasser das erwähnt. Der Geschäftspartner kam auf die Idee, sich gemeinsam beim GCS-Fonds zu bewerben.

Apropos Gespräch: Von Sprachbarrieren zwischen ihnen und den Nachbarn können weder Karl Wasser noch Karsten Kusterer berichten. Insbesondere, weil die Niederländer und Belgier häufig fließend Deutsch sprächen. Was fällt sonst noch auf? „Es geht oft lockerer zu als in Deutschland“, sagt Karsten Kusterer. „Während ich in Deutschland immer der Herr Dr. Kusterer bin, war ich in den Niederlanden schon recht schnell einfach nur der Karsten.“

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