Aachen/Jülich - Gründermesse „Aufbruch 2017“ macht Halt in Aachen

Gründermesse „Aufbruch 2017“ macht Halt in Aachen

Von: Tyrone Schwark
Letzte Aktualisierung:
Christina Hofmann
Mehr als 20 Sorten bietet Christina Hofmann in ihrer eigenen Kaffee-Rösterei „Beans and friends“ in Jülich an. Foto: tys
Sandra Ganser
Sie steht für das Konzept ihrer eigenen Marketing-Agentur „Zimt und Zepter“: Sandra Ganser. Foto: tys
Philip Wolters
Philip Wolters gehört mit seiner Idee auch zu den Finalisten der diesjährigen Food-Invention in Düsseldorf. Foto: tys

Aachen/Jülich. Aufbruch 2017 ist das Forum für junge Unternehmen und findet am Freitag, 30. Juni, von 14 bis 19 Uhr im Technologiezentrum am Europlatz in Aachen statt. Das Format richtet sich an alle interessierten Gründer und die, die es noch werden möchten.

Es sollen Hilfestellungen gegeben und so die Startvoraussetzungen verbessert werden. Neben drei Vortragsrunden, in denen Experten über gründungsrelevante Themen wie Finanzierung, Marketing oder Digitalisierung referieren, gibt es für die angehenden Selbstständigen auch die Möglichkeit, ihr Netzwerk zu erweitern. Außerdem wird es eine Vorstellung erfolgreicher regionaler Schülerfirmen und -projekte geben.

In der sogenannten StarterCorner stellen sich drei Gründer der letzten Jahre vor. Sie werden den Anwesenden von ihren Erfahrungen und Erfolgen, aber auch über ihre Rückschläge erzählen.

So ist sich Christina Hofmann, die ihre eigene Kaffeerösterei „Beans and friends“ eröffnet hat, sicher, dass schlaflose Nächte am Anfang der Selbstständigkeit zur Normalität gehören. Marketing-Expertin Sandra Ganser (Zimt und Zepter) hingegen wird auch auf die Vorteile der Freiheit als eigener Chef eingehen. Wie man mit der Modernisierung eines alten Handwerks Erfolg haben kann, wird Phillipp Wolters zeigen, der mit seinem Onlineportal „myWürstchen.de“ den Weg in die Selbstständigkeit fand.

Die Existenzgründermesse findet in diesem Jahr zum 15. Mal statt. Sie gehört bereits zum festen Angebotsrepertoire der Gründerregion Aachen.

Christina Hofmann: Alles andere als kalter Kaffee

Während eines Urlaubs verliebte sich Christina Hofmann in die Kaffeerösterei. Allerdings nicht in Italien oder Südamerika, sondern in der Eifel: „Dort saßen wir in einer kleinen Rösterei, und ich habe mir gedacht: Das ist es.“ Wie viele Heißgetränke allerdings den Weg in den Abfluss gefunden haben, bevor ihre eigenen Kreationen genießbar waren, weiß sie gar nicht genau. „Aber es waren sehr viele, bevor wir etwas verkaufen konnten.“

Über zwei Jahre lang musste sich Hofmann viel theoretisches Wissen über das neue Handwerk aneignen. In dutzenden Röstkursen und Seminaren erlangte sie in dieser Zeit immer tiefere Einblicke in die Produktion des „perfekten“ Kaffees.

Aber das ist schon fast zehn Jahre her. Mittlerweile konnte sie sogar ihre Rösterei „Beans and friends“ in Jülich vergrößern. Auch wenn sie Abschnitte in der Lage machen musste. „Vorher hatten wir einen kleinen Laden in zentraler Lage am Markt, jetzt ist es eher eine Randlage.“ Auch wenn sie deswegen anfangs größere Bedenken hatte, stellt sie heute fest: „Der Umzug hat uns gut getan.“

Mit ihr arbeiten noch sechs weitere Kaffee-Liebhaber in der Rösterei. Den Hauptumsatz macht die Barista mit dem Verkauf ihrer Bohnen. Trotzdem hat sie einen kleinen Gastronomiebereich an ihren Verkaufstresen angeschlossen. Außerdem gibt sie ihr Wissen auch in Seminaren an Kunden und weitere Interessierte weiter.

So zufrieden sie heute auch über den Schritt in die Selbstständigkeit ist: Es gab gerade am Anfang einige schlaflose Nächte. „Aber das ist normal. Wer sich selbstständig macht und sagt, es ist einfach, der lügt.“ Es seien viele Dinge gewesen, die oft zu Problemen geführt haben – neben des Handwerks. Denn Gebiete wie die Buchhaltung waren Neuland für sie.

Auch wenn ihr Kaffee im vergleich zu anderen teuer erscheint, sagt sie: „Das Geld ist er definitiv wert. Wer es nicht glaubt, dem erklären wir hier gerne warum.“

Sandra Ganser: Persönlich, ehrlich und direkt

„Ich mag es, Bilder im Kopf entstehen zu lassen“, sagt Sandra Ganser. So auch im Namen ihrer eigenen Marketing-Agentur „Zimt und Zepter“.

Was anfänglich wie eine unpassende Begriffskombination aussieht, ergibt beim zweiten Hinsehen deutlich mehr Sinn. „Zimt ist für mich ein starkes, verführerisches und emotionales Gewürz. Das muss auch Marketing leisten. Und das Zepter steht für etwas königliches, für etwas in die Hand nehmen. Aber auch für einen sorgsamen Umgang und etwas im Auge behalten.“

Für sie ist ihr Name bereits das erste Auswahlkriterium ihrer Kunden. Denn wer dort bereits aneckt,  bei dem wird eine Zusammenarbeit mit Ganser schwierig. Sie steht nämlich voll und ganz hinter ihrem Konzept. Sich zu verstellen kommt für sie gar nicht in Frage. „Ich merke: Je mehr ich bin wie ich bin, desto besser klappt es.“

Bei ihrer Arbeit sei ihr der persönliche Kontakt mit den Kunden äußerst wichtig. Etwas mehr aber noch die Freiheit, die man als selbstständige Unternehmerin genieße. „Der Wunsch, mich selbstständig zu machen, war immer schon da. Ich wusste es nur nicht.“

Nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau war sie in der neuen Marketingabteilung in den Aachener Thermen tätig. „Als Berufsanfänger hatte ich dort bereits viel Verantwortung.“ Wirklich glücklich wurde sie als Angestellte jedoch nicht. Sie beschloss, eine Auszeit vom Arbeitsalltag zu nehmen und sich auf die Planung und Entwicklung ihrer heutigen Agentur zu konzentrieren.

Mit Erfolg: Heute kann sie sich ihre Arbeits- und Urlaubszeiten selbst einteilen. „Auch wenn ich in den ersten Jahren vergessen habe, Urlaub zu machen.“ Der wichtigste Unterschied – im Gegensatz zu ihrer Zeit als Angestellte – ist wohl, „dass ich jetzt zeigen kann, was ich alles kann“.

Philipp Wolters: Unkonventionell zum Erfolg

Brander, Burtscheider oder lieber Südviertel? Die Rede ist nicht von Aachener Stadtteilen, sondern von speziellen Wurstsorten, die Dr. Philipp Wolters zusammen mit seinen Partnern von Westwerk über den Onlineshop „myWürstchen.de“ verkauft: zum Beispiel mit Honig-Knoblauch-Füllung.

Die Idee sei vor über einem Jahr nach einem Besuch bei seinen Eltern entstanden, die in Kanada leben. „Dort gibt es grobe Bratwurst in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Hier war ich verzweifelt auf der Suche nach ähnlichen Produkten“, sagt Wolters. So entstand der Kontakt mit einem Metzger, um beim Grillen in Deutschland nicht auf ihren Geschmack verzichten zu müssen. Gleichzeitig hatte er das passende Produkt für seinen schon länger auflodernden Wunsch gefunden, sich selbstständig zu machen – mit einer „unkonventionellen Idee“.

Bei seinen Würstchen handelt es sich nicht um Massenware, sondern sie werden von einem lokalen Fleischermeister handgefertigt. Damit fördere das Internetportal den regionalen Handel und steigere gleichzeitig die Qualität. „Unser Fleisch kommt ganz aus der Nähe. Das bedeutet, es ist frisch, und wir unterstützen in einem unsere heimischen Landwirte.“

Anfänglich hatte sich Wolters sogar selbst an die Produktion herangetastet: „Ich habe versucht, selbst Wurst herzustellen. Da habe ich erst gemerkt, was für handwerkliches Know-How notwendig ist“, sagt er. „Die Wurst von unseren Metzgern ist deutlich besser!“

Es ist ein Synergieeffekt, auf den Wolters mit seinem Team setzt. Fast kein Metzger hat die Zeit, seine Ware online zu verkaufen und dort auf sich aufmerksam zu machen. Andererseits lebt myWürstchen von der externen Produktion. Eine Win-Win-Situation. Bislang wird nur innerhalb der Städteregion geliefert, eine Bestellung zum Metzger, der die Wurst herstellt, ist auch möglich. Für den Shop entwickelt er immer neue Ideen, die gerade den Versand verbessern sollen.

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